Ballack: DFB-Aus akzeptiert und abgehakt

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Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack

London - Michael Ballack hat sein unrühmliches und vorzeitiges Aus bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach eigener Aussage inzwischen verkraftet und akzeptiert.

„Vor ein paar Wochen war es sicher noch schwerer als jetzt, wo es gesackt ist. Sportlich bin ich weit davon entfernt, es nicht zu akzeptieren“, sagte der ehemalige Capitano auf einer Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel mit Bayer Leverkusen bei seinem Ex-Klub FC Chelsea am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) in London.

„Um Gottes Willen, man kommt in gewisses Alter“, sagte Ballack weiter: „Aber ich bin immer noch ehrgeizig und wollte zeigen, dass ich noch gut genug bin. Die Chance habe ich leider nicht gehabt. Das ist Sport, das ist Männersport.“ Deshalb ergänzte Ballack auch wieder: „Nach so langer Zeit in der Nationalmannschaft, für die ich gerne gespielt und immer alles gegeben habe, war der Schluss unbefriedigend.“ Ob er am Dienstag an alter Wirkungsstätte spielen darf, ließ sein Trainer Robin Dutt noch offen: „Ich weiß es, er weiß es, alle anderen müssen sich noch gedulden.“

Dass er sich über Wochen nicht in deutschen Medien geäußert hat, habe ganz normale Gründe gehabt, beteuerte Ballack weiter. „Dass es nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe, gerade im letzten Jahr, ist natürlich auch klar. Man sollte nicht zu viel reininterpretieren, nur weil ich mich öffentlich etwas zurückgezogen habe. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich ungerecht behandelt gefühlt hätte“, erklärte er: „Ich habe sicher nicht die leichteste Zeit gehabt, aber ich war auch verletzt, und ich habe schon immer weniger Interviews gegeben, wenn ich nicht auf dem Platz gestanden haben.“ Die Situation habe es „einfach nicht hergegeben. Das war eine neue Situation für mich, mit der musste ich klarkommen und muss es immer noch.“

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

Bei Chelsea soll er am Dienstag nachträglich offiziell verabschiedet werden. „Da ist eine sehr schöne Geste, wenn es dazu kommt und wäre ein sehr emotionaler Moment“, sagte Ballack, der in seinem letzten Spiel für die Londoner im Pokalfinale 2010 von Kevin-Prince Boateng durch ein Foulspiel schwer verletzt wurde. „Die Umstände haben es nicht möglich gemacht, dass man es damals noch durchgeführt hätte. Wir hatten die Verhandlungen auf das Ende des Jahres verschoben, dann kam die Verletzung dazwischen“, erklärte er.

In der vergangenen Woche hatte Ballack in einem Interview mit der englischen Tageszeitung The Times erklärt, dass es „immer noch weh“ tue, nicht mehr für Deutschland spielen zu dürfen. „Ich möchte das Thema eigentlich nicht immer wieder aufwärmen. Deshalb habe ich das Interview in England gegeben“, erklärte er nun am Dienstag: „Dort besteht ein anderes Interesse als in Deutschland. Hier wurde genug geschrieben.“

dpa

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