Warnung an Jahrhundert-Talent Hirscher

Neureuther: Ich will noch besser werden

+
Felix Neureuther (vorne) freut sich bei der Siegerehrung über seine gewonnene Silbermedaille. Hinter ihm "das Jahrhundert-Talent" und Weltmeister Marcel Hirscher.

München/Schladming - Vizeweltmeister Felix Neureuther hat nach dem Gewinn seiner ersten Medaille Lunte gerochen: Nach einer Partynacht kündigte er an, sich weiter verbessern zu wollen.

Die Stimme von Felix Neureuther klang doch noch ziemlich nach Party, als er am Montagvormittag sein Auto packte. „Es war lustig“, sagte er, dann machte er sich auf den Weg. Am Wochenende ist wieder Weltcup, daheim in Garmisch-Partenkirchen, „ich hoffe, dass ich bis dahin schon zuhause bin“, hatte Neureuther ja gesagt. Der Wille war am Morgen nach dem schönsten zweiten Platz seiner Karriere und Silber im WM-Slalom jedenfalls zu erkennen. Bis zum Riesenslalom am Sonntag sollte er es geschafft haben.

Seine „dappige“ erste Einzel-Medaille bei einem Großereignis hatte Neureuther selbstverständlich noch gefeiert. Kurz vor acht Uhr abends versuchte er es noch mit Täuschen und Tarnen: „Ich bin müde, das dauert heute nicht so lange“, behauptete er im deutschen Haus in Haus. Er fand dann selbstverständlich doch noch den Weg in die Tenne direkt am Zielstadion in Schladming, dort traf er sich unter anderem mit Marcel Hirscher aus Österreich, seinem Bezwinger im dramatischen WM-Slalom. Wie gesagt: „Es war lustig.“

"Im Moment kann ich das akzeptieren"

Aber spätestens ab kommenden Sonntag ist wieder Schluss mit lustig. Denn der „neue“ Neureuther, der am Sonntag in Schladming endlich mal allen Erwartungen gerecht wurde, auch seinen eigenen, dieser „neue“ Neureuther zeigt sich auch jetzt - jetzt erst recht. Hirscher mag ein „Jahrhunderttalent sein“, wie Neureuther über den guten Freund sagt, aber kampflos hinnehmen wird er es nicht, dass der 23 Jahre alte Österreicher im Slalom das Maß aller Dinge ist. „Im Moment kann ich das akzeptieren“, sagte Neureuther.

Aber eben nur im Moment. „Beim nächsten Mal“, sagte Neureuther sehr ernsthaft, „möchte ich schon wieder vorne sein, mein Ziel ist es, noch besser zu werden.“ In einem Jahr wird bei den Olympischen Spielen in Sotschi um die Medaillen gefahren, darauf, teilte der 28 Jahre alte Partenkirchner mit, „freue ich mich sehr“. Und nein, das betonte er ausdrücklich, er werde sich nun nicht auf seinem Erfolg ausruhen: „Ich werde jetzt nicht den Fehler machen, einen Schritt zurückzugehen. Ich will es beim nächsten Mal besser machen.“

Hier freut sich der neue Vize-Weltmeister Felix Neureuther über Silber

Hier freut sich der neue Vize-Weltmeister Felix Neureuther über Silber

Das ist auch angebracht, fand Alpindirektor Wolfgang Maier. „Der Felix hat jetzt eine Silbermedaille eingefahren, aber am Wochenende in Garmisch, da stehen wieder 20.000 Leute da und erwarten, dass er wieder gut Ski fährt. Du bist wie ein Hamster im Rad, nächstes Jahr ist Sotschi, da spricht kein Mensch mehr von der WM in Schladming.“ Maier hat Neureuther über all die Jahre im Nacken gesessen, er hat ihn gereizt, getriezt. In Schladming hat das Neureuther doch etwas genervt, was aber nur heißen kann: Er hat begriffen.

"Höchsten Respekt und Anerkennung für den Felix"

Maier verneigte sich mehrfach verbal vor Neureuther, dem er am Freitag noch zwischen Lauf eins und Lauf zwei des Riesenslaloms die Meinung gegeigt hatte. Da war Neureuther im ersten Durchgang in alte Verhaltensmuster zurückgefallen, ein letztes Mal wohl, wie auch der fordernde und fördernde Alpindirektor feststellte. „Höchsten Respekt und Anerkennung für den Felix“, sagte er, emotional berührt. „Er hat gezeigt, dass er bei den wirklich Großen mitmischen kann.“ Doch er warnte auch: „Was das für die Zukunft bedeutet, kann keiner sagen.“

Erst mal hat sich Neureuther am Montag von Haus bei Schladming nach Garmisch neben Partenkirchen aufgemacht, wo er am Sonntag auf Hirscher, auf seinen Kumpel Ted Ligety und all die anderen treffen wird. „Egal, was kommt, ich kann alles jetzt genießen“, sagte er vor der Abreise. Und damit niemand glaubt, er lasse damit nun auch die Zügel schleifen, schob der „neue“ Neureuther hinterher: „Aber ich werde nicht aufhören zu kämpfen.“

SID

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare