Spitznamen der EM-Stars

Atom-Ameise & Nemo treffen auf Captain Fantastic

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"Nemo" und der "Torero" - Spitznamen kann man sich nicht aussuchen.

Warschau - Tim Wiese ist „Spiegel“, Wayne Rooney „Roo“ und Sebastian Giovinco die „Atom-Ameise“: Einige EM-Spieler haben  teils skurrile Spitznamen erhalten. Nicht alle sind damit zufrieden.

Deutschland hat den „Torero“, Schweden „Ibracadabra“ und Italien die „Atom-Ameise“: Die großen Stars der Fußball-EM tragen bisweilen skurrile Spitznamen - ob sie wollen oder nicht. Der Fantasie von Fans und Mitspielern sind dabei keine Grenzen gesetzt. Und so kann es sein, das auf dem Rasen plötzlich der „kroatische Cruyff“ auf „Captain Fantastic“ trifft. Oder ein „Taktstock“ zum furiosen Solo ansetzt. Hintergründig geht es im deutschen Team zu. Lars Bender etwa wird „Manni“ gerufen, frei nach dem ehemaligen Bayern-Profi Manfred Bender. Zunächst hieß nur Bruder Sven so, doch Zwillinge teilen eben alles - auch den Spitznamen. Torwart Tim Wiese wiederum wird als „Spiegel“ geneckt, weil er angeblich so viel Zeit vor demselben verbringt. Und Mario Gomez ist natürlich der „Torero“, weil er viel trifft und entsprechend jubelt.

Nicht alle Nationalspieler sind indes mit ihrem Spitznamen zufrieden. Mesut Özil wird in Madrid angeblich „Besugo“ gerufen - was eigentlich einen Speisefisch mit besonders hervorstehenden Augen bezeichnet. Nicht gerade ein schmeichelhafter Vergleich. Und wie aus Mario Götze „Götzinho“ wurde, weiß nicht einmal der Dortmunder selbst. „Im Verein und auch bei der Nationalmannschaft werde ich bei meinem Vornamen gerufen. Ich weiß nicht, von wem das aufgegriffen wurde“, sagt Götze.

Captain Fantastic, Atom-Ameise und Nemo - die Spitznamen der EM-Stars

Captain Fantastic, Atom-Ameise und Nemo - die Spitznamen der EM-Stars

Aussuchen kann sich seinen Spitznamen ohnehin niemand. Meist überwiegt freilich der gute Wille. Wie bei Lukas „Prinz Poldi“ Podolski, Marcel „Schmelle“ Schmelzer oder Manuel „Schnapper“ Neuer. Leer ist dagegen Mats Hummels ausgegangen. „Mats ist wohl einfach zu kurz“, sagt der BVB-Innenverteidiger. Eher blumig geht es bei den übrigen Teams zu. Besonders hart getroffen hat es Italiens Mittelfeldspieler Sebastian Giovinco. Der misst gerade 164 Zentimeter, wuselt sich durch gegnerische Abwehrreihen und ist beinahe zwangsläufig als „Formica atomica“ bekannt - „die Atom-Ameise“ also. So heißt eine von Italienern geliebte Cartoon-Figur mit weißem Sturzhelm. Giovincos Biographie heißt dann auch „La favola bella della Formica Atomica“, das „schöne Märchen von der Atom-Ameise“. Doch damit nicht genug. Englands Kapitän Steven Gerrard ist bei Fans und Mitspielern als „Captain Fantastic“ bekannt, der Niederländer Klaas-Jan Huntelaar nicht nur bei Schalke 04 als „Hunter“, und Luka Modric als „kroatischer Cruyff“. Etwas zeitgemäßer waren Russlands Fans bei der Schöpfung „russischer Ronaldinho“ für Juri Schirkow, Kollege Andrej Arschawin firmiert als „kleiner Zar“. Geholfen hat es nicht, beide haben inzwischen abgedankt.

Meist jedoch sind Spitznamen simple Abkürzungen. Ob „Boa“ für Jerome Boateng, „Roo“ für Wayne Rooney oder „Schewa“ für Andrej Schewtschenko: Wenn der Name zu lang ist, wird gnadenlos gekürzt. Das erlebten auch Per „Merte“ Mertesacker oder Bastian „Schweini“ Schweinsteiger - wobei der Bayern-Star irgendwann Protest einlegte. „Das passt nicht mehr, da bin ich rausgewachsen“, sagte Schweinsteiger, dem die zahllosen „Schweini und Poldi“-Schlagzeilen gegen den Strich gingen. 2006 wurde „Schweini“ sogar ein Fall fürs Gericht. Als ein Augsburger Fleischhändler eine Wurstsorte gleichen Namens im Angebot führte, wehrte Schweinsteiger sich - und bekam Recht. „Auch Spitznamen genießen den besonderen gesetzlichen Schutz des Namensrechts“, befand das Landgericht München.

sid

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