Aachen steht vor Scherbenhaufen

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Ralf Aussem (rechts) bleibt Trainer bei Alemannia Aachen.

Aachen - Kein Geld, keine Verträge - Alemannia Aachen steht nach dem Sturz in die 3. Liga vor einem Scherbenhaufen. Immerhin bleibt der Trainer im Boot.

Der ewige Tabellenführer der 2. Bundesliga ist nach dem zweiten Abstieg aus dem Unterhaus auf der Suche nach neuen Spielern und einem neuen Geschäftsführer. Dazu plagen den Traditionsverein wegen der Belastungen durch das 2009 eröffnete Tivoli-Stadion wirtschaftliche Probleme, die fast zwangsläufig den sportlichen Niedergang mit nur sechs Siegen in dieser Saison eingeleitet haben.

„Die Saison war eigentlich vom ersten Spieltag an schwierig für uns. Es wäre leichtsinnig gewesen, wenn wir in der letzten Zeit nicht schon für die 3. Liga geplant hätten, das Damoklesschwert des Abstiegs schwebte ja schon etwas länger über uns“, sagte Präsident Meino Heyen. Der 2:1-Erfolg bei 1860 München am 34. und letzten Spieltag am Sonntag reichte nicht mehr. Weil der Karlsruher SC gegen Aufsteiger Eintracht Frankfurt (1:0) die Oberhand behielt, stieg die Alemannia wie schon 1990 aus der 2. Liga ab.

Ex-Bundesligisten in den Amateurligen

Ex-Bundesligisten in den Amateurligen

Trainer Ralf Aussem, der am 1. April nach der Entlassung von Friedhelm Funkel bis zum Saisonende mit dem Traineramt betraut wurde, und in sechs Spielen drei Siege eingefahren hat, trifft daran die wenigste Schuld. „Die Mannschaft hat sich unter seiner Regie anders präsentiert, seine Maßnahmen haben gegriffen“, sagte Heyen. Daher wird Aussem das Team auch in Liga drei betreuen. Solange kein neuer Sportdirektor gefunden ist, wird Aussem zudem die sportlichen Planungen für die kommende Saison vorantreiben. „Wir kommen wieder, das verspreche ich“, sagte der 51-Jährige.

Mit welchem Spielermaterial ist aber fraglich. Kein Aachener Akteur besitzt einen Kontrakt für die 3. Liga. Thomas Stehle, Albert Streit und David Odonkor haben aber bereits ihre Bereitschaft bekundet haben, in den Niederungen des Profitums der Alemannia die Treue zu halten. „Aachen hat mich wieder aufgenommen. Der Abstieg ist auch für mich bitter. Jetzt muss ich erst mal alles verarbeiten, aber dann können wir auch über alles reden“, sagte der frühere Nationalspieler Odonkor, den die Westdeutschen im September 2011 aus der Arbeitslosigkeit gerettet hatten.

Auch Geschäftsführer Erik Meijer steht nicht mehr zur Verfügung. Dem früheren Bundesligaspieler war es nicht gelungen, die Leistungsträger der Saison 2010/11, Zoltan Stieber (10 Tore, 15 Vorlagen) und Marco Höger (7 Tore, 9 Vorlagen), adäquat zu ersetzen.

Der Verein hatte schon Ende April die Trennung von Meijer zum Saisonende verkündet. Dem Ex-Bundesliga-Profi muss allerdings zugute gehalten werden, dass die Aachener finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Am 50 Millionen schweren Stadionbau knabbern die Alemannen noch heute. Um die Lizenz zu sichern, musste 2010 gar die Stadt als Bürge einspringen.

Beim Spatenstich im Mai 2008 schwelgte Zweitligist Aachen noch in Erinnerung an die bis dato letzte Bundesligaspielzeit (2006/07). Aktuell dürften eher die horrenden Zinszahlungen von rund fünf Millionen Euro per annum für die Arena in den Köpfen herumschwirren.

sid

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