French Open

Murray raus - Scharapowa im Halbfinale

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Maria Scharapowa (r.) beim Handshake mit Kaia Kanepi.

Paris - Bis auf einen gaben sich die Top-Favoriten in Paris keine Blöße: Maria Scharapowa und Rafael Nadal sind bei den French Open souverän ins Halbfinale eingezogen. Murray jedoch verlor verdient.

Diesmal gab es kein Drama um Andy Murray. Der Schotte legte sich nicht mit dem Publikum an oder mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den roten Sand, um sich behandeln zu lassen. Ohne Mätzchen verlor die Nummer vier der Weltrangliste ein Tennisspiel im Viertelfinale der French Open in Paris - und das verdient mit 4:6, 7:6 (7:3), 3:6, 2:6 gegen den Spanier David Ferrer.

Der trifft nun im Halbfinale auf seinen Landsmann und Top-Favoriten Rafael Nadal, der erstmals in diesem Jahr bei seinem Lieblingsturnier kämpfen musste. Nachdem er in seinen ersten vier Matches nur 19 Spiele hatte abgeben müssen, hielt Nicolas Almagro, ein weiterer spanischer Sandplatzspezialist, richtig gut dagegen. Zumindest im ersten Satz.

Nach 2:46 Stunden zog der sechsmalige Roland-Garros-Champion Nadal dennoch erwartungsgemäß mit 7:6 (7:4), 6:2, 6:3 in die Runde der besten Vier ein. Es war sein 50. Sieg beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt, bei nur einer Niederlage 2009 - und damals war er angeschlagen. Das zweite Halbfinale am Freitag bestreiten wie im Vorjahr Novak Djokovic (Serbien/Nr. 1) und Roger Federer (Schweiz/Nr. 3).

Murray wäre wie im vergangenen Jahr gerne im elitären Kreis der vier besten Tennisspieler der Welt geblieben, doch an diesem nasskalten Mittwoch im Stade Roland Garros war das Kraftpaket Ferrer zu stark und der Brite nicht in seiner besten Verfassung. Auch das Publikum konnte den 25-Jährigen nicht aufwecken, wie in seiner Partie zuvor mit dem Franzosen Richard Gasquet.

Da hatten die Zuschauer Murray ausgebuht, sie klatschten und johlten, wenn er einen Aufschlag ins Netz setzte. Murray schien die Atmosphäre auf dem Court Philippe Chatrier zu gefallen. 15.000 Fans waren gegen ihn. „Das war wahrscheinlich die feindlichste Stimmung, die ich je erlebt habe“, sagte Murray: „So viel Spaß hatte ich lange nicht mehr auf dem Platz.“

Er ist kein Diplomat, dieser Andy Murray aus Dunblane. Eher ein schottischer Sturkopf, sicher sympathisch, aber leicht reizbar. Anders als der stets freundliche Federer, der stille Nadal und der lustige Djokovic geht Murrays Temperament ab und an mit ihm durch, wird er provoziert, dann wehrt er sich. Vielleicht hat er auch deshalb als einziger der vier Großen noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen.

Mit dem heimischen Boulevard liegt er fast schon traditionell im Streit. Als er einmal nach seinem liebsten Major gefragt wurde, lautete seine Antwort: „Die US Open!“ Nicht Wimbledon! Ein Affront gegen die Heimat. In Paris trat Virginia Wade, letzte britische Grand-Slam-Siegerin, vor die Kamera und bezeichnete Murray als „Drama Queen“, weil er in seinem Erstrundenmatch gegen den Finnen Jarkko Nieminen vor Rückenschmerzen kaum laufen konnte.

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Das Spielchen wird weitergehen, vielleicht bis Murray die britische Durststrecke beendet und zum ersten Mal seit Fred Perry 1936 ein Grand-Slam-Turnier gewinnt. Die nächste Chance hat er dazu in Wimbledon.

Bei den Damen greift die Tennis-Queen Maria Scharapowa am Donnerstag nach dem Thron. Die Russin kann mit einem Sieg im Halbfinale von Roland Garros über Wimbledonsiegerin Petra Kvitova (Tschechien/Nr. 4) die Weißrussin Wiktoria Asarenka an der Spitze der Weltrangliste ablösen und zum ersten Mal in ihrer Karriere ins Endspiel von Paris einziehen.

Mit dem 6:2, 6:3-Erfolg über Kaia Kanepi (Estland/Nr. 23) im Viertelfinale ist die 25-Jährige auch ihrem Ziel näher gekommen, alle vier Grand-Slam-Turniere zu gewinnen. Nach Wimbledon 2004, den US Open 2006 und den Australian Open 2008 fehlt Scharapowa nur noch Roland Garros in ihrer Sammlung. Kvitova setzte sich gegen die Qualifikantin Jaroslawa Schwedowa (Kasachstan) 3:6, 6:2, 6:4 durch. Das zweite Halbfinale bestreiten Sam Stosur (Australien/Nr. 6) und Sara Errani (Italien/Nr. 21).

SID

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