Alkohol im Stadion? Wiese: Lebensgefahr!

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Tim Wiese fühlt sich von alkoholisierten Fans bedroht

Bremen -Willi Lemke fordert angesichts der jüngsten Fan-Auswüchse in deutschen Fußball-Stadien resolutes Durchgreifen und bringt ein Reizthema zurück auf die Tagesordnung. Tim Wiese nennt ein krasses Beispiel.

“Wenn diese Exzesse sich künftig wiederholen oder noch verstärken, dann darf es auch kein Tabu sein, sogar über ein Alkoholverbot in den Stadien nachzudenken“, schrieb der Aufsichtsratsvorsitzende des Bundesligisten Werder Bremen in einer Kolumne für die Sport Bild. Der 65-Jährige, der auch UN-Sonderbeauftragter für Sport ist, übte scharfe Kritik am Verhalten einiger Anhänger.

Für Negativschlagzeilen hatten zuletzt die erneuten Pöbeleien der Fans von Borussia Dortmund gegen Mäzen Dietmar Hopp von 1899 Hoffenheim, die zur Lärmattacke führten, und vor allem die Fäkalienwürfe Kölner Anhänger auf Schalke gesorgt.

Verhalten ohne Alkohol wäre anders

Lemke ist vor allem über das Verhalten der Kölner Täter entsetzt, die inzwischen mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt worden sind. Ein solches Handeln könne jeden nur “anwidern, mit Sport hat das nichts zu tun. Aus meiner Sicht ist vielfach der Alkohol ein Problem, denn im nüchternen Zustand würde man sich so nicht verhalten.“

Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), fordert die Stadion-Besucher auf, sich an ihre Kinderstube zu erinnern. “Ich liebe den Bundesliga-Fußball, deshalb appelliere ich an die Fans, sich auch im Stadion ansatzweise so zu benehmen, wie sie es zuhause oder auch am Arbeitsplatz tun“, sagte Zwanziger der "Sport Bild". Familien würden von einem “Stadion-Besuch abgeschreckt, weil Eltern natürlich an die Vorbildwirkung für ihre Kinder denken müssen. Das ist schade“, sagte Zwanziger.

Nationaltorhüter Wiese spricht von “Lebensgefahr“

Die Leidtragenden auf dem Platz sind die Protagonisten, ganz besonders die Torhüter. Oliver Kahn wurde zum Beispiel bei einem Gastspiel von Bayern München beim SC Freiburg durch einen Golfball am Kopf getroffen und erlitt eine stark blutende Platzwunde. Und Nationaltorhüter Tim Wiese ist bei jedem Auswärtsspiel Bremens Ziel der Beleidigungen oder Attacken durch gegnerische Anhänger.

“Der negative Höhepunkt war unser Spiel mit Werder vor zwei Jahren beim Hamburger SV. Da wurde ich mit einer abgebrochenen Schnapsflasche beworfen“, sagte Wiese der "Sport Bild". “Solche Vorfälle wie gegen Kahn oder gegen mich in Hamburg zeigen, dass wir Torhüter sogar in Lebensgefahr sind.“

Stadion kein “rechtsfreier Raum“

Zwanziger deutete an, dass man sich im deutschen Fußball mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gegen derartige Auswüchse stemmen werde: “Das Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Das gilt auch für extreme Schmähgesänge gegen Spieler, gegnerische Fans oder Schiedsrichter.“

dapd

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