Erfurt: Einstweilige Verfügung gegen WDR

Köln - Der Erfurter Arzt Andreas Franke hat in der Affäre um seine umstrittenen Behandlungsmethoden vor dem Landgericht Köln eine Einstweilige Verfügung gegen den Westdeutschen Rundfunk (WDR) erwirkt.

Dem Sender ist es ab sofort verboten, „in Bezug auf den Antragsteller zu behaupten, behaupten zu lassen, zu verbreiten oder verbreiten zu lassen, er habe 'verbotene Blutbehandlungen' durchgeführt, die bis 2005 zurückreichen und ... 28 Athleten betreffen.“

Der WDR bestätigte am Donnerstag dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Das Landgericht Köln hat uns per Einstweiliger Verfügung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke einen Satz in der Berichterstattung verboten.“ Man sei vom Gericht vorher nicht gehört worden und kenne die Begründung der Entscheidung nicht. Als Leiterin der WDR-Pressestelle erklärte Kristina Bausch: „Wir behalten uns nach entsprechender Prüfung der vom Antragsteller beim Gericht eingereichten, uns bislang aber nicht vorliegenden Unterlagen die Einlegung von Rechtsmitteln gegen diese vorläufige Eilentscheidung des Gerichts vor.“

In einem Beitrag von Hajo Seppelt in der ARD-Sportschau vom 20. Januar wurde berichtet, dass der Erfurter Mediziner Andreas Franke seit Jahren Sportlern Blut entnommen, es mit UV-Licht bestrahlt und dann den Athleten wieder zugeführt habe. Auf der Liste der Patienten sollen auch Eisschnellläuferin Claudia Pechstein und 800-m-Olympiasieger Nils Schumann stehen. Die Behörden in Erfurt ermitteln seit dem Frühjahr 2011 gegen Franke wegen des Verdachts, zu Dopingzwecken gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben.

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Nach dem aktuellen Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ist Athleten jede Eigenblutbehandlung verboten. Franke wehrt sich gegen alle Doping-Vorwürfe und argumentiert, die UV-Behandlungsmethode sei erst seit dem 1. Januar 2012 durch den WADA-Code verboten worden. Seine Behandlung, die von der Schulmedizin nicht anerkannt ist, diene der präventiven Infektbehandlung.

Claudia Pechstein, die sich „öffentlich denunziert“ fühlt durch den TV-Bericht, nennt die Einstweilige Verfügung „eine wichtige Entscheidung. Andreas Franke erklärte laut Ruhr-Nachrichten, er sehe sich darin bestätigt, dass sich die Behandlung mit UV-Strahlen „nicht als Dopingvergehen darstellen lässt“, erwarte aber, dass sich die WDR-Anwälte „nicht damit abfinden“ werden.

„Als völlig uninteressant“ für das anhängige Verfahren gegen Andreas Franke bezeichnete der Erfurter Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen die einstweilige Verfügung. Durch diese seien die Vorwürfe gegen den Mediziner nicht geprüft worden. Grünseisen erwartet das Ende der Ermittlungen in diesem Fall „eher nicht mehr im März.“

SID

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