Bodyguards und ekstatische Fans

Ailton bei Sechstligist wie Weltstar empfangen

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Ailton (unten) im Getümmel

Frankfurt - Bodyguards und ekstatische Fans: Ailton hat seine Rückkehr nach Deutschland gefeiert. Er erklärte, dass er von seinem neuen Klub früher noch nie gehört hatte und welche Angebote es sonst noch gab.

Zwei Bodyguards, jubelnde Fans auf dem Bingener Speisemarkt und ein Empfang auf einem Restaurant-Balkon: Die Rückkehr von Ailton nach Fußball-Deutschland hätte kaum weltmeisterlicher ausfallen können.

Dem ehemaligen Bundesligaprofi von Werder Bremen und Schalke 04 wurde am Sonntag ein erstklassiger Empfang bereitet - beim sechstklassigen Hassia Bingen. Der Verbandsligist aus Rheinhessen hat sich für ein Jahr die Dienste des 39-jährigen Brasilianers gesichert. Ein Marketinggag? „Nein“, versicherte Hassia-Manager und Hotel-Besitzer Stefan Seidel immer wieder.

Ailton bei Sechstligist wie ein Weltstar empfangen

Ailton bei Sechstligist wie ein Weltstar empfangen

Ailton schmunzelte verlegen ob der mehreren hundert Menschen, die bei seiner sogar mit Postern angekündigten Präsentation auf dem Speisemarkt zu Samba-Klängen munter tanzten. Fast schien dem „Kugelblitz“ der Rummel um seine Person ein bisschen unangenehm zu sein. Verwunderlich, denn wer einst freiwillig im RTL-Dschungelchamp saß, der dürfte den Begriff Schamgrenze ohnehin aus dem persönlichen Vokabular gelöscht haben.

Also lächelte der im legeren Jeanshemd gekommene Ailton und sprach pflichtbewusst über seine Ziele. Nicht in der dritten Person, wie noch zu seinen Zeiten als bester Bundesliga-Torjäger der Saison 2003/2004. Aber wie eh und jeh mit lustigem Ailton-Slang. „Ich spiele Fußball - immer. Viele meiner Mitspieler kennen mich aus dem Fernsehen. Ich bin hier, um sie zu motivieren“, sagte der Hoffnungsträger und fügte an: „Die Motivation ist immer da. Ich bin 100 Prozent fit und habe eine gute Kondition.“

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

100 Prozent überzeugt davon scheinen die Verantwortlichen des aufstiegsambitionierten Klubs aus Bingen allerdings nicht zu sein. Deshalb bekommt Ailton einen eigenen Spezialtrainer zur Seite gestellt, der mit dem Routinier arbeitet, wenn seine Mitspieler am Vormittag ihre normalen Berufe ausüben. „Wir haben eine klare Vereinbarung: Es ist das Ziel, Ailton bis zum Saisonbeginn hinzubekommen, dass es passt“, sagte Seidel über den Südamerikaner, der mit seiner Familie in einem Haus wohnen wird. In Mainz oder Bingen? „Egal, beides schön“, beteuerte Ailton, der andere Angebote ausgeschlagen hatte. Ein mexikanischer Zweitligist sowie ein paar brasilianische Klubs aus Liga zwei und drei wollten den Hüftgold-Stürmer nach eigenen Angaben verpflichten. Ailton winkte ab: „Nicht so interessant.“

Lieber kehrte der deutsche Meister und Fußballer des Jahres 2004 zurück ins Land seiner größten Erfolge. „Ich habe großen Respekt vor Deutschland. Darauf lag meine Priorität“ Von Hassia Bingen hatte er noch nie in seinem Leben gehört. Bis, ja bis Seidel vor rund einem halben Jahr erste Kontakte zu Ailtons Manager knüpfte. „Die Kombination zwischen Ailton und dem jungen Team ist das, was das Ganze so reizvoll macht“, meinte Seidel.

Ailtons erste Stationen im Amateur-Bereich nach seiner Profi-Karriere waren 2009 der in die Niederrheinliga abgestürzte Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen und ein Jahr später der Bremer Regionalligist FC Oberneuland. Zuletzt ging der „Kugelblitz“ für den niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine kurzfristig auf Torejagd.

In Bingen soll nun alles besser werden. Mit ein paar Minuten Verspätung hatte der 39-Jährige am Sonntagmorgen den VIP-Bereich des Stadions „Am Hessenhaus“ betreten. Zwei Sicherheitskräfte bewachten derweil den Parkplatz der Arena. Wenig später ging es für Ailton in einer weißen Limousine und mit einem Mini-Autokorso in die Innenstadt auf den Speisemarkt, wo er auf dem Balkon eines Lokals präsentiert wurde.

sid

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