Trainer-Nachfolger steht fest

Hoffenheim entlässt Kurz und Müller

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Andreas Müller (l.) und Marco Kurz

Sinsheim - 1899 Hoffenheim hat Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller entlassen. Zumindest der neue Coach steht bereits fest.

Nach einem spektakulären Rundumschlag wagt 1899 Hoffenheim sieben Spieltage vor dem Saisonende den kompletten Neustart. Der Bundesligist entließ am Dienstag sowohl Trainer Marco Kurz als auch Manager Andreas Müller und will sich mit dem neuen Coach Markus Gisdol auf alte Werte besinnen - auch eine Rückkehr des ausgemusterten Ex-Nationaltorhüters Tim Wiese ist im Kampf gegen den drohenden Abstieg möglich.

„Jeder wird eine neue Chance erhalten, egal wer“, sagte Gisdol, bis Dezember Assistent von Huub Stevens bei Schalke 04 und ehemaliger Coach der 2. Mannschaft der TSG. Müllers Nachfolge tritt der bisherige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Alexander Rosen, an.

Das Misstrauen in Kurz und Müller war offenbar schon vor dem Spiel auf Schalke groß gewesen. Gisdol erklärte bei seiner Vorstellung, er sei schon am Donnerstag - also zwei Tage vor dem 0: 3 bei Schalke 04 - kontaktiert worden. Dort wurde noch über ein Engagement zur kommenden Saison gesprochen. „Am Sonntag folgte ein weiteres Telefonat, indem es darum ging, sofort einzusteigen“, sagte Gisdol, der einen Dreijahresvertrag bis 2016 unterschrieb.

Man könne den aktuellen Schritt nicht an einem Spiel festmachen, bestätigte Geschäftsführer Frank Briel. Vielmehr wolle man einen „konsequenten Neuaufbau und ein Zurückkommen auf unsere Ursprungs-Idee“. Deshalb sei man „froh, jemanden zu bekommen, der Hoffenheim und das, was Hoffenheim in seiner Grund-Philosophie ausgemacht hat, kennt.“

Ins gleiche Horn stieß Peter Hofmann. „Das Motto lautet: Zurück zu den Wurzeln“, sagte der Vereins-Präsident und Gesellschafter. Gisdol erklärte kämpferisch: „Ich habe die Philosophie in Hoffenheim in Fleisch und Blut. Deshalb bin ich hier.“ Die Rückbesinnung auf alte Werte war schon bei den Vorstellungen von Müller und Kurz, dessen Assistent Günther Gorenzel am Dienstag ebenfalls entlassen wurde, beschworen worden.

Müller war nicht nur deshalb enttäuscht und geschockt. „Ich muss das alles erst einmal in Ruhe für mich sacken lassen“, sagte er: „Mehr kann und möchte ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.“ Dass ausgerechnet ein Spiel in Gelsenkirchen für die beiden Schalker „Eurofighter“ Müller und Kurz das letzte in Hoffenheim war, ist eine kuriose Randnotiz. Ihre Bilanz war schon vor dem Spiel in ihrer alten Heimat erschreckend gewesen.

Müller, der am 18. September den vakanten Managerposten übernommen hatte, um den damaligen Trainer Markus Babbel zu entlasten, bekam die Probleme nicht in den Griff. Unter dem im Winter gekommenen Kurz rutschte Hoffenheim vom Relegationsplatz auf den direkten Abstiegsrang ab. Statt wie im Januar drei Punkte Vorsprung auf Rang 17 hat die TSG nun vier Zähler Rückstand auf Platz 16.

Vor allem in der Personalie Wiese hatte Hoffenheim unter Müller und Kurz ein schwaches Bild abgegeben. Der ehemalige Nationaltorhüter war im Winter aus dem Team genommen worden, weil er angeblich geschützt werden sollte. Anfang März wurde er aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader genommen, erst am Montag durfte er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Der 43-Jährige Gisdol, angeblich vom früheren Hockey-Nationaltrainer und heutigen Direktor Sport und Nachwuchsförderung Bernhard Peters gefördert, war nach schon im Winter einer von drei TSG-Kandidaten in der Endauswahl. Damals entschieden sich die Kraichgauer aber für Kurz, obwohl dieser bei seiner letzten Station beim 1. FC Kaiserslautern vor seiner Entlassung zehn Spiele nacheinander ohne Sieg geblieben war. Müller boxte seinen alten Spezi durch - eine Entscheidung, die ihn nun selbst zu Fall brachte.

„Wir haben noch eine realistische Chance auf den Klassenerhalt“, sagte Gisdol, dessen Vertrag auch für die zweite Liga gilt und kündigte unabhängig davon schon mal an: „Wir werden nach der Saison jeden Stein umdrehen.“ Rosen wird derweil nicht den Titel des Managers tragen, sondern laut Briel eine „interne Koordinationsfunktion einnehmen“.

sid

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