WM-Rückschlag für Deutschland

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Florian Ondruschka

Stockholm - Deutschlands Eishockey-Nationalmannschaft hat bei ihrer Mission WM-Viertelfinale einen herben Dämpfer kassiert. Nun muss vermutlich eine Überraschung her.

Das Team von Bundestrainer Jakob Kölliker unterlag Lettland am Sonntag 2:3 (0:1, 2:1, 0:1) und verpasste den Sprung an die Tabellenspitze in ihrer Vorrundengruppe. Durch den Punktverlust müssen die deutschen Cracks nun vermutlich eine Top-Nation schlagen, um aus eigener Kraft noch unter die besten Vier und damit ins Viertelfinale zu kommen. Nach einer schwachen Anfangsphase, haarsträubenden Abwehrfehlern und einem 0:2-Rückstand waren auch die Tore von John Tripp (25. Minute) und Kai Hospelt (33.) und eine starke kämpferische Leistung zu wenig.

Miks Indrasis (12.) und Mikelis Redlihs (24.) hatten die Letten vor 4162 Zuschauern in Stockholm verdient in Führung geschossen. Tripps glücklicher Anschlusstreffer schien im zweiten Abschnitt die Wende einzuleiten, aber im Schlussdrittel folgte die Enttäuschung durch Aleksejs Sirokovs (53.). In den nächsten Matches am Dienstag gegen Rekordweltmeister Russland und einen Tag später gegen Gastgeber Schweden steht Deutschland schon unter Druck.

“Wir wurden am Anfang überrascht, das muss ich zugeben“, sagte Abwehr-Routinier Christoph Schubert. “Wir sind nicht so reingekommen. Das Turnier besteht aber Gott sei Dank aus mindestens sieben Spielen. Noch ist nichts verloren!“ Stürmer Sebastian Furchner fand: “40 Minuten gut zu spielen reicht auf diesem Niveau nicht.“

Dass Lettland ein deutlich härterer Prüfstein sein würde als Auftaktgegner Italien, war allen deutschen Cracks und auch Coach Kölliker klar. Vor der “russischen Schule“ hatte der Trainer seine Schützlinge besonders gewarnt - und sollte mit seiner Prognose recht behalten. Mit aggressivem Pressing und pfeilschnellen Angriffen brachte der Weltranglistenzwölfte die deutsche Auswahl von Beginn an in Verlegenheit. Phasenweise konnte sich die Kölliker-Mannschaft im ersten Drittel minutenlang nicht aus der eigenen Hälfte befreien.

Torhüter Dennis Endras, der beim 3:0 im ersten WM-Spiel noch einen Shutout gefeiert hatte, bekam kaum Zeit zum Verschnaufen. Schon nach 55 Sekunden musste der Schlussmann gegen Sirokovs klären, in der 4. Minute war Endras gegen Martins Cipulis zur Stelle. Das 0:1 fiel bezeichnenderweise im Anschluss an einen Scheibenverlust der Deutschen. Nach einem Fernschuss konnten Endras und seine Vorderleute den Puck nicht kontrollieren und Indrasis staubte zum 1:0 ab. Kurz vor der Drittelpause hatte Deutschland riesiges Glück, als Sirokovs den Puck vor dem komplett leeren Tor vertändelte.

Im Angriff war zunächst kaum eine Linie zu erkennen. Die einzige Großchance im ersten Drittel vergab Sinan Akdag, der am früheren DEL-Keeper Edgars Masalskis scheiterte (16.). Der Verteidiger war nur wenige Stunden vor Spielbeginn offiziell gemeldet worden, weil der DEB nicht mehr mit kurzfristiger Verstärkung aus Nordamerika rechnet. Akdag ist der erste türkischstämmige deutsche Profi bei einer WM.

Im zweiten Spielabschnitt schien sich das Bild nicht zu ändern, vor allem nach dem zweiten Gegentreffer durch Redlihs, bei dem Endras mit einer Parade in die Mitte nicht die allerbeste Figur machte.

Dann aber hatten die Deutschen Glück: Nach einem Bully kam der Puck vor dem Tor zu Tripp, der sich drehte und die Hartgummischeibe über die Linie schob. Deutschland fand im Angriff öfter den Weg zum Tor und dank einer sehenswerten Kombination zum Ausgleich. Nachdem Patrick Reimer am Pfosten gescheitert war, machte es Hospelt besser.

Deutschland kämpfte, wurde aber durch drei unnötige Strafzeiten im Schlussdrittel um den Erfolg gebracht. Als Florian Ondruschka wegen Spielverzögerung draußen saß, fiel der dritte Gegentreffer.

dpa

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