Bayern-Star klagt über viele große Egos

Robben: "Ich könnte ein Buch schreiben"

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Arjen Robben

Charkow - Arjen Robben wollte bei der EM seine schwarzen Stunden mit dem FC Bayern vergessen machen. Stattdessen erlebt er mit den Niederlanden seinen nächsten Albtraum.

Einsam stand Arjen Robben in Charkow auf dem Rasen des Metalist Stadions, jonglierte lustlos mit einem Ball und machte sich so seine Gedanken. „Es ist sehr schwierig in dieser Mannschaft. Es gibt eine Menge großer Egos, seit der WM sind sie noch größer geworden“, sagte Robben, „aber wenn du gemeinsam etwas erreichen willst, müssen sie über Bord geschmissen werden.“

Es klingt verbittert, wenn der 28-Jährige so über die Kollegen spricht, in deren Gesellschaft er die schwarzen Stunden mit dem FC Bayern vergessen wollte. Stattdessen stolperte Robben bei der EM in den nächsten Albtraum - zumindest in den ersten Vorrundenspielen.

Dass ausgerechnet Robben, der sich in München wochenlang einer Egoismus-Debatte stellen musste und in München den Spitznamen „Aleinikow“ verpasst bekam, gegen die Star-Allüren seiner niederländischen Mitspieler kämpft, erscheint für Außenstehende schwer verständlich. Doch der Robben in Oranje kann sich die Kritik erlauben, weil er für die Elftal ganz anders spielt als für den deutschen Rekordmeister.

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Der Nationalspieler Robben spielt mannschaftsdienlich, ist passfreudig und wechselt immer wieder die Positionen. Der klassische Robben-Trick, das Ziehen mit Ball nach innen, um mit links abzuschließen, sieht man bei Länderspielen viel seltener als in der Bundesliga oder der Champions League.

Doch Robben kann machen, was er will, derzeit hat er immer die richtige Lösung für das falsche Problem. Gegen Dänemark passte er im Strafraum auf Wesley Sneijder, statt selbst zu schießen. Danach meckerte er: „Vielleicht war es die ganze Scheiße.“ Gemeint waren die Egoismus-Debatte, aber auch das Trauma des verschossenen Elfmeters im Champions-League-Finale und der Pfiffe der Bayern-Fans drei Tage später. „Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Es ist viel passiert“, sagt Robben.

Mit seinen „Freunden“ in der Nationalmannschaft wollte Robben das düstere Kapitel zuschlagen, nach drei zweiten Plätzen wollte er endlich Erster werden, zusammen mit Top-Leuten wie Sneijder, Robin van Persie, Klaas-Jan Huntelaar oder Rafael van der Vaart.

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Doch bei den Niederlagen gegen Dänemark (0:1) und Deutschland (1: 2) war von einer niederländischen „Mannschaft“ nicht mehr viel zu sehen. „Es ist eine schwierige Situation. Solange die Dinge gut laufen, ist immer alles anders. Jetzt verlieren wir zweimal, und es gibt Gejammer von A bis Z“, sagte Robben. Entsprechend genervt ist er von den vielen Personaldiskussionen: „Die Spieler dürfen böse sein, wenn sie nicht in der Startelf stehen. Aber sie müssen es akzeptieren oder sollen nach Hause fahren.“

So offen spricht Robben selten innerhalb der Mannschaft, er behält seine Gedanken lieber für sich. Ansprechpartner sind andere. „Ich öffne mein Herz meiner Familie, meiner Frau. Aber auch Freunden und Vertrauenspersonen, die viel vom Fußball verstehen. Da rede ich über viele Dinge, die mich beschäftigen.“ Vielleicht auch bald über den Albtraum EM.

SID

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