DBB bewirbt sich in Allianz für Basketball-EM

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Dirk Nowitzki ist das Aushängeschild des DBB

Wilna - Deutschland bewirbt sich gemeinsam mit Frankreich, Italien und Kroatien um die EM 2015. DBB-Präsident Ingo Weiss ist guter Dinge, dass das ungewöhnliche Konzept den Zuschlag erhält.

Für den Superstar kommt das Turnier wohl zu spät, aber der Dirk-Nowitzki-Boom soll dem Deutschen Basketball Bund (DBB) bei der Bewerbung um die EM 2015 auf die Sprünge helfen. DBB-Präsident Ingo Weiss ist vom Erfolg überzeugt, obwohl die Fans wegen der Ausdehnung auf vier Länder und der Abkehr von der klassischen Turnierform den Kopf schütteln. „Es ist ein tolles Projekt, um Basketball im Herzen Europas zu etablieren“, sagte Weiss am Rande der EM in Litauen: „Es ist eine tolle Sache, dass man ein ganz neues Konzept hat.“

Ursprünglich hatte sich der DBB lediglich mit Frankreich auf eine gemeinsame Ausrichtung geeinigt, danach aber überraschend auch noch Italien und Kroatien dazugeholt. Dahinter steckt eine einfache Rechnung. Vier von 13 notwendigen Stimmen sind sicher, wenn es im Dezember zur Abstimmung über die Vergabe der Endrunde kommt. „Unsere Chance, diese EM von der FIBA zu bekommen, ist von 30 auf 70 Prozent gestiegen, seit wir Kroatien und Italien ins Boot geholt haben“, glaubt Weiss.

Der „Stimmenfang“ ist aber nicht der einzige Grund für die Idee, natürlich spielt auch Geld eine große Rolle. 37 Millionen Euro soll der Etat betragen, da hilft es, wenn die Kosten durch vier geteilt werden können. Dazu ergeben sich ganz andere Möglichkeiten bei der TV-Übertragung. „Ich habe vier Fernsehanstalten, die berichten wollen“, sagt Weiss.

Im Gegensatz zur EM in Litauen, wo die Vorrunde in kleinen Hallen stattfand, soll in vier Jahren von Beginn an in großen Arenen gespielt werden. Dass dann wie bei der laufenden Endrunde viele Plätze leer bleiben, glaubt Weiss nicht. „Die eigene Mannschaft ist der erste Magnet“, sagt der DBB-Präsident. In Berlin, Straßburg, Mailand und Zagreb wären die Gastgeber in ihren Gruppen gesetzt. „Das Konzept bietet volle Stadien. Damit wollen wir punkten“, so Weiss. Die Konkurrenten heißen Ukraine und Spanien.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Nowitzki-Booms kommt die EM 2015 eigentlich zu spät, hat allerdings sportlich einen höheren Wert als die kommende Auflage in Slowenien. In vier Jahren geht es um die Tickets für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

„Alle NBA-Stars werden kommen. Deshalb wollen wir die EM 2015 haben“, sagt Weiss. Dass sich die Chancen der deutschen Mannschaft als Gastgeber erhöhen würden, ist für den DBB-Boss ein zusätzliches Argument: „Unser großes Ziel wird sein, auch in Rio bei den Olympischen Spielen dabei zu sein.“

Bei allen Vorteilen der Idee gibt es aber auch Anlass zur Kritik. Weite Wege gilt es zurückzulegen, will man seinem Team im Turnier zu den Spielen folgen. Nach der Vorrunde soll die zweite Gruppenphase in Frankreich und Deutschland ausgetragen werden, die Finalrunde ginge in Paris über die Bühne. Den Fans stünde eine regelrechte Europareise bevor, falls die eigene Mannschaft weit kommt.

Weiss sieht das nicht als Problem, im heutigen Verkehrsnetz seien die Strecken in kürzester Zeit zu bewältigen. Ob die Fans bereit sind, diesen Aufwand auf sich zu nehmen, wird man im Falle einer erfolgreichen Bewerbung sehen. Dass der von Nowitzki ausgelöste Aufschwung bis zur EM wieder nachlässt, glaubt Weiss nicht: „Der Basketball-Boom wird anhalten. Dirk ist der Motor, aber wir lassen den Motor nicht ausgehen.“

Der Star der Dallas Mavericks wird 2015 voraussichtlich nicht mehr zur Verfügung stehen, ein Nachfolger ist derzeit noch nicht in Sicht. Weiss glaubt dennoch, dass in den kommenden Jahren auch andere Spieler ins Rampenlicht rücken werden: „Ich mache mir jetzt keine Sorgen, weil wir gute Spieler im Nachwuchsbereich haben. Ich würde mir wünschen, dass Deutschland 2015 zwei bis vier Stars im Aufgebot hat.“

SID

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