Nach Schädel-Hirn-Trauma

Ustorf spielt nie mehr Eishockey

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Stefan Ustorf kehrt nicht mehr aufs Eis zurück.

Berlin - Eishockey-Profi Stefan Ustorf hat seine Karriere beendet. Bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung kämpft der langjährige Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft mit den Tränen.

Am Ende kämpfte Stefan Ustorf mit den Tränen. Als der langjährige Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft 15 Monate nach einer schweren Gehirnerschütterung seinen Rücktritt erklärte, überwältigten ihn die Gefühle. „Ich möchte mich bei meiner Familie bedanken“, sagte der 39-Jährige, und die Stimme stockte.

Die Wangen eingefallen, das Gesicht fahl, der Körper abgemagert - die Folgen jenes verhängnisvollen Checks Anfang Dezember 2011 waren nicht zu übersehen, als Ustorf am Donnerstag in Berlin einen Schlussstrich unter 21 Jahre Profi-Eishockey zog. „Eine Rückkehr ins Eishockey ist für mich nicht mehr möglich“, sagte er, „deshalb muss ich nach über 1200 Spielen meine Karriere beenden.“

Ein Schädel-Hirn-Trauma hatte der 128-malige Nationalspieler vor 15 Monaten erlitten. Seitdem kämpfte der Stürmer der Eisbären Berlin um seine Gesundheit und den Weg zurück aufs Eis - vergeblich. „Die Ärzte waren früh der Meinung, dass an Profisport nicht mehr zu denken ist“, sagte er: „Ich hatte anfangs gehofft, dass ich nach sechs Monaten Pause wieder aufs Eis zurückkehren könnte. Aber alle Therapien haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Es hat eine ganze Zeit gedauert, dies zu akzeptieren und mich mit der Krankheit auseinanderzusetzen.“

Bei den Untersuchungen war auch eine ältere Narbe in der linken Gehirnhälfte, in der sich das Sprachzentrum befindet, gefunden worden. Unter anderem wurden Aufmerksamkeitsstörungen festgestellt. Ustorf plagen noch immer Kopfschmerzen. „Ich kann höchstens vier, fünf Stunden schlafen“, berichtete er, „ich kann kein Fernsehen gucken, kein Buch lesen, ohne dass sofort wieder die Kopfschmerzen anfangen. Meistens sitze ich auf der Couch und kann nichts tun.“

Zwölf Kilogramm Gewicht hat der gebürtige Kaufbeurer verloren, er muss eine Brille tragen, weil er nicht mehr richtig lesen kann. Und all die Verletzungen, die er im Laufe seiner Karriere erlitt, melden sich nun zurück. In der Schulter wurde Arthrose festgestellt, sie muss operiert, möglicherweise sogar ein neues Gelenk eingesetzt werden. Auch der Kiefer muss gerichtet werden, weil er sich einst in einen Schuss geworfen und mehrere Zähne verloren hatte.

Dennoch würde er heute alles wieder genauso machen wie damals. „Ich würde jedes Spiel genauso spielen, wie ich es gespielt habe“, sagte er. Mit 17 Jahren hatte er bereits für seinen Heimatklub ESV Kaufbeuren in der Bundesliga debütiert, ehe er 1994 nach Nordamerika wechselte. Bei den Washington Capitals brachte er es auf 59 NHL-Einsätze. 2001 kehrte er nach Deutschland zurück, ab 2004 spielte er für die Eisbären, mit denen er sechsmal deutscher Meister wurde. 2008 trat er nach 128 Länderspielen aus der Nationalmannschaft zurück, für die er vier Olympische Spiele und sechs Weltmeisterschaften bestritten hatte.

Ins Eishockey will er trotz allem zurückkehren. „Es wird eineinhalb bis zwei Jahre dauern“, sagte er, „aber wenn wieder ein normales Leben möglich ist, will ich zurück in den Sport. Eishockey ist mein Leben.“ Die Eisbären seien sein erster Ansprechpartner, „ich komme gerne nach Berlin zurück“. Mit Ehefrau Jodi und den Kindern Jake und Kylie lebt Ustorf in den USA.

sid

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