15-Spiele-Sperre für Eto'o: Kamerun geschockt

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Samuel Eto'o

Jaunde - Kameruns Fußball-Nationalheld Samuel Eto'o ist für 15 Spiele gesperrt worden. Die drakonische Maßnahme des Verbandes hat zu heftiger Kritik geführt.

Das fußballverrückte Kamerun befindet sich im Schockzustand: Die vom nationalen Fußball-Verband Fecafoot ausgesprochene 15-Spiele-Sperre für Ausnahmespieler Samuel Eto'o hat heftige Reaktionen ausgelöst. Kameruns Fußball-Ikone Roger Milla kritisierte: „Das ist ein Schock und ein Desaster, dass ein Schlüsselspieler wie Eto'o so lange für die Nationalmannschaft gesperrt wird. Das bedeutet eine dreijährige Sperre. Das ist mehr als schlecht für Eto'o, der 30 Jahre alt ist. Vielleicht führt das zu seinem vorzeitigen Nationalmannschaftsabschied.“

Das Wort des dreimaligen WM-Teilnehmers hat in Kamerun immer noch Gewicht und spricht den Fans aus dem Herzen. „Warum verhängen sie eine solch heftige Strafe für einen einzigen Spieler, wenn dadurch gleichzeitig die ganze Nationalmannschaft darunter leidet? Das ist nicht fair“, wetterte Milla.

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Der Grund für die Sperre Eto'os, Angreifer vom russischen Millionen-Klub Anschi Machatschkala, soll ein Boykott des letztlich abgesagten Länderspiels am 15. November in Algerien gewesen sein. Der Kapitän der „unzähmbaren Löwen“ soll seine Teamkameraden animiert haben, die Reise nach Algerien nicht anzutreten.

Als offizielle Erklärung für die Absage war damals zunächst ein „internes administratives Problem“ angegeben worden. Jeder kamerunische Spieler habe für seinen Einsatz bei einem vorangegangen Vier-Länder-Turnier in Marokko einen Bonus verlangt, die Mannschaft habe das Geld aber nicht rechtzeitig erhalten. Daraufhin hatten die Spieler die Partie in Algerien bestreikt.

Ebenfalls eine Sperre erhielt wegen des Vorfalls Vizekapitän Eyong Enoh. Der Mittelfeldspieler von Ajax Amsterdam muss zwei Spiele aussetzen. Beide Spieler können noch in die Berufung gehen.

Der Chef der Spielergewerkschaft Kameruns, David Mayebi, beschrieb die Sperre für Eto'o als „überzogen“. Er erwägt sogar Maßnahme seiner Organisation, um eine Aufhebung der Sperre zu erreichen.

„Ein Spieler wie Eto'o hat soviel für unseren Fußball geleistet. Wenn der Verband seine Entscheidung nicht zurücknimmt, sollte es vonseiten der Regierung Gegenmaßnahmen geben“, sagte er. Allerdings würde eine solche Vorgehensweise gegen die Statuten des Weltverbandes FIFA verstoßen, wonach von politischer Seite nicht in die Belange der nationalen Fußballverbände eingriffen werden darf. Ansonsten droht Kamerun eine Suspendierung vonseiten der FIFA. Mayebi will aber auch selbst aktiv werden: „Wir können nicht einfach zuschauen, wie der Verband unsere Nationalmannschaft zerstört.“

Verbands-Generalsekretär Sidiki Tombi a Roko verteidigt allerdings die Vorgehensweise durch Fecafoot: „Samuel Eto'o hat die Nationalmannschaft veranlasst, nicht nach Algerien zu fahren. Er hat angekündigt, die volle Verantwortung für seine Aktion zu übernehmen. Und genau das haben wir getan.“

Dass der Verband den Spielern und Trainern versprochene Gelder schuldet, ist kein neues Phänomen. Winfried Schäfer, von 2001 bis 2004 Nationalcoach der unzähmbaren Löwen, klagte wiederholt über die miserable Zahlungsmoral der Fecafoot. Tombi o Roko widersprach im aktuellen Fall allerdings der Darstellung von Eto'o und Co. Der Verband habe niemals Bonuszahlungen an die Nationalspieler in Aussicht gestellt.

sid

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