Eishockey

Kritik an Doppeljob von Bundestrainer Cortina

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Bundestrainer Pat Cortina.

Helsinki - Kurz vor dem WM-Start hat Präsident Uwe Harnos den künftigen Doppeljob von Pat Cortina als Nationalmannschaftscoach und Sportchef des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) infrage gestellt.

Das erste WM-Spiel hatte noch nicht begonnen, da stellte der Präsident seinen Bundestrainer schon infrage. Ob Pat Cortina künftig wie vereinbart Coach der Nationalmannschaft und gleichzeitig Sportchef des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) sein könne, will Verbandschef Uwe Harnos noch einmal prüfen. „Möglicherweise muss man diese Doppelfunktion Sportdirektor und Bundestrainer hinterfragen“, sagte Harnos vor dem Auftaktmatch gegen Finnland der Süddeutschen Zeitung: „Ein Sportdirektor muss langfristig arbeiten, Konzepte entwickeln. Ein Bundestrainer ist erfolgsabhängig, um nicht in die Kritik zu geraten. Darüber muss man nachdenken.“

Cortina hatte erst im September die Nachfolge des erfolglosen Jakob Kölliker als Bundestrainer angetreten und einen Vertrag bis 2015 unterschrieben. Nachdem sein gleichzeitiges Engagement beim DEL-Klub EHC München ausgelaufen ist, soll er nach der WM auch die Funktion des Sportdirektors übernehmen. Dieses Amt war seit der Entmachtung von Franz Reindl vor zwei Jahren vakant.

Doch nach dem Scheitern in der Olympia-Qualifikation im Februar ist der Druck auf den Italo-Kanadier größer geworden. „Wenn wir keine gute WM spielen, wird es Kritik geben. Aber es geht nicht um mich, sondern um das deutsche Eishockey“, sagte Cortina im SID-Interview. Sollte er nach der Weltmeisterschaft nicht weitermachen dürfen, wäre er „sicherlich enttäuscht. Von September bis Mai ist keine lange Zeit.“

Harnos, der dem 48-Jährigen vor dem WM-Start keine Rückendeckung geben wollte („Wir konzentrieren uns auf die WM, mit allen anderen Dingen beschäftigen wir uns jetzt nicht“), erhöhte selbst noch einmal den Druck. „Wir wollen jemanden, der sich das zutraut, mit allen Konsequenzen. Dieses Risiko hat Cortina bewusst gewählt. Dem Ergebnisdruck kann sich ohnehin keiner entziehen“, sagte der DEB-Präsident.

Gleichzeitig betonte er, Cortina sei „keine Sparlösung, das Gesamtkonzept war am überzeugendsten“. Der Italo-Kanadier, der bislang bei drei A-Weltmeisterschaften mit Italien und Ungarn zweimal abgestiegen ist, war unter anderem dem schwedischen Weltmeister und Olympiasieger Bengt-Ake Gustafsson und dem ehemaligen Bundestrainer Hans Zach vorgezogen worden.

Ein gutes Zeugnis stellte indes NHL-Star Christian Ehrhoff dem neuen Chefcoach aus. „Er macht gute Arbeit“, sagte der Kapitän des WM-Teams, „er setzt auf eine starke Defensive.“ Die Entscheidungsprozesse rund um die Nationalmannschaft verfolgt der 30-Jährige allerdings mit Kopfschütteln. Mit Blick auf die Gremien „Kompetenzteam“ und „Direktorat“, die für die Belange der DEB-Auswahl zuständig sind, meinte Ehrhoff: „Bei so vielen Personen weiß man gar nicht mehr, wer was zu sagen hat. Ich hoffe, das ist nur eine Übergangslösung.“

Ohnehin hält der Verteidiger der Buffalo Sabres den erzwungenen Abschied von Uwe Krupp 2011 für den entscheidenden Fehler. „Das alles hat mit dem Wechsel von Uwe zu tun“, sagte er im SID-Interview über den sportlichen Absturz der vergangenen zwei Jahre. Mit Krupp als Bundestrainer zog die Nationalmannschaft 2010 sensationell ins WM-Halbfinale ein und besiegte ein Jahr später erstmals bei einer Weltmeisterschaft den Rekordchampion Russland. Die Olympia-Qualifikation war so gut wie sicher.

Als Krupp zu den Kölner Haien wechselte, wurde ihm eine weitere Tätigkeit als Bundestrainer verweigert. Mit seinem Nachfolger Kölliker verspielte die DEB-Auswahl bei der WM 2012 das direkte Sotschi-Ticket. Mit Cortina, dem die Doppelfunktion gestattet wurde, scheiterte sie auch beim Qualifikationsturnier in Bietigheim-Bissingen.

sid

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