Allofs "verdribbelt" sich nur im Stadionheft

+
Klaus Allofs.

Wolfsburg - Kühle Reaktionen statt großer Emotionen: Beim brisanten Heimdebüt gegen seinen Ex-Klub Werder Bremen präsentierte sich Wolfsburgs neuer Manager Klaus Allofs äußerst professionell.

Mit einem Wolfsburg-Schal um den Hals geht Klaus Allofs versehentlich Richtung Werder-Bank, doch die Brasilianer Diego und Naldo winken ihn feixend zum richtigen Platz herbei. Das ist Allofs beim brisanten Spiel seines neuen Klubs VfL Wolfsburg gegen seinen langjährigen Verein Werder Bremen natürlich nicht passiert, sondern nur der Inhalt einer Karikatur im VfL-Stadionheft. In Wirklichkeit verhielt sich Wolfsburgs neuer Manager beim Duell gegen seine „alte Liebe“ äußerst professionell, die Punkteteilung beim leistungsgerechten 1:1 (0:1) dürfte ihm aber ganz recht gewesen sein.

„Für mich war es ganz normal. Viele haben hier Wunderdinge erwartet, aber wir waren alle um Normalität bemüht“, sagte Allofs nach seinem nur teilweise geglückten Heimdebüt, das er im Vorfeld noch als „Grausamkeit des Spielplans“ bezeichnet hatte. Zehn Tage nach seinem geräuschvollen Wechsel von der Weser an den Mittellandkanal saß er plötzlich auf der anderen Seite, weit weg von seinem einstigen „Werder-Zwilling“ Thomas Schaaf, mit dem er 13 Jahre zusammengearbeitet hatte.

Auch der Bremer Coach konnte die ganze Aufregung nicht verstehen. „Völlig tiefenentspannt“ sei er gewesen, brummte der 51-Jährige, den die vielen Nachfragen zu Allofs sichtlich nervten: „Ich weiß, dass sich drumherum sehr viele Leute darüber Gedanken gemacht haben, ich aber nicht. Ich war total aufs Spiel fokussiert.“

Vor dem Anpfiff hatten beide noch einem TV-Sender ihr erstes gemeinsames Interview seit dem Transfer gegeben, danach gingen sie wieder getrennte Wege. Während Schaaf zeitweise wie ein Irrwisch an der Seitenlinie herumhüpfte, blieb Allofs fast während der gesamten 90 Minuten in einer blauen Daunenjacke gehüllt auf seinem Platz sitzen. Auch beim 1:1-Ausgleichstreffer durch den niederländischen Torjäger Bas Dost (64.) sprang der 55-Jährige nur kurz auf.

Über die mögliche Weiterbeschäftigung von Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner will sich Allofs derweil in Ruhe Gedanken machen. „Das Thema Köstner stellt sich im Moment nicht. Ich kann doch hier nicht antreten und gleich für alles eine Lösung haben. Ich muss mich erst mal orientieren und mir einen Überblick verschaffen, was hier in den letzten Jahren passiert ist“, sagte Allofs am Sonntag im Doppelpass bei Sport1.

Nach dem Abpfiff am Samstag hatte der ehemalige Nationalspieler Wolfsburger und Bremer Profis abgeklatscht, unglücklich schien er mit dem Ergebnis nicht zu sein. „Jetzt haben wir die Punkte geteilt, vielleicht ist das auch ganz gut so“, sagte Werder-Kapitän Aaron Hunt. Auch Stürmer Nils Petersen meinte angesichts der brisanten Vorgeschichte: „Das Ergebnis sorgt dafür, dass auf beiden Seiten am wenigsten Unruhe aufkommt.“

Die Bremer fühlten sich dennoch um den möglichen Sieg betrogen. Schaaf hatte für den Platzverweis von Linksverteidiger Lukas Schmitz nach einer Gelb-Roten Karte (62.) „überhaupt kein Verständnis“. Auch Petersen behauptete, er habe „aus vier Kilometern gesehen, dass Lukas ganz klar den Ball spielt“. Nur zwei Minuten nach der strittigen Szene nutzte Dost die Unordnung in der Bremer Abwehr und egalisierte das 0:1 durch Marko Arnautovic (35.).

Allofs zeigte Verständnis für die Bremer Proteste. „Wenn ich noch bei Werder wäre, würde ich mich wahrscheinlich auch aufregen. Objektiv betrachtet kann man da aber Gelb zeigen“, sagte Allofs und verschwand in die Kabine. In die der Wolfsburger, wohlgemerkt.

sid

Kommentare