Freund verpasst große Chance, Schmitt ärgert Tournee-Aus

Garmisch-Partenkirchen - Severin Freund ärgerte sich über die „verpasste Chance“, Martin Schmitt über sein persönliches Tournee-Aus: Die deutschen Skispringer haben beim Neujahrsspringen der 60. Vierschanzentournee einen Tag der bitteren Rückschläge erlebt.

Während Freund als Siebter in Garmisch-Partenkirchen einen fast sicheren Podestplatz aus der Hand gab, verpasste Routinier Schmitt den zweiten Durchgang und damit das Ticket für die beiden Wettbewerbe in Österreich. Hoffnungsträger Richard Freitag wurde nur 25. und fiel in der Gesamtwertung weit zurück.

„Martin ist ein fairer Sportsmann und hat das eingesehen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. „Er hat sich mit Andreas Wank um den sechsten Platz im Team duelliert, alle hatten gleiche Bedingungen.“ Für den 33 Jahre alten Schmitt, der als 38. erneut eine schwache Vorstellung ablieferte, ist bei seiner 16. Tournee-Teilnahme erstmals aus sportlichen Gründen vorzeitig Schluss. „Ich bin nicht traurig, mich ärgert es viel mehr“, sagte Schmitt.

Der Tagessieg ging vor 18.000 Zuschauern wie schon in Oberstdorf an Gregor Schlierenzauer, der vor Weltcup-Spitzenreiter Andreas Kofler (beide Österreich) und dem Japaner Daiki Ito gewann. Weltmeister Schlierenzauer, der weiter von der Millionen-Prämie für vier Siege träumen darf, baute in der Gesamtwertung mit jetzt 557,8 Punkten seine Führung auf den Teamkollegen Kofler (535,6) und Ito (532,3) aus. Freund folgt mit 526,2 Punkten auf Platz fünf.

„Das war ein Super-Tag für mich. Noch denke ich überhaupt nicht an den Tourneesieg“, sagte der erst 21 Jahre alte Schlierenzauer: „Ehrlicherweise waren das nicht die besten Sprünge, aber umso besser für mich, wenn es dann trotzdem reicht. Die Millionenprämie geht mir nicht durch den Kopf, es ist ja noch ein langer Weg.“

Nach dem ersten Durchgang durfte Freund als Zweiter sogar vom ersten deutschen Tournee-Tagessieg seit neun Jahren träumen. Seinem starken Sprung auf 138,5 Meter folgte jedoch ein Satz auf nur 130,5 m. „Eigentlich habe ich immer recht gute Wettkampfsprünge gezeigt, da kann mal einer daneben gehen. Siebter ist aber noch ganz gut“, sagte der 20-Jährige, der zur Halbzeit auch in der Gesamtwertung Zweiter war. „Diese Chance war schon groß“, ärgerte sich Freund.

Bundestrainer Schuster war dennoch mit seinem besten Schützling zufrieden. „Severin hat einen kleinen Fehler gemacht und nicht so gut mit den Beinen gearbeitet. Er hat dennoch einen guten Wettkampf gemacht und war am Podest dran. Wir haben jetzt noch ein paar Dinge zu tun“, sagte der Österreicher.

Viel Arbeit wartet auch noch auf Hoffnungsträger Freitag. „Die Sprünge haben einfach nicht so gepasst, dass Gefühl ist nicht da. Das ist schade, aber ich will versuchen, wieder vorne ranzukommen“, sagte der 20-Jährige aus Aue. In der Gesamtwertung fiel Freitag mit 474,2 Punkten auf den 19. Platz zurück und liegt damit sogar eine Position hinter Stephan Hocke (474,6), der 26. wurde. Das ordentliche deutsche Ergebnis komplettierten Michael Neumayer (Berchtesgaden) und Andreas Wank (Oberhof) auf den Plätzen 17 und 20. Maximilian Mechler (Isny) verpasste wie Schmitt den zweiten Durchgang.

Nur vom Krankenbett zuschauen durfte Bruchpilot Tom Hilde. Zwei Tage nach seinem Wirbelbruch in Oberstdorf war der Norweger dem Tournee-Tross nach Garmisch gefolgt und präsentierte sich dort überraschend gut gelaunt. „Skispringen ist ein gefährlicher Sport, Verletzungen gehören dazu“, sagte der 24-Jährige, der in dieser Saison nicht mehr an den Start gehen wird. Über seinen Fehler bei der Landung konnte Hilde bereits lachen: „Das war, als ob ein Fußballer einen Elfmeter verschießt und sich dabei den Rücken bricht.“

Die 60. Vierschanzentournee wird nach einem Ruhetag am Dienstag mit der Qualifikation für das Bergisel-Springen in Innsbruck fortgesetzt. Abgeschlossen wird die Tournee traditionell in Bischofshofen (5./6. Januar).

sid

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