Annäherung bei Fan-Gipfel

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Der designierte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

Berlin - Beim Gipfel zum Thema Gewalt im Fußball legten Fans und Fußball-Verbände den Streit der letzten Wochen zumindest vorübergehend bei und schafften dank einer sachlichen Diskussion eine Annäherung.

Der große Knall blieb aus: Beim Gipfel zum Thema Gewalt im Fußball legten Fans und Fußball-Verbände den Streit der letzten Wochen zumindest vorübergehend bei und schafften dank einer sachlichen Diskussion eine Annäherung. „Wir wollten die Beschimpfungen hinter uns lassen. Das ist ganz gut gelungen“, sagte Sprecher Christian Arbeit von Gipfel-Gastgeber Union Berlin.

„Heute ist kein Feiertag in Berlin, doch vielleicht wird es ja noch einer. Es geht hier um verbale Abrüstung“, meinte der designierte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig und kassierte für seine Worte sogar Applaus. 250 Fan-Vertreter von 49 Klubs aus den ersten vier Fußball-Ligen diskutierten mehrere Stunden das Brennpunkt-Thema im VIP-Zelt des Fußball-Zweitligisten.

Angesichts der Brisanz hatte Rettig beim 1. FC Union angefragt, ob er den Fan-Gipfel besuchen könne und bemühte sich zwei Monate vor seinem eigentlich Job-Start in vielen Gesprächen um Diplomatie. „So eine Veranstaltung ist in unserem Sinne. Wir werden die Gespräche in den kommenden Wochen fortsetzen“, betonte der ehemalige Manager des FC Augsburg.

Kernpunkt der Debatte war wieder das Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ der DFL. Mehrere Klubs wie Union Berlin, FC St, Pauli, VfL Wolfsburg oder der VfB Stuttgart hatten den ersten DFL-Entwurf für mehr Sicherheit abgelehnt und die Debatte wieder angeheizt. Zum 12. Dezember will die DFL das Papier auf seiner Mitgliederversammlung beschließen - sonst droht ihr die Politik das Heft des Handelns aus der Hand zu nehmen.

„Ich bin überzeugt, dass wir bis dahin eine Lösung haben. Letztendlich lieben alle Klubs den Fußball“, sagte Rettig. Auch die gravierenden Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Hannover 96 und Dynamo Dresden am Mittwochabend könnten das nicht verhindern. „Das ist wieder Wasser auf die Mühlen derer, die in der Debatte nur das Negative sehen“, sagte Rettig.

Die Fans zeigten Verständnis für die Lage der DFL, wollten die Missverständnis der jüngsten Vergangenheit aber nicht ausblenden. „Wir müssen über unsere Klubs stärker an den Debatten beteiligt werden“, forderte Sig Zelt vom Union-Fanklub „Eiserner Virus“. Die Kritik von Liga-Boss Reinhard Rauball an Union Berlin wegen des Fernbleibens beim Sicherheitsgipfel bezeichnete Zelt als „höchst demokratie-feindlich“. Das war schon die schärfste Aussage im ersten Teil der Diskussion.

Der Brandenburger Fan Helge Meves machte sich die Mühe, die Rolle der Politik in der seit Monaten anhaltenden Debatte zu beleuchten. Dabei fiel ihm auf, dass auch die Politiker nicht zur Versachlichung der Diskussion beitragen.

So sei etwa ständig die Rede vom Einsatz eines Gesichtscanners, ohne dass es dafür eine rechtliche Grundlage gebe. Meves warnte davor, dass die geplante Umsetzung des Maßnahmenkatalogs zur Saison 2013/2014 auch deshalb problematisch sei, weil zu dem Zeitpunkt Bundestagswahlkampf sei und Politiker zu einem solchen Zeitpunkt bekanntlich deutlich meinungsfreudiger auftreten würden.

sid

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