Anschi Machatschkala: Ein Provinzklub rüstet auf

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Roberto Carlos (r.) ist schon da, weitere Stars sollen folgen

Machatschkala - Der russische Erstligist Anschi Machatschkala sorgt derzeit für Schlagzeilen. Dessen schwerreicher Besitzer Suleiman Kerimow lockt die Stars der Szene mit Traumgehältern ans Kaspische Meer.

Das Beste ist Suleiman Kerimow gerade gut genug. Der russische Milliardär besitzt drei Privat-Flugzeuge, zwei Yachten, etliche Nobelkarossen - und zunehmend teure Fußball-Stars. Derzeit befindet sich der 45-Jährige auf einer Shopping-Tour durch europäische Fußballligen und wirft mit Millionen nur so um sich, um seinen Klub Anschi Machatschkala massiv aufzurüsten. Mit Erfolg.

Für ein Gehalt von 60 Millionen Euro für einen Dreijahres-Vertrag kehrte jüngst Kameruns Star Samuel Eto'o seinem vorherigen Arbeitgeber Inter Mailand den Rücken und schrieb als derzeit bestbezahlter Kicker der Welt Schlagzeilen. Und weitere Stars sollen kommen, mit dem einzigen Ziel, Fußball-Europa in der Champions League aufzumischen.

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Klubeigner Kerimow, der sein Vermögen laut der aktuellen Forbes-Liste von umgerechnet rund 5,4 Milliarden Euro unter anderem mit einer Investment-Firma, Erdölgeschäften und Anteilen an westlichen Großbanken, Kali- und Goldminen gemacht hat, lebt gerne auf großem Fuß. Mit horrenden Angeboten lockte der Familienvater, der angesichts seiner Schwäche für die Schönheiten des Landes immer wieder Stoff für Themen in der Boulevardpresse sorgt, zunächst den ehemaligen brasilianischen Weltmeister Robert Carlos in die 450. 000-Einwohner-Stadt der Teilrepublik Dagestan am Kaspischen Meer.

Es folgte der russischen Star Juri Schirkow von FC Chelsea, Klub des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch, und eben Eto'o. Ein gute Ausbeute, seit Kerimow Mitte Januar bei Anschi (deutsch: Perle) eingestiegen ist. „Natürlich war der finanzielle Aspekt für meinen Wechsel ausschlaggebend“, gab Roberto Carlos zu.

Seither reißen die Gerüchte über weiteres Interesse an Top-Spielern nicht ab. Als nächster Coup soll Dani Alves vom Champions-League-Sieger FC Barcelona kommen. Spanischen und russischen Medien zufolge soll der Klub des schwerreichen Oligarchen bereit sein, eine Ablösesumme von 40 Millionen Euro zu bezahlen. Der 28 Jahre alte Brasilianer soll 15 Millionen Euro pro Jahr netto verdienen und damit etwa dreimal so viel wie bei Barca.

Das sind Summen, von denen selbst der bislang teuerste Fußballer Cristiano Ronaldo (94 Millionen Ablöse) angesichts seines Gehaltes von 13,8 Millionen Euro bei Real Madrid nur träumen kann. Auf der Wunschliste von Kerimow soll unter anderem auch Anatoli Timoschtschuk von Bayern München stehen. In Spaniens Gazetten wurde sogar schon mit Arjen Robben spekuliert, doch der Niederländer hat bereits abgewunken. Selbst Brasiliens Jungstar Neymar ist für Kerimow ein Versuch wert. Bisher stehen vier seiner Landsleute im aktuellen 28-köpfigen Kader aus insgesamt zwölf Ländern.

Allerdings müssen die Spieler der Grün-Gelben für ihr fürstliches Salär auch einige Strapazen auf sich nehmen. Denn die Stadt liegt einer vom Bürgerkrieg zerrütteten Krisenregionen nahe Tschetschenien. Aus Sicherheitsgründen, und weil auch die Lebensqualität in Machatschkala zu wünschen übrig lässt, leben und trainieren die Spieler im rund 2100 km entfernten Moskau - oder auch mal im türkischen Belek oder in Sotschi. Daher reist das Team stets mit dem Flugzeug zu den Heimspielen in den Nordkaukasus, wo Kerimow wie ein Messias gefeiert wird. Eine neues modernes Stadion befindet sich in der Planung.

„Ich möchte Herrn Kerimow meinen Dank aussprechen. Ich bin sicher, dass wir mit seiner Hilfe einen Topklub formen können“, sagte einst Dagestans Präsident Magomedsalam Magomedow über den auch im sozialen Bereich äußerst aktiven Milliardär. „Fußball ist sehr populär in Dagestan. Daher ist es sehr wichtig für uns, eine gute Mannschaft in der russischen Premjer Liga zu haben.“

Doch es gilt als sicher, dass es Kerimow beim Projekt Anschi nicht nur um den sportlichen Erfolg geht, sondern auch um Einfluss und Macht. Beobachter behaupten, Kerimow versuche, Magomedow durch sein Engagement auf Sicht abzulösen. Der spektakuläre Sprung von Anschi in die Champions League 2012/13 könnte dabei sehr hilfreich sein.

sid

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