Die andere Seite des Lionel Messi

Lionel Messi (r.) mit dem kleinen Soufian.

Barcelona - Lionel Messi ist der beste Fußballer der Welt. Doch Starruhm und Glamour sind dem Argentinier fremd. Ein Beleg dafür ist auch seine Freundschaft zu dem elfjährigen Soufian.

Mit seinen Ballkunststücken, seinen Traumtoren und vielen Preisen steht Lionel Messi im Rampenlicht - auch wenn das dem schüchternen und medienscheuen Star des FC Barcelona gar nicht so recht passt. Jenseits des Hypes um den argentinischen Weltfußballer gibt es allerdings auch einen anderen Messi, den nur ganz wenige kennen. Einer von ihnen ist Soufian Bouyinza, ein Elfjähriger, dem beide Beine amputiert worden sind.

Natürlich ist Soufian ein großer Fan von Messi. Doch was er aus dem Munde seinen Idols gehört hat, haben vor ihm noch nicht viele vernommen: „Ich bewundere dich sehr, denn Du kämpfst jeden Tag für deine Ziele“, vertraute der 24-jährige Argentinier dem Jungen an, der trotz seiner Behinderung Fußball und Basketball spielt, schwimmt und radelt.

Alle Weltfußballer seit 1982

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Soufian kam als Sohn marokkanischer Einwanderer in Barcelona zur Welt. Er wurde mit dem Laurin-Sandrow-Syndrom geboren, einer äußerst seltenen Krankheit, die unter anderem eine Missbildung der Gliedmaßen zur Folge hat. „Er selbst hat seine Mutter gebeten, dass seine Beine amputiert werden. Er war acht Jahre alt damals“, sagte der Filmemacher Xavi Torres der Nachrichtenagentur dpa. Zusammen mit drei Kollegen hat er für den katalanischen Sender TV3 einen Dokumentarfilm über den Jungen und seine Freundschaft mit Messi gedreht: „Soufian: el nen que volia volar“ („Soufian, der Junge, der fliegen wollte“).

„Ich habe eine ganz besondere Verbindung zu ihm“, sagte der Weltfußballer. Erstmals begegnet sind sich beide Anfang dieses Jahres. Der Film zeigt, wie sie sich gegenseitig den Ball zuspielen - Messi mit seinem begnadeten linken Fuß, Soufian mit seinen Prothesen in den Farben des FC Barcelona.

Weitere Treffen folgten, unter anderem am 15. Mai, als Barça nach dem 0:0 gegen Deportivo La Coruña den Pokal des spanischen Meisters überreicht bekam. „Messi und Soufian sind sich in der Umkleidekabine in die Arme gefallen. Bei dem Anblick bekam man eine Gänsehaut“, erzählte Torres. Das Schicksal des Jungen und seine unglaubliche Willensstärke hätten Messi tief beeindruckt, fügte er hinzu. „Messi hat einen Teil des Dokumentarfilms gesehen: Er musste schlucken, seine Augen glänzten.“

Bei einer der Begegnungen versprach der Argentinier dem Jungen, ihm eines seiner Tore zu widmen. Doch wie sollte er das signalisieren? „Klopfe Dir einfach auf die Beine“, schlug Soufian vor. Messi hielt Wort: Als er am 17. September beim 8:0-Sieg der Katalanen über CA Osasuna sein erstes Tor schoss, schlug sich der 24-Jährige auf die Beine. Soufian wusste sofort: „Dieses Tor ist für mich.“

Für den zurückhaltenden Messi, der als kleiner Junge mit Wachstumsproblemen zu kämpfen hatte, mag der Umgang mit Kindern eine Wohltat sein. Sie verlangen von ihm keine großen Worte und nehmen ihn, wie er ist - was Soufian aber nicht davon abhält, im Gespräch mit seiner Mutter über sein Idol zu staunen: „Messi sagt, dass er mich bewundert. Aber wie kann das denn sein, wenn ich es doch bin, der ihn bewundert?“

dpa

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