Dunkle Wolken über Strahlefrau Neuner

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Magdalena Neuner (Archivfoto) wirkt auch in Ruhpolding nachdenklich

Ruhpolding - Tief und dunkel hingen die Wolken am Tag nach Magdalena Neuners Debakel im Einzel über der Chiemgau Arena, und auch auf das sonst so sonnige Gemüt der 25-Jährigen hatte sich ein kleiner Schatten gelegt.

Nachdem der Traum vom fehlenden Einzel-Gold geplatzt war, flüchtete sich Neuner zuerst in Plattitüden. Dann wurde der Ton ein bisschen schärfer, auch leise Kritik an den Trainern kam auf. Als Konsequenz verschwand das Gewehr am freien Tag im Schrank, kurzerhand legte Neuner „einen Urlaubstag in Ruhpolding“ ein.

„Das ist meine Lieblingsfrage: Woran hat es gelegen?“, erwiderte Neuner in die Runde und stellte klar: „Ich werde mich nicht von der Brücke stürzen.“ In ihrem Gesicht war aber deutlich die große Enttäuschung über die wohl schlechteste Leistung auf ihrer Abschiedstournee im Biathlon-Zirkus abzulesen.

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

Es war eine schwierige Situation für Neuner. Sie selbst hatte vom ersten Einzel-Gold ihrer Karriere gesprochen, sie selbst hatte als Ziel sechs Medaillen bei der Heim-WM ausgegeben. Gemessen an ihren eigenen, zugegebenermaßen sehr hohen Ansprüchen ist die Wallgauerin zum ersten Mal in den Tagen der Neuner-Festspiele in Oberbayern gescheitert. Selbst Exoten wie Fuyuko Suzuki aus Japan oder Kadri Lehtla aus Estland hatten der Biathlon-Königin im Einzel den Rang abgelaufen.

Weil sich das gesamte Team inklusive Neuner, der siebenmaligen Weltmeisterin Andrea Henkel sowie den Staffelweltmeisterinnen Tina Bachmann und Miriam Gössner zusammen 22 Fehlschüsse bei 80 Versuchen leistete, begann die Analyse schon an der Strecke. „Die Trainer haben einen nervösen Eindruck gemacht, das überträgt sich auch auf die Sportler“, sagte Neuner, stellte aber auch klar: „Es ist auch nicht einfach, hier die Ruhe zu bewahren.“

Weil die Windverhältnisse sich nach dem Anschießen stark verändert hatten, forderten die Trainer um Gerald Hönig und Ricco Groß ihre Schützlinge auf, entsprechend zu reagieren. Die Reaktion von Neuner und Co. blieb aus, das Rennen war nach dem ersten Schießen mit zahlreichen Fehlschüssen praktisch bereits gelaufen. „Vielleicht haben wir ein bisschen viel Hektik reingebracht“, sagte der viermalige Olympiasieger Groß. Allerdings seien die Bedingungen „zwar schwer, aber beherrschbar“ gewesen.

Zeit für eine ausführliche Analyse bleibt den deutschen Frauen genug. Erst am Samstag muss die Staffel mit Neuner („Da haben wir etwas gutzumachen“) an der Spitze wieder ran, um den Titel von 2011 erfolgreich zu verteidigen. „Dann sollte uns so was nicht mehr passieren“, sagt Gerald Hönig.

sid

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