Erstmals in 113 Jahren

Aachen steigt in die Regionalliga ab

Aachen - Der Abstieg des Traditionsklubs Alemannia Aachen in die 4. Liga ist perfekt. Das Entsetzen und die Fassungslosigkeit steht den Spielern ins Gesicht geschrieben.

Als am Samstag um 15.46 Uhr der Absturz von Alemannia Aachen in die Regionalliga Wirklichkeit geworden war, konnten das Entsetzen und die Fassungslosigkeit in den Gesichtern der Spieler abgelesen werden. Zum ersten Mal in der 113-jährigen Vereinsgeschichte kicken die Alemannen künftig in der 4. Liga.

„Es mangelte bei einigen am absoluten Willen, weiterzukommen“, wetterte Coach Rene van Eck. Der Abstieg aus der 3. Fußball-Liga hatte sich zuletzt schon angedeutet, das 0:1 (0:1) beim Halleschen FC besiegelte den Gang in die 4. Liga.

Nun darf man gespannt sein, ob die Aachener im Falle des feststehenden Abstiegs tatsächlich das Insolvenzverfahren vor dem letzten Spieltag der 3. Liga einleiten werden. In diesem Fall würden alle Spiele der Alemannia annulliert, die Tabelle bekäme ein völlig neues Gesicht, die meisten der betroffenen Klubs hatten empört reagiert.

Ex-Bundesligisten in den Amateurligen

Ex-Bundesligisten in den Amateurligen

„Das ist Wettbewerbsverzerrung“, hatte schon Osnabrücks Trainer Claus-Dieter Wollitz geschimpft. Der VfL würde im Spitzenkampf drei Punkte verlieren. Noch ärger träfe es Aufstiegskonkurrent Preußen Münster, der gleich sechs bereits erspielte Punkte verlöre.

Dies war am Samstag aber in Halle noch kein Thema. „Wir haben in der Saison das Team zwei-, dreimal komplett gewechselt, das ist der Hauptgrund für den Niedergang“, äußerte Timmy Thiele in der Aachener Zeitung/Nachrichten. Die Substanz des Ex-Bundesligisten, immerhin Vize-Meister 1969, reichte nicht.

Einziges Trostpflaster für die Alemannnia: Der Klub kann trotz des anstehenden Insolvenzverfahrens auch in Zukunft seine Heimspiele im Tivoli-Stadion austragen. Die Stadt hatte bereits vorher für die kommende Saison der Übernahme von 75 Prozent der Betriebskosten für die erst 2009 fertiggestellte Arena in Höhe von 1,5 Millionen Euro zugestimmt. Der Klub, der zuletzt aus Kostengründen einen Umzug ins 30 km entfernte Jülich erwogen hatte, trägt die restlichen 500.000 Euro. Die Belastung der Stadt entspricht einem Zuschuss von einer Million Euro.

Im Aufstiegsrennen der 3. Liga hat derweil der VfL Osnabrück einen wichtigen Dreier gefeiert. Die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz schlug Wacker Burghausen am 36. Spieltag mit 1: 0 (1:0) und zog an Preußen Münster vorbei auf Platz drei. Die Westfalen unterlagen den Stuttgarter Kickers mit 0:1 (0:0). Arminia Bielefeld hatte am Freitagabend durch ein 1:0 beim VfB Stuttgart II die Tabellenspitze vor dem Karlsruher SC erobert.

Wie Münster patzte auch der 1. FC Heidenheim, der gegen Borussia Dortmund II nicht über ein 2:2 (1:1) hinaus kam. Kevin Kraus (45. /86.) glich zweimal für die Gastgeber aus, Marvin Bakalorz (23.) und Tim Treude (76.) hatten Dortmund jeweils in Führung geschossen.

In Münster bescherte Fabian Baumgärtel (79.) den Schwaben einen wichtigen Dreier im Kampf um den Klassenerhalt, während Münster nach dem 1:1 in Erfurt aus der Vorwoche erneut patzte und die erste Heimniederlage kassierte. Preußen-Trainer Pawel Dotschew kommentierte: „Vor heimischem Publikum zu verlieren, ist sehr enttäuschend. Meine Mannschaft hat kein Gegenmittel gefunden. Und diese Niederlage zeigt, dass Fußball brutal sein kann. Wir haben die Niederlage nicht verdient und stehen jetzt mir leeren Händen da. Jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren.“

Für Osnabrück war Timo Staffeldt in der 37. Minute im Nachschuss erfolgreich, nachdem Gäste-Torhüter Rene Vollath zunächst seinen Foulelfmeter erfolgreich pariert hatte.

Im Abstiegskampf setzte sich der SV Babelsberg unter dem neuen Trainer Dietrich Timme mit 3:1 (2:1) gegen die SpVgg Unterhaching durch. Nach der frühen Führung durch Süleyman Koc (4.) bewahrte zunächst Frederic Löhe die Gastgeber vor dem Ausgleich, als er einen Foulelfmeter von Andreas Voglsammer parierte (10.). Dann traf allerdings Tobias Schweinsteiger (24.) für Unterhaching. Noch vor der Pause war Markus Müller (43.) für Babelsberg erfolgreich, nach dem Wechsel traf Christian Essig (81.).

Der Chemnitzer FC unterlag mit 1:2 (0:1) gegen Rot-Weiß Erfurt, Hansa Rostock trennte sich 2:2 (1:0) von Kickers Offenbach.

sid

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