Arnesen: "Ich gebe alles für den Verein "

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Frank Arnesen war zu Beginn seiner Amtszeit in Hamburg umstritten. Jetzt sitzt er fest im Sattel.

Hamburg - HSV-Sportchef Arnesen wurde nach sechs Spieltagen und nur einem Punkt jegliche Qualifikation für die Bundesliga abgesprochen. Jetzt hat sich das Blatt gewendet.

Keine Ahnung von der Bundesliga, keine Kenntnis der deutschen Talenteszene und nur Einkäufe von der Resterampe seines ehemaligen Arbeitgebers FC Chelsea - das waren die Hauptvorwürfe gegen Frank Arnesen im Spätsommer. “Ich habe gelernt, damit cool umzugehen. Aber ich hatte nach Niederlagen schreckliche Abende“, gesteht der Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV vor dem letzten Hinrunden-Heimspiel am Samstag gegen den FC Augsburg. Schon nach sechs Spieltagen und nur einem Punkt standen Arnesen und der damalige Coach Michael Oenning mit dem Rücken zur Wand.

“Ich war das gar nicht gewohnt zu verlieren. Ich arbeite seit 36 Jahren im Profi-Fußball und habe mit meinen Clubs meist unter den Top Fünf gestanden und international gespielt“, erzählt der Däne. Er hätte es “ab und zu komisch gefunden“, wie stark er infrage gestellt worden sei. Aber er kenne das Geschäft: Es laufe immer schwarz-weiß. “Ich muss mich nicht rechtfertigen, ich weiß, was ich tue und was ich kann. Und ich gebe alles für den Verein“, beteuert der 55-Jährige.

Ganz spurlos sind die Attacken aber nicht an ihm vorbeigegangen. Er war gekränkt, als man die Einkäufe von Gökhan Töre, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Michael Mancienne und Jacopo Sala schlechtredete und fragte: Kennt der nur Chelsea-Spieler? “Das war Kritik von außen, das interessiert mich nicht so. Das soll nicht arrogant klingen“, so Arnesen. Erst, als er Oenning entließ, sich nach Rodolfo Cardoso ein Spiel selbst auf die Bank setzte, mit der Mannschaft in Freiburg gewann und dann den Glücksgriff Thorsten Fink landete, wurden die Kritiker milder.

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Inzwischen ist klar, dass einer wie Töre auf dem Flügel eine Verstärkung ist und der HSV mit ihm so schnell wie möglich verlängern möchte, um Interessenten abzuwimmeln. “Nach der Transferperiode setze ich mich mit seinem Berater im Februar/März zusammen. Er ist einer der Spieler, mit denen wir gern weiterarbeiten wollen“, sagt Arnesen über den 19 Jahre alten türkischen Wirbelwind. Und auch Bruma hat sich nach einer Eingewöhnungszeit einen Stammplatz in der Innenverteidigung erobert und gilt als Konkurrenz für Joris Mathijsen in der niederländischen Nationalelf für die EM im Juni.

Doch Arnesen ist vor allem froh, dass er bei Fink richtig gelegen hat. “Er geht sehr gut mit der Mannschaft um, hat eine gute Ansprache in der Kabine und ein tolles taktisches Verständnis“, lobt er den Coach. Inzwischen hat die Mannschaft sich gefunden, so dass bislang kein einziger Wintereinkauf geplant ist. Um in der Winterpause ruhig zu schlafen, sind für Arnesen der Hinrunden-Ausklang gegen Augsburg und das Pokalspiel in Stuttgart immens wichtig. “Augsburg ist ein Schlüsselspiel. Wir können 21 Punkte voll machen, das wäre hervorragend.“ Denn noch ist der HSV erst Tabellen-13.

dpa

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