"Lasse mich nicht unter Druck setzen"

DEB-Präsident Harnos weist Kritik erneut zurück

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Uwe Harnos

München - DEB-Präsident Harnos kann sich nicht sicher sein, im kommenden Sommer wiedergewählt zu werden. Vielleicht lässt der umstrittene Funktionär eine erneute Kandidatur deswegen noch offen.

Uwe Harnos spielt auf Zeit. Noch hat sich der umstrittene Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nicht entschieden, ob er im Sommer 2014 bei den nächsten Vorstandswahlen wieder antritt. "Die Mitgliederversammlung ist Mitte Juli. Bis dahin ist noch viel Zeit", sagte Harnos im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Fast hat es den Anschein, als taktiere der Jurist, der sich derzeit einer Mehrheit alles andere als sicher sein kann. "Ich werde mich da nicht unter Druck setzen und auch nicht unter Druck setzen lassen", sagte Harnos zum möglichen Zeitpunkt einer Entscheidung.

Stimmberechtigt am 17. Juli sind zu je 50 Prozent Landesverbände und Clubs. In den Verbands-Präsidien genießt Harnos Rückhalt. Bei den Clubs aber, so ist zu hören, sei dieser "gleich null". Besonders heftig fiel im Sommer eine Äußerung des Anwalts der Zweitliga-Clubs aus, die monatelang mit dem DEB stritten, einen eigenständigen Erstliga-Unterbau gründen zu können. "Man muss klar festhalten, dass man sich die Gespräche mit Herrn Harnos eigentlich schenken kann, denn auf das Wort von Herrn Harnos ist nicht allzu viel zu geben", sagte Club-Anwalt Jürgen Schulz damals im Fachblatt "Eishockey News".

Auch im Verband selbst wird Harnos kritisch beäugt. Immer wieder sorgten Auftreten und Entscheidungen des Präsidenten für Verwirrung. Beim Deutschland Cup 2011 stellte Harnos die Zukunft des gerade erst angetretenen Bundestrainers Jakob Kölliker über die folgende WM hinaus schon vor dem letzten Turnierspiel wieder infrage.

Nach der enttäuschenden WM 2012 folgte dann tatsächlich die Trennung von Kölliker. Deutschland musste trotz zuvor glänzender Perspektive in ein Qualifikationsturnier zu Olympia 2014. Unter dem aktuellen Bundestrainer Pat Cortina wurde im Februar dann erstmals die Olympia-Teilnahme verpasst. Das wurde vor allem Harnos und dessen Personalpolitik angelastet. "Ich kenne keinen Verbandspräsidenten, der so in der Kritik steht. 2010 hat man eine sensationelle Heim-WM gespielt, 2011 in Bratislava war man auch erfolgreich. Seitdem geht es nur bergab. Da sollte man sich als Präsident schon einmal fragen, welche Verantwortung man trägt", hatte etwa Alois Schloder gewettert.

Harnos' Rücktritt blieb indes aus. "Hätten wir bei der WM 2012 unter Jakob Kölliker besser abgeschnitten, hätten wir auch kein Olympia-Qualifikationsturnier spielen müssen. Da gehört schon mehr dazu als Einzel-Entscheidungen. Sich einen Schuldigen zu suchen, ist einfach", rechtfertigte sich Harnos nun.

Auch der frühere Bundestrainer Hans Zach gilt nicht gerade als Harnos-Freund. Nach dem Kölliker-Aus 2012 sollte Zach die Nationalmannschaft erneut übernehmen. Der Tölzer war bereit, seinen Hut wieder zu nehmen, sollte die Olympia-Qualifikation scheitern. DEL-Vertreter rieten Harnos, dies zu versuchen und den zuvor entmachteten Franz Reindl wieder zum Sportdirektor zu machen.

Harnos lehnte ab. Zach wiederum sprang ab, als ihm auch das Amt des Sportdirektors aufgetragen wurde. Stattdessen bekam Cortina beide Ämter. Obwohl der Italo-Kanadier damals auch noch den EHC München in der DEL coachte. 2011 hatte der als Bundestrainer erfolgreiche Krupp nicht beim DEB bleiben dürfen, weil er die Kölner Haie in der DEL übernahm. "Die Entscheidung, dass Uwe Krupp nicht gleichzeitig Sportdirektor und Trainer in Köln und weiter Bundestrainer sein kann, hat ja nicht Uwe Harnos alleine entschieden", meinte Harnos.

Interessant dürfte sein, wie das DEB und DEL bewerten. Die Empfehlung, bei Krupp eine Ausnahme zu machen, hatte Harnos seinerzeit zurückgewiesen. "Die größte Fehlentscheidung überhaupt", sagen beim DEB mittlerweile einige hinter vorgehaltener Hand.

dpa

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