Die Gründe für das DFB-Aus

Analyse: Darum ging Löws Taktik schief

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Deutschland verlor das Halbfinale mit 1:2

Warschau - Joachim Löws Versuch, Andrea Pirlo aus dem Spiel zu nehmen, erwies sich im Halbfinale der Fußball-EM als kontraproduktiv: die große Taktik-Analyse.

Deutschland büßte enorm an Offensivkraft ein, Italien nutzte den taktischen Fehler geschickt. - Die Taktik-Analyse:

Bundestrainer Joachim Löw wollte durch die Hereinnahme von Toni Kroos den italienischen Regisseur Andrea Pirlo stoppen und das Zentrum verdichten, um die gefährlichen vertikalen Pässe zu verhindern. Im Wesentlichen gelang dies auch. Jedoch traten Nebeneffekte auf, die das EM-Halbfinale letztlich zugunsten der Italiener entschieden.

Liebe Spielerfrauen, ihr müsst jetzt schön trösten!

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Dem deutschen Team ging durch die Umstellungen die Variabilität verloren, die Grundvoraussetzung für den schnellen Kombinationsfußball. Mesut Özil, Antreiber im Angriffsdrittel, wurde der Platz im ohnehin schon überfüllten Zentrum genommen. Ihm blieb nur das wenig überraschende Ausweichen auf die verwaiste rechte Seite - doch dort wurde er frühzeitig gestellt.

Deutschlands große Stärke, das blitzartige Überladen (mehr eigene Spieler als gegnerische in Ballnähe), konnte nicht funktionieren, da Boateng auf rechts zwar genug Raum, aber keine Spielpartner hatte: Özil wurde festgemacht, Mario Gomez ist nicht der Typ dafür, ein Rechtsaußen fehlte. Löws Idee war offenbar, Gomez mit Flanken von Boateng zu füttern - doch dafür präsentierte sich Italiens Innenverteidigung zu kopfballstark.

Da Boateng viel Platz hatte und ständig den Weg nach vorne suchte, ergab sich noch ein weiteres Dilemma: Der offensiv stärkere Philipp Lahm war aufgrund der italienischen Doppelspitze häufig in der Defensive gebunden und konnte im Zusammenspiel mit Lukas Podolski selten für Gefahr sorgen. Die Aufstellung machte es letztlich auf beiden Seiten kaum möglich, Italiens Anfälligkeit auf den Flügeln zu nutzen.

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Hinzu kam, dass selbst Löws Defensivkonzept nicht aufging. Italiens Linksverteidiger Giorgio Chiellini, sonst eher offensivschwach, nutzte in der ersten Halbzeit zunehmend den Platz auf der offenen Seite. Auch Stürmer Antonio Cassano erkannte die riesige Lücke. Wie vor dem 0:1 erspielte sich Italien immer wieder Überzahlsituationen auf dem Flügel - und schlug Deutschland mit dessen eigenen Waffen.

sid

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