Sir Alex wird 70: Gentleman und "british bulldog"

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Der Sir wird 70. Jahre alt. Und will sich von seiner Mannschaft zum Neujahr beschenken lassen.

Manchester - Vom Werkzeugmacher und Kneipenwirt zum erfolgreichsten Teammanager in der Geschichte des englischen Fußballs: Sir Alex Ferguson wird 70.

Die Frage, wo und wie er Festtage oder seinen Urlaub verbringt, hört Alex Ferguson in etwa so gerne wie ein Tatverdächtiger die nach seinem Alibi. Einen Journalisten, der ihn zum Saisonende 2006 fragte, ob er seinen freien Sommer bei der WM in Deutschland verbringen wolle, raunzte er einst an: „Das geht Dich einen Scheißdreck an! Ich frag Dich ja auch nicht, ob Du immer noch in diesen Schwulenbars abhängst.“

So wird es die Reporter auf der Insel erleichtern, dass sie den Teammanager von Manchester United dieser Tage nicht fragen müssen, was er an seinem 70. Geburtstag am Samstag vor hat. Er wird da sein, wo er seit 25 Jahren ist: Bei seinen Red Devils, genauer: auf der Bank im Old Trafford, dessen Nordtribüne seinen Namen trägt, und wo ManUnited just an diesem Tag die Blackburn Rovers empfängt. Für Ferguson gibt es an diesem Tag wohl keinen schöneren Ort - und keinen, den er für weniger geeignet hält.

Sir Alex Ferguson: Seine besten Sprüche

Sir Alex Ferguson: Seine besten Sprüche

So sehr sich Sir Alexander Chapman Ferguson nach dem Beifall des Publikums sehnt, so wenig kann er mit öffentlicher Huldigung umgehen. Als ihn der Klub im November zum 25. Jubiläum mit dem „Alex Ferguson Stand“ überraschte, sagte er, sein Assistent, der von all dem gewusst hatte, sei „gefeuert“. Ein rauer Scherz, wie Ferguson sie gerne macht und wie sie der gelernte Werkzeugmacher in seiner Jugend häufig hörte.

Er ist im Glasgower Arbeiterviertel Govan geboren, einer ungemütlichen, vom Schiffsbau geprägten Gegend, die ihre besten Tage längst gesehen hatte, als der junge Ferguson hier aufwuchs. Hier hat er gelernt, dass Verschlagenheit mitunter weiter hilft als Gutmütigkeit, und dass man nicht jedem trauen darf. Hier ist der Ursprung zu finden für seine berüchtigten „Hairdryer“, der Tobsuchtsanfälle, mit denen er selbst Stars wie David Beckham rund machte.

Wer verstehen will, wie Ferguson bei Pressekonferenzen oder im Umgang mit Spielern mal als Gentleman, mal als kampfbereite „british bulldog“ auftritt, muss diese Wurzeln kennen. In Govan erwarb Ferguson Qualitäten, die dem jungen Alex auf der Straße genauso halfen wie dem Stürmer Ferguson auf dem Platz. Dort war er bald wegen seines intensiven Körpereinsatzes als „The elbow“ bekannt. Seine Ellbogen haben ihn bis an die Schwelle der Nationalmannschaft gebracht, später machten sie ihn zum erfolgreichsten Trainer der Insel.

Dass es soweit kommen könnte, war in den 1970er Jahren noch nicht absehbar. Nach seiner Spielerkarriere machte Ferguson erstmal einen Pub auf, „Fergie's“ hieß die Kneipe in Glasgow. Doch seinen Job als Wirt gab er bald auf. Obwohl er bei East Stirlingshire, seinem ersten Klub, einige Schwierigkeiten hatte - zu Beginn fehlte ihm gar ein Torwart - hatte er seine wahre Profession im Trainerberuf gefunden. Und Ferguson machte es von Anfang an auf seine Art. „Ich hatte nie zuvor in meinem Leben vor jemandem Angst, aber Ferguson war vom Start weg ein furchteinflößender Bastard“, sagte einer seiner ersten Spieler.

Screenshots aus PES 2012

Screenshots aus PES 2012

Über St. Mirren, den FC Aberdeen und die schottische Auswahl kam er 1986 zu United, und es ist schwer zu sagen, wann Ferguson in all diesen Jahren zu der Legende wurde, als die er heute weltweit verehrt wird. Es gibt bei ihm nicht diesen einen Moment wie etwa bei Uwe Seeler, als der das Angebot von Inter Mailand ablehnte, oder bei Franz Beckenbauer das einsame Schlendern über den Rasen des Römer Olympiastadions 1990. Vielleicht ist es der Coup im Europacup der Pokalsieger, als er mit Aberdeen im Finale 1983 Real Madrid bezwang, oder das „Treble“ 1999 mit dem dramatischen Champions-League-Endspiel gegen den FC Bayern als Höhepunkt, vielleicht die 19. (Rekord-)Meisterschaft.

Dieser, Fergusons 47. Titel, war jedenfalls für ihn ein ganz besonderer. Er erfüllte damit seinen zu Beginn seiner Amtszeit bei United selbst formulierten Auftrag, den langjährigen Rekordchampion FC Liverpool von seinem „verdammten Ast zu hauen“. Heute thront United in der Baumkrone - dank ihm. Doch weil da unten am Stamm seit einiger Zeit der „vorlaute Nachbar“ (Ferguson) im Kostüm eines milliardenschweren Scheichs mit wuchtigen Axtschlägen versucht, seinen Baum zu fällen, hat Fergsuon auch mit 70 noch eine Mission.

Am Samstag, das hat Ferguson unlängst verkündet, will er Manchester City zumindest für diesen einen, seinen Tag die Spitzenposition der Premier League entreißen; der punktgleiche Rivale spielt am Sonntagnachmittag in Sunderland. „Wenn wir am Neujahrstag oben stehen, bin ich glücklich. Dieses Datum ist für mich immer ein guter Indikator“, sagte er.

sid

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