Europa verpasst - na und?

FC Augsburg feiert Rekordsaison

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Augsburgs Andre Hahn wechselt zur neuen Saison zu Borussia Mönchengladbach.

Augsburg - Der FC Augsburg verpasst die Qualifikation zur Europa League. Doch traurig will deshalb keiner sein.

Nach dem Abpfiff einer grandiosen Saison wurde in Augsburg vor allem eines: gefeiert. Mit der Qualifikation zur Europa League wurde es am letzten Bundesliga-Spieltag dann doch nichts mehr für den 1907 gegründeten Fußball-Klub, doch ein jeglicher Anflug von Enttäuschung ging unter im tosenden Jubel. Minutenlang besangen die dankbaren Anhänger ihre Mannschaft, die Spieler zogen grüne T-Shirts über mit dem wegweisenden Aufdruck „Rekordsaison - auf ein viertes Jahr Bundesliga“, und selbstverständlich gab es hinterher Freibier hinter der Osttribüne der Arena.

Wenn die Glückseligkeit ein Fußballspieler ist, dann war sie am Samstag ganz sicher ein Augsburger. Auch Armin Veh, der ein paar Kilometer westlich der Stadt in Bonstetten gerade sein neues Haus bezogen hat, fühlte sich nach seinem letzten Spiel als Trainer von Eintracht Frankfurt der Heimat verbundener denn je. „Da könnt ihr alle drauf stolz sein“, sagte Veh mit aufrichtigem Respekt, ja fast Freude zu Markus Weinzierl und dem achten Rang einer Mannschaft, die vor eineinhalb Jahren mit mickrigen neun Punkten noch in den Abgrund geblickt hatte.

Und nun fehlte nicht viel, und Augsburg hätte an Stelle von Mainz 05 fast noch die Qualifikation zur Europa League erreicht. Nach dem 2:1 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt fehlten am Ende lediglich in Punkt und ein paar Tore. Klar, ein klein wenig hatten sie schon mit einem Patzer von Mainz (3:2 gegen den Hamburger SV) geliebäugelt, diese bayerischen Schwaben, sie spielten dieses letzte Spiel ihrer ohnehin schon bemerkenswerten Saison dann auch, als ginge es um alles. Aber: „Wir wollen jetzt nicht traurig sein“, sagte Trainer Weinzierl, „wir haben 52 Punkte geholt, das ist wirklich sensationell“.

Warum sie 52 Punkte geholt haben, demonstrierten die Augsburger am letzten Spieltag nochmals mit Nachdruck. Frankfurt war durch Joselu sogar in Führung gegangen (15.), hatte auch in der zweiten Halbzeit ein paar gute Gelegenheiten, um nach dem Ausgleich von Roger Klavan (30.) als Sieger aus dieser Spielzeit zu gehen. Dann aber traf Andre Hahn gegen den herausragenden Kevin Trapp (80.) - und Augsburg ließ die Puppen tanzen. „Das war ein schönes Abschiedsgeschenk“, sagte Hahn. Er wird demnächst vielleicht bei der WM spielen, auf jeden Fall aber künftig Europa League Borussia Mönchengladbach.

Weinzierl: Europa League vielleicht gar nicht so gesund

Wenn diese kleine Schwächephase im Februar und März nicht gewesen wäre, als Augsburg von vier Heimspielen nacheinander drei verlor und eines unentschieden spielte, wären vielleicht auch Hahns bisherige Kollegen bald über den Kontinent gereist: Augsburg wäre nun Siebter, Augsburg wäre in der Europa League.

Nun ja, warf Trainer Weinzierl ein, „ob es gesund gewesen wäre“, das sei mal dahingestellt. Die kommende Saison hätte anders geplant werden müssen, und nach der Qualifikationsrunde hätte dann auch schon alles vorbei sein können mit dem Traum von einem vermeintlich goldenen Europa.

Aber die große Traurigkeit brach ohnehin nicht aus, auch nicht am Abend bei der Abschlussfeier in der Kongresshalle. Nein, beeilten sich alle Augsburger nach dem Spiel zu sagen, enttäuscht sind wir nicht. „Wir sind überglücklich“, betonte der erneut hervorragende Daniel Baier, der vielleicht am meisten unterschätzte Sechser mit Spielmacherqualitäten der Liga. Und außerdem, erwähnte Verteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker, bliebe so Luft nach oben, es sei ja das „Ziel, sich weiter zu steigern“. Oberstes Gebot bleibe dabei aber: „Wir müssen den Ball flachhalten.“

Nein, verrückt spielen werden sie nicht in Augsburg. Ziel in der kommenden Saison, das sagen sie alle von Präsident Walther Seinsch bis Sportdirektor Stefan Reuter, sei zunächst mal, drei andere Mannschaften hinter sich zu lassen.

SID

Alle Deutschen Fußball-Meister seit 1964

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