Amtsantritt in München

Guardiola bei Bayern: "Heute ist ein Geschenk"

München - Pep Guardiola wird in München von rund 30 Kamera-Teams und 250 Journalisten empfangen. Der neue Trainer des FC Bayern präsentiert sich beinahe demütig und mit beachtlichen Deutsch-Kenntnissen.

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, und Pep Guardiola ist pünktlich. Um 12.05 Uhr betritt er die Bühne, die ihm der FC Bayern bereitet hat, und er sagt in beeindruckend gutem Deutsch: „Ähm, guten Tag und grüß“ Gott, meine Damen und Herren.„ Sein erster Auftritt ist keine große Show mit Knalleffekten, es wirkt eher so, als halte der Traum einer jeden Schwiegermutter da artig bei den Familienpatriarchen um die Hand der Tochter an. `Es ist ein Geschenk, ein Glück, nicht nur hier zu sein, sondern auch, dass Bayern München daran gedacht hat, dass ich hier sein konnte“, sagt Guardiola ganz bescheiden.

Der 42-Jährige meint sogar, sich entschuldigen zu müssen. „Verzeihen Sie mir mein Deutsch, aber ich habe ein Jahr in New York gelebt, es ist nicht der optimale Ort, um Deutsch zu lernen“, sagt er. In Wahrheit ist sein Deutsch absolut beachtlich, obwohl seine Lehrerin Fan von Borussia Dortmund ist, wie er berichtet. „Ich bin ein bisschen nervös“, gibt er zu, aber er macht seine Sache gut. „Alles auswendig gelernt“, sagt er. Und grinst.

Rechts neben Guardiola sitzt Präsident Uli Hoeneß, links neben ihm der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, ganz links der Sportvorstand Matthias Sammer. Wie sie sich geben, was sie sagen: Es ist bemerkenswert. Keine großen Sprüche, kein Theaterdonner, kein Feixen. Alles angenehm unprätentiös. Erst in den Minuten nach der Vorstellung, als Guardiola die Arena betritt, wird es ein klein bisschen kitschig. Zu dramatischer Einmarschmusik öffnet sich die Klappe, die aus dem Kabinengang auf den Rasen führt.

Guardiola mag nervös sein, aber er verhält sich unaufgeregt. Er verrät, dass er auf ein baldiges Gespräch mit Jupp Heynckes hoffe, mit seinem Vorgänger also, der ihm mit dem Triple ein ziemlich schweres Erbe hinterlassen hat. „Seine Meinung wäre super“, betont Guardiola, „ich habe großen Respekt vor seinen Leistungen“, und es sei ihm eine „große Ehre“, dessen Nachfolger zu sein. Er werde versuchen, erklärt Guardiola demütig, „das hohe Niveau“, auf das Heynckes den FC Bayern in der vergangenen Saison geführt habe, zu halten.

Die spannendsten Fragen beantwortet er ziemlich eindeutig. Mit Verve sagt er: „Ich muss mich 100 Prozent an die Spieler anpassen. Der Fußball, auch der Trainer, gehorcht den Spielern. Ich muss mich an die hohe Qualität der Spieler anpassen. Die Spieler in Barcelona sind anders als die Spieler in Bayern. Das System ist egal.“ Der FC Bayern bleibt also der FC Bayern, „wir wollen nicht Dinge ändern um des Änderns willen“, sagt er. Ein bisschen Guardiola soll aber schon sein: „Ich liebe es, anzugreifen, das ist meine Idee von Fußball.“

Im Klartext heißt das: Guardiola will fortführen, verfeinern, ausschmücken, was Heynckes hinterlassen hat. Er erwähnt, „es wäre arrogant zu sagen, dass eine neue Ära eingeleitet wird“, und gleich mehrfach betont er, er müsse sich jetzt zunächst mal einen Überblick verschaffen: über seine Spieler, über die Bundesliga. Er macht dabei auch deutlich, dass er ein großes Augenmerk auf den Nachwuchs des FC Bayern legen wird, und nicht zuletzt deshalb gehört zum Trainerstab auch nach wie vor Hermann Gerland, der Entdecker vieler Talente.

Ein bisschen spielt Guardiola selbstverständlich auf Zeit, doch in Nebensätzen verrät er schließlich, dass er in Wahrheit wohl schon verdammt gut Bescheid weiß. Er habe die Bundesliga nun ein Jahr lang verfolgt, sagt er - was auch heißen kann, dass er bereits seit einem Jahr wusste, dass er zum FC Bayern wollte. Er habe die Spiele des FC Bayern von New York aus gesehen, berichtet er, und er erklärt, „eine Vertrauensperson“ beobachte schon „seit einiger Zeit“ die Spiele der Nachwuchsmannschaften der Münchner. Der Nachwuchs ist ihm wichtig.

„Ich bin gespannt, was er verändert, was er auch so lässt, das ist es, was mich neugierig und stolz darauf blicken lässt“, erklärt Rummenigge, der, ähnlich wie Hoeneß, immer noch nicht ganz zu fassen scheint, dass Guardiola tatsächlich neben ihm sitzt. Auch er spricht vom „Glück“ und vom „Stolz“, den dieser Deal bei ihm hervorruft. Und er spricht über Erwartungen: „Am Ende des Tages willst du natürlich Titel gewinnen“, sagt Rummenigge, „und der ehrlichste Titel ist die Bundesliga.“ Naja, ein bisschen mehr soll es schon sein.

Der Erwartungsdruck - Guardiola weiß, was auf ihn zukommt, was ihn erwartet. „Du hast als Trainer immer großen Druck“, sagt er, und „ich bin mir dessen bewusst“, dass er in München besonders groß ist. Aber, ergänzt er, „ich nehme diese Riesenherausforderung an, kein Problem, deswegen bin ich Trainer“. Und ja, der FC Bayern habe eine „außergewöhnliche Saison gespielt“, aber das sei nun nicht zu ändern, und außerdem: „Egal, wie die Voraussetzungen beim FC Bayern sind, du musst immer schön spielen, du musst immer gewinnen.“

Oben zu sein, sagt Präsident Hoeneß, „ist das eine, oben zu bleiben das andere, das ist die schwierigste Herausforderung, die ein Trainer haben kann“ - aber wenn nicht er, also Guardiola, „wer sonst könnte diese Herausforderung bestehen?“ Und damit er sie auch besteht, mahnt Sportvorstand Sammer: „Im Moment ist es mein größter Wunsch, dass es gelingt, dass sich die Familie Guardiola so schnell wie möglich in München zu Hause fühlt. Dann kann Pep für uns auch frei arbeiten.“

Was unter dieser Freiheit zu verstehen ist, hat Guardiola auch schon mal festgelegt: Er wird sich mehr oder weniger am Klubgelände einsperren: „Die nächsten sechs Monate werde ich da leben“, sagte er. Und lachte.

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Pep Guardiolas Auftakt beim FC Bayern - Bilder

Pep Guardiolas Auftakt beim FC Bayern - Bilder

Stimmen von der Präsentation Pep Guardiolas

Pep Guardiola (Trainer Bayern München): "Das ist ein Geschenk, es ist ein Glück, hier zu sein, auch dass Bayern München überhaupt daran gedacht hat, dass ich hier sein konnte. Ich möchte mich für diese Gelegenheit bedanken. Ich bin hier wegen der Spieler und der Geschichte des Vereins. Es ist einer der größten Vereine der Welt. Die Bosse haben entschieden. Sie haben mich gerufen. Meine Zeit in Barcelona war wunderbar. Ich brauchte eine neue Herausforderung. Bayern hat mir die Möglichkeit gegeben. Ich bin bereit, mein Bestes zu tun. Ich muss diesen Vergleich akzeptieren. Ich muss in der Lage sein, damit zu leben. Immer hast du als Trainer großen Druck, ich habe ihn hier, ich bin mir dessen bewusst. Ich nehme die Riesen-Herausforderung an - ohne Problem. Deshalb bin ich Trainer."

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandschef Bayern München): "Wir haben lange daran gearbeitet, Pep zu überzeugen, zum FC Bayern zu kommen. Es ist ein großes Glück, Stolz und eine Herausforderung, den erfolgreichsten Trainer der Welt zum FC Bayern zu holen. Es war immer der Eindruck da: Das ist eine Partnerschaft, die beide wollen. Bayern München will Pep, Pep will Bayern München. Es ist für Bayern München eine wunderbare Geschichte, aber auch für den deutschen Fußball. Peps Arbeit wird auch die Liga befruchten. Wir haben eine wunderbare Saison hinter uns. Ich bin überzeugt, dass wir eine erfolgreiche Zeit erleben werden. Ich bin neugierig, was er verändert, vielleicht auch so lässt."

Uli Hoeneß (Präsident Bayern München): "Ich bin in New York in seine Wohnung gekommen und habe nach fünf Minuten gespürt: das passt, das ist der richtige Mann. Wir müssen allen Beteiligten dankbar sein, was hier in den letzten Jahren entstanden ist. Ich habe immer gesagt: Oben zu sein, ist das eine, oben zu bleiben das andere. Das ist die schwierigste Aufgabe. Deswegen ist er genau der richtige Mann für diese Herausforderung. Wenn nicht er, wer sonst, könnte diese Herausforderung bestehen?"

Matthias Sammer (Sportvorstand Bayern München): "Es ist eine große Freude, hier zu sitzen, es ist gleichzeitig auch Verantwortung. Mein größter Wunsch ist es, dass sich die Familie Guardiola in München wohlfühlt, dass sie das Gefühl hat, zu Hause zu sein. Und dann werden wir vertrauensvoll für den FC Bayern zusammenarbeiten. Wenn sich seine Familie schnell integriert, dann kann er alles tun für den FC Bayern. Wenn wir ehrlich für den Klub arbeiten, dann bin ich auch überzeugt, dass wir sofort Erfolg haben werden."

dpa/SID

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