Abseits & Co: Was sich bei den Bundesliga-Regeln ändert

Frankfurt/Main - Für Diskussionsstoff ist gesorgt. Vor allem die leicht veränderte Auslegung beim passiven Abseits könnte in der 49. Bundesliga-Saison für strittige Szenen sorgen - und für erhitzte Gemüter.

Die Schiedsrichter sind angehalten, bei dem ohnehin heiklen Thema wieder etwas kleinlicher zu pfeifen. “Ausschlaggebend ist die Form des Eingriffs“, sagte der Koodinator für Regelauslegung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), Lutz Wagner, der Nachrichtenagentur dapd.

Die Pfeife wird demnach wieder etwas häufiger ertönen. Es gilt: Auch wenn ein Spieler in unmittelbarer Nähe zum Geschehen im passiven Abseits steht, dabei aber den Gegner irritiert, oder beeinflusst, wird dies konsequent geahndet. Dass er den Ball nicht spielt, spielt keine Rolle. Aktiv im passiven Abseits, sozusagen.

Slomka: “Diskussionen bleiben“

Wagner, Mitglied der DFB-Schiedsrichter-Kommission, sieht diese Entwicklung keinesfalls als Schritt zurück. Es gehe um die verständliche Auslegung der Regel. Es geht nebenbei auch darum, die Vorgaben des Weltverbandes FIFA einzuhalten. Wagner betont aber auch: Wenn ein Spieler einfach nur im Abseits steht, erfolgt nach wie vor kein Pfiff.

Bei den Trainern stößt die neue Auslegung auf unterschiedliche Resonanz. “Man hat sich darauf besonnen, eine einfachere Form zu wählen. Das ist sinnvoll. Es gibt eine Linie und mehr Verlässlichkeit“, sagte Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf, fügte aber auch relativierend hinzu: “Es ist eine geringfügige Änderung, man wird das Spiel nicht neu erfinden. Und es wird weiterhin Fehlentscheidungen geben.“ Mirko Slomka von Hannover 96 ist skeptisch: “Das Ganze ist kompliziert. Ich habe es mir erklären lassen, aber wer dann was pfeift, wird uns immer ein wenig verborgen bleiben. Die Diskussionen werden immer bleiben.“

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Argusauge auf Trainer

Die Trainer müssen sich zudem noch mehr darauf einstellen, dass sie in der Coaching-Zone mit Argusaugen beobachtet werden. Man werde nicht tolerieren, “dass die Trainer da herumspringen wie verrückt“, hatte der Kommissions-Vorsitzende Herbert Fandel zuletzt ausdrücklich erklärt.

Szenen wie jene aus der Hinrunde der vergangenen Saison, als Trainer Jürgen Klopp vom deutschen Meister Borussia Dortmund beim Heimspiel gegen den Hamburger SV mit dem vierten Offiziellen Stefan Trautmann im wahrsten Sinn des Wortes auf Tuchfühlung ging, sollen der Vergangenheit angehören. “Aber der vierte Unparteiische ist kein reiner Aufpasser“, stellte Wagner klar. Es solle ein guter Umgang gepflegt werden. Das ist zumindest die Hoffnung.

Lehren aus Affäre Kempter/Amerell

Damit auch die Schiedsrichter lernen, können sie in dieser Saison an jedem Spieltag ausgesuchte Szenen per Mausklick in einem individuellen Portal abrufen. Die Rede ist von einem Individualcoaching via Internet. Das soll die Sinne schärfen. Und helfen, Fehler abzustellen.

Lehren gezogen hat die Schiedsrichter-Kommission bereits aus der pikanten Affäre zwischen dem früheren FIFA-Referee Michael Kempter und dem ehemaligen Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell. “Die Nachwuchsförderung ist ein zentraler Baustein im Konzept der Schiedsrichter-Kommission“, erklärte Wagner, der 2010 seine eigene Laufbahn nach Erreichen der Altersgrenze beendet hatte und sich beim DFB auch um die Talentförderung kümmert. Der 48-Jährige betont: “Unsere jüngeren Unparteiischen werden von einem Team qualifizierter Trainer in ihrer Entwicklung gefördert.“ Es gehe nicht nur um die Leistung auf dem Platz, sondern auch um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

dapd

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