Extremschwimmer beendet Kampf des Lebens

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Philippe Croizon (Archivfoto aus dem Jahr 2010) hat die Meere zwischen allen fünf Kontinenten durchschwommen

Little Diomede Island - Der schwerbehinderte Franzose Philippe Croizon hat die letzte Etappe seines beeindruckenden Vorhabens gemeistert. Ohne Arme und Beine durchschwamm er die Meere zwischen allen fünf Kontinenten.

Begeistert schieben ihn seine Kinder im Rollstuhl an den Strand. Ein paar Dehnübungen, danach trägt ihn sein Begleiter im Neopren-Anzug endlich ins eiskalte Wasser. Mit Taucherbrille, Schnorchel und speziellen Prothesen ist der arm- und beinamputierte Philippe Croizon dann endlich in seinem Element. Trotz des Handicaps hat der Franzose auch die letzte Etappe seines unglaublichen Plans beendet und die fünf Kontinente schwimmend verbunden.

„Das Wasser hatte eine Temperatur von vier Grad, dazu kamen die starken Strömungen - das war die härteste Schwimmstrecke meines Lebens“, sagte Croizon völlig erschöpft, aber glücklich. Wenn der 44-Jährige von einem „Ausflug“ in solchen Superlativen spricht, hat das etwas zu bedeuten. Denn der fast immer lachende Familienvater hatte in den vergangenen vier Monaten einige extreme Wasserschlachten geschlagen.

Die letzte begann und gewann Croizon am Samstag, als er mit seinem neun Jahre jüngeren Begleiter Arnaud Chassery von Amerika nach Asien schwamm. Von der zu den USA gehörenden Kleinen Diomedes-Insel führte ihn sein Weg zur 2,5 Kilometer entfernten russischen Ratmanow-Insel. „Geschafft“, sagte Croizon noch im Wasser der gefährlichen Beringstraße. Neben Temperaturen um den Gefrierpunkt und den wechselnden Strömungen konnten ihn auch Quallen und Haie nicht von seinem Ziel abbringen. „Meine Nachricht lautet: Alles ist möglich, wenn man den Willen hat, über sich hinauszuwachsen“, teilte Croizon mit.

Zuvor war er mehrmals über sich hinausgewachsen, war unter anderem von Spanien nach Marokko geschwommen. Die Straße von Gibraltar hatte aber nur eine kleinere Hürde dargestellt. Deutlich mehr Kraft hatte Croizon die zweite Etappe gekostet, als er bei sengender Sonne zwischen Ägypten und Jordanien das Rote Meer durchquert und sich selbst, aber auch der Welt erneut bewiesen hatte, „dass es keinen Unterschied zwischen behinderten und normalen Schwimmern gibt“.

Den 20 Kilometer langen „Prolog“, wenn man so will, hatte der Franzose zwischen Papua-Neuguinea und Indonesien zurückgelegt. Es war der Ursprung eines Vorhabens, das eigentlich mit einem schweren Schicksalsschlag bereits 1994 auf dem Dach seines Hauses begonnen hatte.

Croizon plante mit seiner schwangeren Frau und seinem ersten Sohn einen Umzug. Das Appartment war für die bald vierköpfige Familie zu klein geworden. Die Fernsehantenne auf dem Dach war teuer gewesen, deshalb wollte Croizon sie in die neue Heimat mitnehmen. Doch das Schicksal wollte es anders, er bekam auf der Metallleiter einen normalerweise tödlichen 20.000-Volt-Stromschlag. Der Franzose kämpfte um sein Leben, die Ärzte kämpften vergeblich um den Erhalt seiner Gliedmaßen.

Nach 100 Stunden Narkose und Operation wachte Croizon auf, war verzweifelt und stellte sich die entscheidende Frage: Aufgeben oder weiterleben? Mittlerweile hat er mit Hilfe eines Sprachcomputers sogar ein Buch geschrieben. Der Titel spricht Bände. „J'ai decide de vivre“- „Ich habe mich entschieden, zu leben“.

sid

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