250.000 Euro für Familienmitglieder

Karabatic-Klub unter Manipulationsverdacht

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Nikola Karabatic und seine Teamkameraden stehen unter Manipulationsverdacht.

Paris - Das geht ja gut los: Einen Tag vor Beginn der neuen Champions League-Saison ist Frankreichs Handball-Meister Montpellier unter Manipulationsverdacht geraten.

Dem französischen Handball droht nach dem Olympia-Sieg 2012 ein Rieseneklat: Landesmeister Montpellier AHB, am Donnerstag Auftaktgegner der SG Flensburg-Handewitt in der Champions League, steht unter Manipulationsverdacht. Das Team des früheren Kieler Stars Nikola Karabatic und weiterer Olympiasieger wird verdächtigt, ein Spiel absichtlich verloren zu haben, um Verwandten der Spieler hohe Wettgewinne von bis zu 250 000 Euro zu ermöglichen. Gegen acht MAHB-Profis sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, berichteten der Sender „France 3 Languedoc-Roussillon“ und andere Medien am Mittwoch unter Berufung auf Justizkreise.

Den betroffenen Spielern drohe wegen Sportkorruption und Betrug ein Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren und drastische Geldstrafen, berichtete die Zeitung „Le Figaro“. Montpelliers Clubpräsident Rémy Lévy räumte bereits ein, er sei in Zusammenhang mit der Affäre von der Polizei angehört worden. „Ja, sicherlich. Auch neulich (der Trainer) Patrice Canayer. Ich will aber das Ermittlungsgeheimnis wahren“, wurde Lévy am Mittwoch von der Onlineausgabe der Zeitung „Midi Libre“ zitiert. Er werde um die Clubehre kämpfen. Für die Spieler müsse der Grundsatz der Unschuldsvermutung gelten.

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Nikola Karabatic, Frankreichs Sportler des Jahres 2011, hüllte sich zunächst in Schweigen. Er sei nicht auf dem Laufenden gewesen und ob der Nachrichten überrascht, ließ er über seinen Manager ausrichten. Noch sei kein Spieler angehört worden. Die Montpellier-Profis sind zur Zeit in Norddeutschland, um sich auf das Duell in Flensburg vorzubereiten. Sie sollen nach ihrer Rückkehr von der französischen Kriminalpolizei angehört werden, schrieben Medien. Drei der vier MAHB-Olympiasieger seien in den Skandal verwickelt, hieß es. Neben Karabatic standen vergangene Saison auch die späteren Olympiasieger William Accambray, Michaël Guigou und Samuel Honrubia unter Vertrag.

Bei der Affäre geht es um die sensationelle 28:31-Niederlage des französischen Rekordmeisters und Champions-League-Siegers von 2003 am 12. Mai beim abstiegsgefährdeten Cesson-Rennes HB. Montpellier stand damals schon als Meister fest, die späteren Olympiasieger Karabatic und Honrubia waren wegen Verletzung nicht dabei. Cesson-Präsident Philippe Barberet versicherte am Mittwoch, beim Spiel sei seiner Meinung alles mit rechten Dingen zugegangen: „Ich verstehe das nicht (...) niemand hat während des Spiels etwas Komisches gesehen“.

Der Wettanbieter Française des Jeux (FDJ) sah es anders. FDJ registrierte „ungewöhnlich hohe Wetteinsätze“ auf das Spiel in Cesson und meldete diese den zuständigen Behörden. Während der Halbzeitpause seien besonders viele und hohe Einsätze auf eine Niederlage von MAHB getätigt worden. Laut „France 3“ hat die Polizei herausgefunden, dass viele Wetten damals von Ehefrauen, Freundinnen und andere Verwandten der Spieler sowie von dem MAHB nahestehenden Personen getätigt worden seien. Gilles Soulié, Chef der Kriminalpolizei in Montpellier, wollte diese Berichte auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. „MAHB stehen schwere Zeiten bevor“, fürchtet das Sportblatt „L'Équipe“.

dpa

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