Coach Kurz ratlos

Abstieg rückt näher: Hoffenheim „kotzt ab“

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Hoffenheims Trainer Kurz wirkte ratlos.

Sinsheim - Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim hat nach dem 0:0 gegen den FSV Mainz 05 an Boden im Abstiegskampf verloren. Der erste Abstieg der Klubgeschichte ist wieder ein Stück näher gerückt.

Als ob die Stimmung nach der Nullnummer nicht schon schlecht genug gewesen wäre, sorgte die Schreckensmeldung vom Sieg des FC Augsburg beim Hamburger SV (1:0) endgültig für Depression im Lager von 1899 Hoffenheim. „Wir kotzen alle ab“, sagte Profi Stephan Schröck im Anschluss an das 0:0 gegen den FSV Mainz 05.

Mit vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz geht der Tabellenvorletzte der Fußball-Bundesliga in die Länderspielpause. Der erste Abstieg der Klubgeschichte ist am 26. Spieltag wieder ein Stück näher gerückt. „Wir müssen siegen und auf Ausrutscher der Augsburger warten - das ist nach wie vor die Situation.

Augsburg ist jetzt wieder ein Stückchen weiter weg, aber wir müssen uns auf uns konzentrieren. Wir müssen punkten, um auf Augsburg Druck zu machen“, sagte Coach Marco Kurz, bei dem kaum noch etwas von der Zuversicht nach dem 3:0 am vergangenen Samstag im Kellerduell bei der SpVgg Greuther Fürth zu spüren war. „Wir haben nicht die Leistung gebracht, die wir im letzten Spiel gezeigt haben. Wir müssen uns steigern - und wir müssen Tore schießen, um drei Punkte zu holen“, äußerte der etwas ratlos wirkende Trainer, dessen Team sich unter der Woche erfolglos auf einer Paintball-Anlage „warmgeschossen“ hatte: „Wir haben die Qualität, aber wir müssen sie auch nachweisen. Wir hatten eine ganz hervorragende Trainingswoche. Warum es dennoch nicht geklappt hat, kann ich nicht sagen.“

Deutlicher als Kurz wurde Mittelfeldspieler Tobias Weis nach dem müden Kick mit einem gerechten Ergebnis vor 24.500 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena. „Wir haben über 90 Minuten einfach zu wenig investiert“, sagte Weis - für einen Verein im Abstiegskampf kommt diese Aussage einem sportlichen Offenbarungseid gleich. Für Weis steht fest, dass der Klub von Mäzen Dietmar Hopp vor dem nächsten Spiel bei Schalke 04 ganz dicht am Abgrund steht: „Wir müssen gegen Schalke eine Serie starten, sonst wird es sehr knapp.“

Ob Andreas Müller die Lage am 23. Geburtstag des schwer verunglückten Boris Vukcevic ähnlich prekär sah, blieb das Geheimnis des Managers. Der 50-Jährige zog die Talkrunde beim Stadion-TV einer Stellungnahme gegenüber den Medien vor. So entging Müller auch Fragen nach der Zukunft des weiterhin suspendierten Torhüters Tim Wiese. Wieses Nachfolger Heurelho Gomes überzeugte auf dem Platz zwar erneut, mehr als Durchhalteparolen hatte der Brasilianer aber nach dem Abpfiff auch nicht parat: „Es ist noch nicht vorbei.“

Im Gegensatz zu den Hoffenheimern, deren T-Shirt-Aktion „Gemeinsam Flagge zeigen für eine erstklassige Region“ nicht die erhoffte Aufbruchstimmung erzeugte, haben die Mainzer weiterhin ihr großes Ziel im Visier. Die Rheinhessen, die noch nie bei der TSG verloren haben, sind seit sechs Partien ungeschlagen.

Obwohl Coach Thomas Tuchel seinen 50. Bundesliga-Sieg verpasste, ist die Teilnahme an der Europa League in greifbare Nähe gerückt - trotz großer personeller Probleme. „Vor dem Spiel wussten wir lange gar nicht, wer aufläuft. Wir hatten nur 14 Leute im Training. Wir haben die Länderspielpause herbeigesehnt und können mit dem Punkt sehr gut leben“, sagte Manager Christian Heidel, der den Etat mit Blick auf mögliche internationale Aufgaben in der kommenden Saison von 20 auf 24 Millionen Euro erhöhen will.

SID

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