Plan gegen Hellenen-Bollwerk

Taktikanalyse: So sind die Griechen zu knacken

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Mannschaftliche Geschlossenheit zeichnet die Griechen aus.

Danzig/Köln - Deutschland erwartet im Viertelfinale zwar keine hochklassige, aber eine äußerst unangenehme griechische Mannschaft. Die Taktikanalyse zum Europameister von 2004:

Die griechische Nationalmannschaft agiert taktisch unorthodox und alles andere als modern - doch gerade diese Kombination macht es schwierig, sie auszurechnen. Auf eine Formation lässt sich das Spiel der Griechen nicht reduzieren. Ursprünglich ist es meist ein 4-3-3-System, das sich jedoch in alle erdenklichen Mischformen verflüssigt - egal, ob in der äußerst kompakten Defensive oder der Offensive. Das wiederum führt auf dem Platz zu Konstellationen, die es unter modern spielenden Mannschaften mit einer stabilen taktischen Ordnung selten gibt.

Die spielerisch starken Russen wurden von Griechenland kalt erwischt (0:1). Beim Spielaufbau der Griechen rochiert das Mittelfeld sehr viel. Da die Bewegungen jedoch kaum aufeinander abgestimmt sind, wird der Ball letztlich meist an der Linie entlang oder diagonal nach vorne geschlagen. Hier sind vor allem die sogennanten „zweiten Bälle“ zu beachten. Gleiches gilt bei Flanken aus dem Halbfeld und Standards. Jedoch wird der gelbgesperrte Kapitän Georgios Karagounis dem ohnehin recht harmlosen Offensivspiel fehlen, da er bislang noch am ehesten die Rolle des Spielgestalters übernahm.

DFB-Spion warnt vor effektiven Griechen

In günstigen Situationen, insbesondere bei gegnerischen Quer- und Rückpässen, ist ein aggressives Pressing sinnvoll, um Ballgewinne in erfolgsversprechenden Regionen zu erzwingen. Lässt man die Griechen etwas kommen, könnte sich etwas mehr Platz für Gegenstöße ergeben. Die physisch starke Defensive wird stets versuchen, das Tempo aus den Angriffen der Deutschen zu nehmen. Dabei verteidigt das Team von Trainer Fernando Santos passiv, das heißt: Es ist nicht auf Ballgewinne aus, sondern auf das Verhindern von Abschlüssen aus gefährlichen Positionen.

Um das griechische Bollwerk zu knacken, muss die deutsche Elf ein gewisses Risiko gehen. Ist man eher darauf bedacht, Konter zu verhindern, wird man sich höchstwahrscheinlich die Zähne an der robusten Defensive ausbeißen. Daher gilt es, alle Feldspieler ins Offensivspiel einzubinden. Die Innenverteidiger müssen Aufgaben im Spielaufbau übernehmen, die Außenverteidiger immer wieder überraschend aufrücken, die drei Zentralen könnten untereinander sowie mit den Flügelspielern rotieren. So entstehen Lücken, die durch ein gezieltes „Überladen“ (mehr eigene Spieler als gegnerische in Ballnähe) auf den Außen und Halbpositionen genutzt werden können.

Wichtig wird es sein, diese Spielzüge in hohem Tempo vorzutragen, damit die eher schwerfälligen Griechen keinen Zugriff auf die deutschen Spieler bekommen. Die linke griechische Abwehrseite hat sich diesbezüglich als besonders anfällig erwiesen.

sid

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