Esther Vergeer beendet Karriere

Die Unbezwingbare tritt ab

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Esther Vergeer beendet ihre Karriere

Schiphol - Esther Vergeer war die alles überragende Rollstuhltennisspielerin ihrer Zeit, sie blieb zehn Jahre lang in insgesamt 470 Spielen ungeschlagen. Nun tritt die 31-jährige Niederländerin ab.

Man musste gar nicht so genau hinhören im September 2012, um es zu erahnen. „Vielleicht probiere ich demnächst mal etwas anderes aus. Vielleicht Radfahren, oder ich spiele wieder Basketball“, sagte Esther Vergeer nach den Paralympics in London. Fünf Monate später hat die weltbeste Rollstuhltennisspielerin genug von dem Sport, den sie seit einer Dekade nach Belieben beherrscht. „Ein besonderer Tag“, twitterte die Niederländerin am Dienstag: „Ich höre offiziell mit dem Tennis auf.“ Nach 470 Einzel-Spielen in Folge ohne Niederlage und ziemlich genau zehn Jahre nach dem Start ihrer unglaublichen Siegesserie.

Am Rande des ATP-Turniers in Rotterdam erklärte Vergeer ihren Rücktritt, zugleich stellte sie ihre Biografie „Stärke und Verwundbarkeit“ vor. Ihre Entscheidung begründete die 31-Jährige mit Motivationsproblemen. Angesichts ihrer Ausnahmestellung wenig verblüffend. Wo Vergeer auftrat, gewann Vergeer - dieses ungeschriebene Gesetz galt seit 2003. Seit 1999 ist sie die Nummer eins der Welt, bei den Paralympics 2012 gewann sie zum vierten Mal in Folge Einzelgold. Nur wenige Tage später ließ sie auch ihren dritten Titel im Doppel folgen.

„Manchmal kann ich es selber nicht glauben, dass ich in all diesen Jahren keinen Zusammenbruch hatte“, sagt Vergeer. „Ihr Wille und ihre Fähigkeiten sind verblüffend“, sagt der spanische Tennisstar Rafael Nadal. Letzmals verlor Vergeer am 30. Januar 2003. Damals unterlag sie der Australierin Daniele di Toro. Seither feierte sie 120 Turniersiege in Serie, fertigte ihre Gegnerinnen 95-mal mit 6:0, 6:0 ab und gab lediglich 18 Sätze ab.

Die Erinnerungen an die Pleite gegen di Toro beim Turnier in Sydney sind bei Vergeer aber trotz aller Erfolge noch taufrisch. „Sie war in dem Match einfach besser vorbereitet als ich. Sie lebte in Australien und kam daher mit dem Wind und der Sonne viel besser zurecht. Sie war an dem Tag einfach besser“, sagte Vergeer im vergangenen Oktober tennisnet.com.

Aus diesem Match zog die Ausnahmesportlerin, die seit einer missglückten Wirbelsäulenoperation vor 23 Jahren im Rollstuhl sitzt, ihre Lehren. Nie wieder wollte Vergeer schlecht vorbereitet in ein Match gehen. Diesem Vorsatz blieb sie zehn Jahre lang in beeindruckender Manier treu.

„Diese bemerkenswerte Leistung ist ein Beleg für all die harte Arbeit, die sie in ihre Karriere gesteckt hat. Sie ist eine bedeutende Botschafterin nicht nur für das Tennis, sondern auch für den Behindertensport. Sie ist eine Inspiration für viele Sportler“, sagte Francesco Ricci Bitti, der Präsident des Tennis-Weltverbandes ITF, über das Multitalent. Vergeer gibt nicht nur auf den Center Courts dieser Welt eine gute Figur ab. 1997 gewann sie mit der niederländischen Nationalmannschaft den EM-Titel im Rollstuhl-Basketball. Doch wegen ihres Talents mit dem Tennisschläger fuhr Vergeer nur kurz zweigleisig.

In ihrer Heimat erntete die 31-Jährige stets viel Beifall für ihre herausragenden Leistungen. „In den Niederlanden gilt Rollstuhl-Tennis als populäre und attraktive Sportart“, sagte Vergeer, die es im Laufe ihrer Karriere auf 169 Turniersiege brachte: „In den Niederlanden ist alles barrierefrei, und die Leute sind aufgeschlossen.“ Nun wird sich die Beste ihres Fachs anderen Projekten widmen, und vermutlich wird auch ihr Buch nicht in den Regalen liegen bleiben. „Wir wissen doch“, sagt Ricci Bitti, „dass alles, was sie anpackt, ein Erfolg werden wird.“

sid

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