Eklat um Williams: Nun drohen Konsequenzen

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Serena Williams schimpfte wie ein Rohrspatz

New York - Sam Stosur war die strahlende Gewinnerin der US Open, doch im Rampenlicht stand einmal wieder Serena Williams . Wegen eines Ausrasters droht der früheren Weltranglistenersten eine Sperre.

Überraschungssiegerin Sam Stosur schrieb Geschichte, aber Wiederholungstäterin Serena Williams die Schlagzeilen: Der zweite Ausraster, den sich die exzentrische Amerikanerin binnen drei Jahren bei den US Open leistete, überschattete Stosurs großen Coup - und könnte für Williams nach dem 2:6, 3:6 im Finale weitreichende Folgen haben. Der ehemaligen Nummer eins droht im schlimmsten Fall sogar ein Ausschluss von den US Open 2012.

Derzeit wird über die Konsequenzen von Williams' Verbalattacken gegen die griechische Schiedsrichterin Eva Asderaki beraten. Anfang der Woche soll eine Entscheidung bekannt gegeben werden. Williams spielt noch auf Bewährung, nachdem sie vor zwei Jahren bei den US Open eine Linienrichterin übelst beschimpft hatte.

Eklat um Serena Williams: Die Bilder

"Rohrspatz" Serena Williams sorgt für Eklat bei US-Open-Finale

Dass Tugenden wie Selbstkritik im Williams-Universum keine Rolle spielen, bewies die viermalige Wimbledonsiegerin nach ihrem jüngsten Rüpel-Auftritt. „Das einzige, was ich bedaure, ist meine Niederlage“, sagte Williams und sah keinen Grund zur Reflektion: „Wir Profis trainieren und leben für solche Spiele. Da will man natürlich 2000 Prozent geben.“

Wie 2009 fühlte sich die 29-Jährige auch diesmal ungerecht behandelt. Weil sie im Finale bereits vor dem Ende eines Ballwechsels lautstark gejubelt hatte, wurde ihr der vermeintliche Punkt bei Breakball Stosur aberkannt. Die nach einer fast einjährigen Zwangspause erst im Juni auf die Tour zurückgekehrte Williams geriet dadurch im zweiten Satz mit 0:1 in Rückstand.

Danach attackierte die dreimalige Turniersiegerin Schiedsrichterin Asderaki ununterbrochen. Unter anderen sagte Williams in Richtung der Unparteiischen: „Du bist völlig neben der Spur. Und schau mich nicht so an.“ Regel Nummer 26 der Spielordnung des Weltverbandes (ITF) besagt, dass es im Ermessen des Referees liegt, ob er den Punkt bei einem verfrühten Aufschrei wiederholen lässt oder gleich einen Punktabzug verhängt. „Die Situation war nicht eindeutig“, urteilte John McEnroe.

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Bereits vor zwei Jahren hatte die 13-malige Grand-Slam-Siegerin Williams das Halbfinale gegen Kim Clijsters (Belgien) durch einen Strafpunkt beim Matchball verloren. Zuvor hatte sie eine Linienrichterin beschimpft, weil diese einen Fußfehler beim zweiten Aufschlag gesehen haben wollte. Sollte der Chef des Grand-Slam-Komitees den Zwischenfall vom Sonntag als „grobe Verletzung der Regularien“ einstufen, könnte die auf Bewährung spielende Williams von den US Open 2012 ausgeschlossen werden.

Der erste Grand-Slam-Triumph der an Position neun gesetzten Stosur geriet ob der unschönen Nebengeräusche etwas in den Hintergrund. Bezeichnend, dass die French-Open-Finalistin von 2010 und einst weltbeste Doppelspielerin fast mehr Fragen zum Williams-Eklat als zu ihrem Triumph beantworten musste. „Es gibt Regeln. Und für diese sicher auch Gründe“, sagte Stosur, die mit ihrer Kappe, der Sonnenbrille und den muskulösen Oberarmen problemlos als Beachvolleyballerin durchgehen könnte.

Zumindest in der Heimat wussten sie den „wahr gewordenen Kindheitstraum“ (Stosur) zu schätzen. „A Grand-S(l)am-Victory“, schrieb die Tageszeitung Melbourne Age. Und Stosurs Landsmann und Ex-Profi Scott Draper sah sich bestätigt in seiner Einschätzung, dass für die Vorzeigeathletin von der Gold Coast „nur der Himmel die Grenze“ sei.

Dabei stand die Karriere von Stosur vor vier Jahren kurz vor dem Ende. Wegen der Folgen eines Zeckenbisses musste sie sechs Monate pausieren, kehrte aber stärker als je zuvor zurück. Vor allen Dingen mit ihrem Kick-Aufschlag und der Topspin-Vorhand verschaffte sich die introvertierte Spielerin Respekt. „Sam schlägt fast so hart wie ein Mann“, meinte Deutschlands Spitzenspielerin Andrea Petkovic.

Und Stosur überlässt nichts dem Zufall. Um ihr inneres Gleichgewicht zu wahren, setzt sie auf Schweißbänder mit der Aufschrift „Attitude“ (Haltung) und „Composure“ (Selbstbeherrschung). Übrigens alles Tugenden, von denen Serena Williams nicht viel zu halten scheint.

dapd

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