Balotelli beschwert sich auf T-Shirt: "Warum ich?"

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“Warum immer ich?“, fragt Mario Balotelli von Manchester City auf seinem T-Shirt

Berlin - “Why always me?“, “Warum immer ich?“, fragt Mario Balotelli von Manchester City auf seinem T-Shirt. Die Antwort dürfte er wohl selbst nicht kennen. Für seinen schlechten Ruf tut er einiges.

“Why always me?“, “Warum immer ich?“, prangte auf einem T-Shirt unter seinem Trikot, in großen weißen Buchstaben auf hellblauem Untergrund, ganz uni mit dem Jersey von Manchester City. Die Antwort dürfte Mario Balotelli wohl selbst nicht kennen. Vielleicht richtete der Angreifer nach seinem Auftakt-Treffer zum 6:1-Kantersieg im Derby gegen Manchester United diese Frage auch deshalb ganz bewusst an die Öffentlichkeit. Vielleicht sucht Balotelli Hilfe. Denn irgendwie scheint bei dem italienischen Nationalspieler alles immer schief zu laufen. Zumindest neben dem Platz.

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Denn wenn er nicht den Ball am Fuß hat, geht es im Leben des 21-Jährigen drunter und drüber. Zuletzt hatte Balotelli in der Nacht auf Sonntag in seinem Haus in Macclesfield im Süden von Manchester gezündelt, und zwar im Badezimmer. Irgendwie kam der Italiener auf die fixe Idee, dort ein Feuerwerk abzubrennen, woraufhin Handtücher und Duschvorhang Feuer fingen. Zwei Löschfahrzeuge mussten ausrücken. Für den unverletzt gebliebenen Balotelli ging es daraufhin ins Hotel und einige Stunden später auf den Fußballplatz zum Derby gegen ManUnited, wo er dann ein weiteres Feuerwerk zündete. Zum Glück nur ein fußballerisches.

Fans, Präsidium - alle gegen Balotelli

Angefangen hat die ganze Misere bei seinem Ex-Klub Inter Mailand. Aus der Nachwuchsmannschaft in den in den A-Kader gestoßen, sorgten Balotellis Geistesblitze auf dem Feld zunächst für Euphorie bei den Tifosi. Da war es - das sehnsüchtig erwartete italienische Toptalent.

Allerdings schaffte es Balotelli eben auch mit traumwandlerischer Sicherheit, die Massen und sogar das Präsidium gegen sich aufzubringen. Ein wütend zu Boden geworfenes Inter-Trikot - Balotelli sah sich wiederholt rassistischen Schmähgesängen der eigenen Fans ausgesetzt - nach dem verlorenen Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona schließlich brachte das Fass zum Überlaufen. Der talentierte Signore Balotelli wurde endgültig zur persona non grata und beurlaubt. Im Sommer war dann ganz Schluss, Inter verkaufte den Youngster für knapp 30 Millionen Euro an Manchester City.

Aber auch auf der Insel wurde Balotelli das Opfer seiner Eskapaden - ob ein Kung-Fu-Tritt in der Europa League gegen einen Spieler von Dynamo Kiew, Strafzettel wegen Falschparkens in Höhe von knapp 11.000 Euro oder Dartpfeile auf Akteure der eigenen Nachwuchsmannschaft - Balotelli geriet einfach nicht aus den Schlagzeilen. Dennoch spielt er. Und wird von den Fans geliebt. Vielleicht gerade wegen seiner Ecken und Kanten. “Er gehört zu den fünf besten Fußballern der Welt“, sagte sein Trainer Roberto Mancini nach den zwei Toren gegen United. “Aufgrund seiner Jugend macht er noch viele Fehler. Aber er ist ein guter Junge.“

Ein Tritt macht Boateng berühmt

In der Fremde geliebt, zu Hause vom Hof gejagt - auch Kevin-Prince Boateng vom AC Mailand kann ein Lied davon singen. In Deutschland trat sein Name erst kurz vor der WM 2010 flächendeckend in Erscheinung - nämlich als der Ex-Herthaner, damals noch in Diensten des FC Portsmouth, der Chelsea-Spieler Michael Ballack im englischen Pokalfinale mit einem bösen Foul aus dem Kader der deutschen Nationalmannschaft für Südafrika trat. Der gebürtige Berliner wurde zum Staatsfeind Nummer eins.

Nicht deswegen hat sich der Bruder von Bayerns Abwehrspieler Jerome Boateng für die ghanaische Nationalmannschaft entschieden - diese Wahl hatte der ehemalige deutsche Jugend-Nationalspieler Kevin-Prince bereits vor seinem folgenreichen Tritt getroffen. Aber bei den “Black Stars“ bekam er einen Platz in der Nationalmannschaft, er konnte sich zeigen. Und das tat Boateng bei der WM, seine starken Auftritte lenkten die Aufmerksamkeit des FC Genua auf ihn. Der verpflichtete Boateng, verlieh ihn sogleich an den AC Mailand, und dort reifte der “Bad Boy“ aus dem Berliner Stadtteil Wedding zum Starspieler.

Spätestens seit seinem Hattrick am vergangenen Samstag gegen Lecce, mit dem Boateng in der zweiten Hälfte ein längst verloren geglaubtes Spiel zunächst ausglich, ehe Mario Yepes sogar noch den Siegtreffer für Milan erzielte, liegen ihm die Fans dort zu Füßen. Dass Boateng im März 2009 bei einem Heimatbesuch in Berlin zusammen mit seinem Kumpel Patrick Ebert mehrere Auto-Außenspiegel abgetreten haben soll, interessiert dort niemanden. “Ich habe eine großartige Beziehung zu den Fans“, sagt der 24-Jährige. Und das ist mehr, als Balotelli und Boateng in ihrer Heimat erwarten dürfen.

dapd

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