EM 2012: Neuer, Wiese und wer noch?

Bremen - Manuel Neuer ist die Nummer eins im Tor der deutschen Nationalelf, Tim Wiese gilt als Nummer zwei. Doch um die Position des dritten Torhüters gibt es bis zur Bekanntgabe des EM-Kaders einen Wettstreit.

100 Tage vor dem Start der Fußball-EM ist der Kampf um die Nummer drei im Tor der deutschen Nationalmannschaft voll entbrannt. Bis zum Jahresende galt Ron-Robert Zieler von Hannover 96 als dritter Mann hinter Manuel Neuer und Routinier Tim Wiese, doch die jungen Ballfänger wie Marc-Andre ter Stegen von Borussia Mönchengladbach und Bernd Leno von Bayer Leverkusen machen Zieler und möglicherweise sogar auch Wiese in der Endphase der Saison noch einmal mächtig Druck. „Wäre ein Doppelspieltag gewesen, hätten wir wohl Zieler als dritten Mann nominiert“, sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Länderspielauftakt des WM-Dritten in diesem Jahr am Mittwoch in Bremen gegen Frankreich.

Unvergessene Torwart-Legenden

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Für das letzte Spiel vor der EM-Nominierung wurden erwartungsgemäß Neuer (Bayern München) und Lokalmatador Wiese eingeladen. Der Bundestrainer betonte aber, die Entwicklung der beiden 20-Jährigen ter Stegen und Leno werde genauestens beobachtet. „Wir wissen, dass wir über zwei hochtalentierte junge Torhüter in Gladbach und Leverkusen verfügen“, sagte Löw, der betonte, dass die Tür für diese beiden noch einen Spalt offen steht. Genährt wird diese Spekulation auch dadurch, dass die beiden Senkrechtstarter anstelle der etatmäßigen Torleute Kevin Trapp (1. FC Kaiserslautern) und Oliver Baumann (SC Freiburg) erstmals für das EM-Qualifikationsspiel der U21 am Mittwoch gegen Griechenland nominiert wurden. Offiziell wurde von Trainer Rainer Adrion ein Vierkampf um die Nummer eins bei den Junioren ausgerufen. In Wahrheit ist es aber ein Dreikampf um die Nummer drei bei der A-Mannschaft, vielleicht auch ein Vierkampf um die Plätze zwei und drei. Denn zuletzt war offen spekuliert worden, ob das Torwartspiel des 30-jährigen Wiese noch zeitgemäß sei. Löw redete ausgerechnet in Wieses beruflicher Heimat Bremen um den heißen Brei herum. „Tim Wiese spielt seit Jahren sehr konstant und hat eine große Zuverlässigkeit. Er ist auf der Linie sehr, sehr stark. Die neue Torwartgeneration hat eine andere Spielweise. Etwas höher, sie sind weit weg von der eigenen Torlinie. Sie gehen vielleicht etwas mehr Risiko. Aber Wiese ist einfach sehr, sehr verlässlich und ist bei unseren Bewertungen häufig gut weggekommen.“ Ob dies für Wiese, der 2010 die Rolle als Nummer zwei glänzend ausgefüllt und ohne Murren hingenommen hatte, dass Notnagel Jörg Butt das Spiel um Platz drei bestreiten durfte, ein Freifahrtschein Richtung Ukraine und Polen ist, steht in den Sternen. Denn Bundestorwarttrainer Andreas Köpke hatte den Konkurrenzkampf zuletzt kräftig geschürt und damit auch Wiese angestachelt.

 „Manuel Neuer hat sich klar als Nummer eins positioniert, doch dahinter ist es enger geworden. Wir werden die Situation bis zur Nominierung genauestens beobachten“, sagte Köpke, der im ständigen Dialog mit Löw ist. Der BTT meinte mit Blick auf Wiese und Zieler: „Sie dürfen nicht locker lassen, denn die Konkurrenten machen mächtig Druck. Wir haben in Deutschland viele richtig gute Torhüter. Der eine oder andere ist vielleicht gar nicht so weit weg von dem Sprung, den er sich wünscht.“ Worte, die weder Wiese noch Zieler locker wegstecken. Beide räumen ihren Posten nicht freiwillig. „Ich sehe mich als klare Nummer zwei - mir ist nichts anderes gesagt worden. Sicherlich ist Manuel Neuer die Nummer eins, aber in Ruhe lassen werde ich ihn deshalb nicht. Ich gebe nicht auf. Ich werde aber sicherlich keine Unruhe stiften“, sagte der Werder-Schlussmann genervt.

Aber auch Zieler (23) zeigt ein gesundes Selbstbewusstsein. „Ich bin die Nummer drei in Deutschland. Wenn ich weiter meine Leistungen bringe, dann glaube ich daran, dass ich zur EM fahren werde.“ Dass sich ter Stegen und Leno, die sich in der Torüter-Debatte zurückhalten, Hoffnungen machen können, beweist der Blick in die Vergangenheit. Vor der EM 2008 strich Löw den als gesetzt geltenden Timo Hildebrand aus dem Kader und nominierte Rene Adler.

SID

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