"Allerallerallerallerletzte Chance" für Constantini

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Dietmar Constantini steht vor dem Türkei-Spiel unter Druck

Wien - Österreichs Nationaltrainer Didi Constantini steht beim EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei mit dem Rücken zur Wand. Gelingt nach dem Debakel gegen die DFB-Elf abermals kein Sieg, ist der 56-Jährige seinen Job wohl los.

Wenn Österreichs umstrittener Nationalcoach Dietmar Constantini am Dienstag auf der Trainerbank Platz nimmt, macht es sich sein möglicher Nachfolger bereits neben ihm bequem. Willi Ruttensteiner, Sportdirektor des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) und mutmaßliche Interimslösung bei einer Entlassung Constantinis, ersetzt im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei Co-Trainer Manfred Zsak. Dieser fehlt wegen Durchblutungsstörungen in der Wirbelsäule - für Constantini dürfte der unfreiwillige Personalwechsel vor seinem „Schicksalsspiel“ allerdings wie ein schlechtes Omen wirken.

„Die allerallerallerallerallerletzte Chance“, titelte der Standard. Dabei geht es im Wiener Ernst-Happel-Stadion nicht nur für Constantini um alles: Für die ÖFB-Auswahl steht die theoretische Möglichkeit für das Erreichen der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine auf dem Spiel. Sechs Punkte Rückstand hat das Team auf die zweitplatzierten Türken. Die Hoffnungen, nicht zum sechsten Mal in Folge die sportliche Qualifikation für ein großes Turnier zu verpassen, hängen sich an einem komplizierten Rechenkontrukt auf.

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Die kleine Restchance hält Constantini wohl noch im Sattel. Bleibt das Wunder aus, sind seine Tage beim ÖFB vermutlich gezählt. „Es ist immer dasselbe: Wenn ein Trainer nichts gewinnt, wird er entlassen“, sagte Constantini. Einen Rücktritt schloss er jedoch aus. „Einfach zu gehen, wäre auch ein falscher Impuls. Das würde ja bedeuten, dass dem österreichischen Fußball auf dem Weg zur Spitzenklasse nur ein einziger Mann im Wege stünde. Ich würde damit eine Illusion nähren“, sagte er dem kicker. Er habe einen Vertrag bis zum 31. Dezember, den werde er erfüllen.

ÖFB-Präsident Leo Windtner schloss nach dem 2:6-Debakel gegen die DFB-Elf ein vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit mit Constantini aus. Es werde keinen Wechsel vor dem Ende der Qualifikation geben, sagte der 61-Jährige. Ob diese Garantie auch nach dem Spiel gegen die Türkei noch Bestand haben wird, ist jedoch mehr als fraglich.

Schließlich war auch aus Teilen der Mannschaft zuletzt zumindest leise Kritik an Constantinis Arbeit zu vernehmen. „Manchmal werden System, Taktik und Analyse übertrieben, manchmal aber auch untertrieben. Es gibt Fußballer, denen man genau definierte Aufgaben stellen muss. Wer gegen Deutschland mitspielen will, kommt unter die Räder“, sagte Mittelfeldspieler Paul Scharner, der gegen die Türkei nach einer Gelb-Sperre ins Team zurückkehren soll. Der England-Legionär (West Bromwich Albion) soll vor allem die zuletzt mehr als wacklige Defensive stabilisieren.

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Im ÖFB-Team, in das der ehemalige Duisburger Stefan Maierhofer nachnominiert wurde, vertraut man zudem vor allem auf die Heimstärke. „Sie werden uns sicher ernst nehmen. Sie wissen, dass wir daheim gegen Deutschland gut gespielt haben, und so leicht haben sie sich beim 2:0 in Istanbul gegen uns auch nicht getan“, sagte Abwehrspieler Ekrem Dag, der beim türkischen Erstligisten Besiktas Istanbul unter Vertrag steht. Auch die durch den Manipulationsskandal bedingte fehlende Spielpraxis vieler Türken sei ein Vorteil. „Die meisten Spieler haben nur Testspiele in den Beinen.“

Reicht auch das nicht zum Erfolg, steht der österreichische Fußball wohl abermals vor der Neustrukturierung. Constantini ist überzeugt, seinen potenziellen Nachfolgern ein gut bestelltes Feld zu hinterlassen. „Ich werde ein Team übergeben, das Entwicklungspotenzial und Zukunft hat. Viele Spieler sind jung, man muss ihnen Zeit geben. Ich hoffe, die bekommen sie“, sagte er.

SID

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