Zickende "Suzie"

Vettel reist mit Sorgen nach Malaysia

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Sebastian Vettel.

Kuala Lumpur - Vor einem Jahr sorgte Sebastian Vettel mit seinem umstrittenen Überholmanöver gegen seinen Teamkollegen Mark Webber in Malaysia für Negativ-Schlagzeilen. Doch der Weltmeister hat noch ganz andere Sorgen im Gepäck.

Eigentlich kommt Sebastian Vettel sehr gerne nach Malaysia. Die Strecke liegt ihm, dreimal hat er hier schon gewonnen. Er mag die Millionen-Metropole Kuala Lumpur, auf deren Nachtmärkten der Weltmeister gerne auf Schnäppchenjagd geht. Doch diesmal hat der Heppenheimer die Erinnerung an die Stallorder-Affäre des vergangenen Jahres und die Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit seiner „Suzie“ im Gepäck - beides wiegt schwer.

Und auch die Tatsache, dass der Formel-1-Tross auf pikante Weise die verzweifelte Suche nach dem verschollenen Flug MH370 berührt, wird am Rennwochenende nicht zur Normalität beitragen.

Natürlich gibt Vettel trotzdem den Sonnyboy, mit „guter Laune“ reise er zum zweiten Rennen des Jahres nach einer kurzen Auszeit bei seiner kleinen Familie in der Schweiz. Das frühe Aus zum Auftakt in Australien sei kein Grund, „den Kopf hängen zu lassen. Zu einer Saison gehören Höhen und Tiefen“, sagte Vettel der Bild am Sonntag: „Als Mensch sollte ich darauf eingestellt sein, dass solche Sachen passieren können und nun einmal dazugehören.“

Was für ein Mensch Sebastian Vettel ist - oder sein kann - offenbarte sich vor Jahresfrist just auf dem Kurs in Sepang. Die Aggressivität, mit der er die Boxenanweisung „Multi 21“ (Auto Nr. 2 vor Auto Nr. 1, d. Red.), also die Aufforderung, seinem damaligen Teamkollegen Mark Webber den Sieg zu überlassen, ignorierte und den Australier nach einem harten Zweikampf überholte, erschreckte viele Formel-1-Fans. Das hatten sie ihm so nicht zugetraut. Entsprechend fielen die Reaktionen von Presse und Experten aus. Vom „Bürgerkrieg“ war die Rede, vom „Rowdy“ Vettel.

Die Menschen in Malaysia bewegen derzeit allerdings dringendere Angelegenheiten, die Suche nach der verschollenen Boeing 777 berührt die ganze Nation. Nun kommt der Formel-1-Tross, und mehrere Verwandte von Passagieren des Fluges MH370 müssen deshalb zusätzliche Belastungen ertragen. Für die anreisenden Fahrer und Teams haben 32 Angehörige von vermissten Reisenden ihre Zimmer in zwei Hotels nahe der Rennstrecke, wo die Verwandten auf Neuigkeiten zum Verbleib des seit über zwei Wochen vermissten Flugzeuges warteten, räumen müssen. „Die Zimmer sind schon lange vor dem Unglück reserviert gewesen“, sagte ein Hotelangestellter. Laut der malaysischen Fluggesellschaft sind die betroffenen Familien in andere Hotels gebracht worden.

Der Formel-1-Tross hat nach AFP-Angaben auch einen Umzug der Mitglieder des ebenfalls in den Hotels untergebrachten MH370-Krisenstabes notwendig gemacht. Minister und andere Angehörige der malaysischen Regierung mussten die Zentrale zur Koordinierung der Suche nach der verschollenen Boeing 777 in andere flughafennahe Räumlichkeiten verlegen. Für die bislang täglich in den Hotels stattfindenden Pressekonferenzen des Krisenstabes ist bis auf Weiteres auch kein Platz mehr.

Wenn sich die Formel 1 auf die sportlichen Themen konzentriert, rückt automatisch Red Bull in den Fokus. Das Weltmeister-Team, respektive Motorenlieferant Renault, steckt in der Krise. Die wird kaum das ganze Jahr andauern, aber derzeit frohlockt die Konkurrenz, vor allem, wenn sie einen Stern auf und Mercedes-Power unter der Haube hat. Nico Rosberg im Silberpfeil vor Kevin Magnussen und Jenson Button in ihren McLarens hieß das Resultat in Melbourne, nachdem zu allem Überfluss Webbers Nachfolger Daniel Ricciardo nach Platz zwei beim Heimspiel disqualifiziert worden war.

Doch Vettel hat längst das Fünkchen Hoffnung im Desaster „Down Under“ erblickt. Es sei „eine Überraschung“ gewesen, „zu sehen, dass das Auto schnell ist und wir vorn mitmischen können. Das gibt Hoffnung, und deshalb bin ich gut drauf“, sagte der viermalige Champion.

sid

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