"Farce": Ballack verzichtet auf Abschiedsspiel

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Aus den beiden werden keine Freunde mehr.

Frankfurt/Main - Einen Tag nach seiner Ausbootung aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sagt ein stinksaurer  Michael Ballack Nein zu einem Abschiedsspiel.

Er habe am Donnerstag im Urlaub von der Pressemitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erfahren und sei über “Form und Inhalt der Nachricht“ enttäuscht und überrascht. “Wenn jetzt so getan wird, als sei man mit mir und meiner Rolle als Kapitän der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft jederzeit offen und ehrlich umgegangen, ist das an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten“, heißt es in einer Erklärung, die am Freitag im Auftrag von Ballacks Berater Michael Becker von einer Hamburger Kanzlei verbreitet wurde.

Ein längst vereinbartes Freundschaftsspiel als Abschied zu deklarieren, “ist aus meiner Sicht eine Farce“, sagte Ballack. Der DFB hatte ihm in Aussicht gestellt, am 10. August gegen Brasilien zum Abschluss seiner Länderspiel-Karriere sein 99. Länderspiel zu absolvieren. Löw hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass er nicht mehr mit Ballack plane.

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

“In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat“, hatte er auf der DFB-Homepage erklärt. “Im Interesse aller“ sei nun eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht, so Löw. Franz Beckenbauer hatte Ballack geraten, Löws Abschiedsspiel-Angebot anzunehmen.

Ballack hatte die WM 2010 in Südafrika wegen einer Fußverletzung verpasst. Seitdem hat der 34 Jahre alte Profi des Bundesligisten Bayer Leverkusen kein weiteres Länderspiel bestritten. Zuletzt hatte Löw im defensiven Mittelfeld Akteuren wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira oder Toni Kroos den Vorzug gegeben.

DFB reagiert zurückhaltend

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat zurückhaltend auf die massive Kritik von Michael Ballack wegen dessen erzwungenen Abschieds aus der Nationalmannschaft reagiert. “Es ist schade, dass Michael jetzt so reagiert hat. Seit Ende März stand der Bundestrainer ständig mit ihm in Kontakt und hat in aller Offenheit mit Michael über seine sportliche Situation geredet, weil er das verdient hat“, teilte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach am Freitagabend mit.

“Ich kann nur wiederholen, dass wir alle, besonders Joachim Löw, das Angebot, Michael mit einem Länderspiel zu verabschieden, total ehrlich gemeint haben“, sagte Niersbach. 

Schon Ende März soll Löw dem 34 Jahre alten Profi von Bayer Leverkusen verkündet haben, auf ihn zu verzichten. Ein angeblich vereinbartes Gespräch über die Modalitäten der Veröffentlichung kam nach DFB-Darstellung aufgrund des Verhaltens von Ballack nicht mehr zustande.

dpa

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