Atempause für Keller & Schalke

Draxler witzelt über Matips Abseits-Tor

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Die Schalker konnten ihr Glück beim zweiten Treffer selbst kaum fassen.

Gelsenkirchen - Nach dem CL-Achtelfinaleinzug ist die Erleichterung auf Schalke riesengroß. Selbst zwei Ausfälle trüben die Freude kaum. Trainer Keller und sein Team können etwas durchatmen.

Erleichtert riss Jens Keller die Arme hoch und ballte die Fäuste. Der Einzug des FC Schalke 04 ins Achtelfinale der Champions League verschafft dem seit seinem Amtsantritt vor 361 Tagen umstrittenen Trainer eine kleine Atempause. Mehr aber wohl nicht, wie der 43-Jährige nach dem 2:0 (0.0) im Gruppenfinale gegen den FC Basel realistisch konstatierte: „Es ist eine Riesenlast von uns abgefallen. Aber etwas mehr Ruhe werden wir nur bis Sonntag haben. Der Druck ist enorm hier. Nicht nur auf mich, sondern auch auf die Mannschaft.“

Zu einer klaren Aussage bezüglich Kellers Zukunft ließ sich Horst Heldt trotz seiner Freude über weitere Fußball-Festtage in Europas Beletage nicht hinreißen. „Ich kann nicht nach jedem Spiel etwas anderes sagen. Weder nach einer Niederlage noch nach einem Sieg. Es bleibt dabei, dass wir uns nach dem letzten Hinrundenspiel in Nürnberg zusammensetzen und Bilanz ziehen“, betonte der Manager. „Jetzt wollen wir den Augenblick genießen. Es ist der Tag der Erleichterung, des Freuens und des Lächelns.“

Am Sonntag kommt der SC Freiburg zum Bundesligaspiel in die Arena, sechs Tage später erfolgt das letzten Spiel der Halbserie beim 1. FC Nürnberg. Keller weiß: Auch diese beiden Partien muss sein Team gewinnen, und dies ohne Kapitän Benedikt Höwedes und Julian Draxler. Dessen Führungstor in der 51. Minute hatte den Weg in die sportlich reizvolle und finanziell lukrative K.o.-Runde der Königsklasse geebnet. „Jetzt haben wir wieder zwei neue Verletzte, es trifft uns schon hart“, kommentierte Keller die Muskelfaserrisse in den Oberschenkeln von Höwedes (rechts) und Draxler (links), die laut Clubarzt Thorsten Rarreck 2013 keinen Einsatz mehr zulassen.

Basel hadert mit Schiedsrichtern

Den letztlich erlösenden Treffer gegen die eine Stunde lang dezimierten Schweizer steuerte Joel Matip (57.) bei. Der Innenverteidiger stand wie drei Mitspieler bei der Freistoßvorlage von Jefferson Farfan allerdings so deutlich abseits, dass alle Protagonisten staunten, als das Tor zählte. „Jeder im Stadion hat das gesehen, dass es Abseits war. Nur die Fünf nicht. Das hat mit Spitzenfußball nichts zu tun, wenn man das übersieht“, kritisierte Basel-Coach Murat Yakin das Schiedsrichter- und Assistenten-Quintett aus Italien. „Das 2:0 war die absolute Krönung des Abends.“

Selbst Torschütze Matip war so überrascht über den ausbleibenden Pfiff von Referee Paolo Tagliavento, dass er zunächst zögerte und sich umschaute, bevor er den Ball doch noch cool an Torhüter Yann Sommer vorbeischob. Draxler quittierte die kuriose Situation lachend: „Joel hat ihn dann wie ein Weltklasse-Torjäger verwandelt.“

Wäre es die allein entscheidende Szene der Partie gewesen, hätte der Frust der Gäste eine noch größere Dimension erreicht. So reagierte Yakin erstaunlich gelassen, auch die strittige Rote Karte für Iwan Iwanow nach Foul an Adam Szalai hakte er ab. „Am Ende gewinnen immer die Deutschen“, so der Ex-Bundesligaprofi. „Aber daraus müssen wir etwas lernen und cleverer spielen.“ Als kleiner Trost bleibt Basel die Saison-Fortsetzung in der Europa League.

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Der verletzte Höwedes war trotz seiner schmerzhaften Muskelblessur „überglücklich“ und gespannt, welchen Gegner man am Montag (12.00 Uhr/Eurosport) in Nyon zugelost bekommt. „Im Achtelfinale warten nur große Namen. Aber das ist die Champions League. Wir freuen uns auf den nächsten Gegner, egal wer es wird. Es werden tolle Spiele und tolle Erlebnisse.“

Weil in der Runde der letzten 16 Teams noch keine deutschen Duelle möglich sind, Gruppengegner Chelsea nicht infrage kommt, und Schalke als Zweiter einen Gruppensieger zugelost bekommt, ist der Kreis der Kontrahenten überschaubar: Möglich sind nur fünf Teams: Real Madrid, FC Barcelona, Atletico Madrid, Manchester United oder Paris St. Germain. „Das ist mir völlig egal“, so Draxler. „Alle gehören zur europäischen Spitzenklasse. Wir nehmen jede Herausforderung an.“

Die nächste wartet schon am Sonntag. „Wir müssen auch die letzten beiden Spiele gewinnen, um Punkte in der Liga gutzumachen“, forderte Kevin-Prince Boateng. Der Ghanaer fing gegen Basel erneut als Stürmer an, rückte nach der frühen Auswechslung von Höwedes aber auf die „Sechs“, weil Szalai in die Spitze ging. Ein „kluger Schachzug des Trainers“ sei das gewesen, lobte Heldt. Ob es auch eine Option gegen Freiburg sei, konnte Keller noch nicht sagen: „Ich muss erstmal sehen, welche elf Spieler ich zusammenbekomme.“

dpa

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