Hörmann-Nachfolge

DSV: Suche nach "Profi aus eigenen Reihen"

+
DSV-Präsident Alfons Hörmann

München/Wiesbaden - Für DSV-Präsident Alfons Hörmann wäre der frühere Skirennläufer Christian Neureuter bei der Suche nach einem Nachfolger für das Spitzenamt im Deutschen Skiverband (DSV) eine mögliche Wahl.

Die Suche nach einem neuen Präsidenten im Deutschen Skiverband nimmt an Fahrt auf. Christian Neureuther signalisierte seine Bereitschaft, Alfons Hörmann nachzufolgen. Der Ex-Skirennfahrer kennt den DSV seit Jahrzehnten. Betriebsfremde Kandidaten haben schlechte Karten.

„Wir suchen einen Profi aus den eigenen Reihen und er gehört dem Aufsichtsrat an“, sagte Hörmann am Freitag, einen Tag vor der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Wiesbaden. Der designierte DOSB-Präsident wird nach seiner als sicher geltenden Wahl am Samstag sein Amt als DSV-Chef auf dem Verbandstag am 29. Dezember in Oberstdorf aufgeben.

Bereits in der nächsten Woche soll eine Vorentscheidung bei der Sichtung eines geeigneten DSV-Präsidentschaftskandidaten fallen. „Auf der DSV-Präsidiumssitzung am 11./12. Dezember werden wir intensiv über die Nachfolgefrage diskutieren“, erklärte Hörmann.

Auch DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach betonte, dass ein Quereinsteiger als Präsident nicht in Frage komme, sondern nur ein Mann, „der die Strukturen und Abläufe im deutschen Sport kennt“, sagte er während des Biathlon-Weltcups in Hochfilzen (Österreich).

Neureuther hatte als erster sein Interesse an einer Nachfolge von Hörmann öffentlich bekundet. „Natürlich bin ich nicht ein typischer Verbandspräsident, weiß aber, wie der Skiverband tickt, was er braucht. Ich habe intern meinen Hut in den Ring geworfen“, sagte der 64-Jährige in einem Interview des „Münchner Merkur“ (Freitags-Ausgabe). Derzeit ist Neureuther Mitglied im fünfköpfigen Aufsichtsrat der DSV Marketing GmbH.

Neben Neureuther gebe es einige weitere Kandidaten aus den Reihen des DSV-Präsidiums, erklärte Schwarzbach. Namen wurden aber nicht genannt. DSV-Vizepräsident Peter Schlickenrieder hatte bereits signalisiert, nicht zur Verfügung zu stehen.

Als wichtigste Aufgabe bei einer möglichen Wahl zum Präsidenten bezeichnete Neureuther, Olympia-Fünfter von 1980, die Förderung des Leistungssports. Speziell Nachwuchsförderprogramme lägen ihm am Herzen. „Wir dürfen den Ursprung mit Schulen, Vereinen, Kindern, Eltern nicht verlassen, sonst wandern alle zum Fußball ab“, warnte der Garmisch-Partenkirchner. Der Vater von Slalom-Vizeweltmeister Felix Neureuther und Ehemann von Olympiasiegerin Rosi Mittermaier plädierte dafür, ehemalige Leistungssportler in die Nachwuchsarbeit zu integrieren.

Der DSV müsse zudem aufpassen, weiter genug finanzielle Unterstützung zu bekommen. „Wenn große Firmen erkennen, dass Deutschland in absehbarer Zeit keine Olympischen Spiele mehr bekommen wird, besteht die Gefahr, dass sie sich gar nicht mehr engagieren wollen“, mahnte Neureuther. Auch die Politik müsse erkennen, „welchen Stellenwert Sport in der Gesellschaft habe“.

dpa

Hörmanns leichter Weg in ein schweres Amt

Seine Wahl ist so gut wie sicher, doch dann beginnen für Alfons Hörmann die Probleme. Der einzige Kandidat für das Präsidenten-Amt im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hat schon vor der Mitgliederversammlung des Dachverbandes am Samstag in Wiesbaden einen Vorgeschmack darauf bekommen, was ihn als höchsten deutschen Sportfunktionär erwartet. Erst sorgte das Kartellverfahren für Schlagzeilen, bei dem ihm weiterhin ein hohes Bußgeld droht, dann erntete er heftige Kritik für Aussagen zum Anti-Doping-Kampf. Nun steht der 53-Jährige vor einer Mammutaufgabe - ebenso wie der ganze DOSB.

Auch das erhoffte Nikolaus-Geschenk gab es für Hörmann am Freitag nicht: Das Kartellverfahren gegen den designierten DOSB-Boss wird definitiv nicht bis zur Wahl beendet sein. „Die Prüfung dauert an, wahrscheinlich noch bis übernächste Woche“, sagte der Düsseldorfer Oberstaatsanwalt Holger Schönwitz am Freitag auf SID-Anfrage. Erst dann wird klar sein, ob gegen Hörmann ein Hauptverfahren wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf eröffnet wird.

Er selbst macht klar, er sei zu seiner Zeit bei der Creaton AG - gegen diese wurde ein Bußgeld von 66 Millionen Euro verhängt - an keiner Preisabsprache beteiligt gewesen, und verweist darauf: „Das DOSB-Präsidium kam nach einer Prüfung zum Urteil, dass dieses Thema keinerlei Auswirkungen auf meine Kandidatur hat.“

Alfons Hörmann, der erst einmal nur die Amtszeit seines Vorgängers Bach zu Ende führt und deswegen nur für ein Jahr gewählt wird, will am Samstag ein ehrliches Votum. „Ich möchte der guten Tradition von Thomas Bach treu bleiben, dass die Delegierten die Chance zu einer geheimen Wahl bekommen, um so ihrer Meinung eindeutig Ausdruck verleihen zu können“, sagt der Allgäuer Unternehmer, der in große Fußstapfen tritt.

Thomas Bach, der Gründungspräsident des DOSB, wurde am 10. September zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt. Am Samstag soll Bach wie zuvor nur Manfred von Richthofen, früherer Chef des Deutschen Sportbundes (DSB), zum DOSB-Ehrenpräsidenten ernannt werden. Hörmann: „Er verdient den Titel uneingeschränkt.“

Doch der Verbandstag bietet weitaus brisantere Themen als die Wahl von Ehrenpräsidenten. „Der Anti-Doping-Kampf wird auf meiner Agenda für das kommende Jahr ganz oben stehen“, sagte Hörmann - ohne allerdings konkrete Ideen zu haben, wie das Problem konkret anzugehen ist: „Mein Bild für denkbare Lösungsansätze ist noch nicht klar genug.“

Angesichts konträrer Vorstellungen über Inhalte - der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) will im Kontrast zum DOSB Strafverfolgung für dopende Athleten - sagt Hörmann: „Es muss uns gelingen, den Gordischen Knoten der unterschiedlichen Sichtweisen zu durchschlagen.“

Hörmann, von Anti-Doping-Kämpfern wegen seiner Aussagen als „naiv“ gescholten, bezeichnet allein das Kennenlernen der verschiedenen Facetten der Verbandsstruktur „als ein Mammutprogramm“. Das klare Ziel sei, „erst mal festzustellen, wo der Schuh drückt. Deshalb wollen wir bereits am 17. und 18. Dezember im Rahmen einer Klausurtagung des Präsidiums die anstehenden Themen diskutieren und Prioritäten festlegen.“

Geschäftsführer der Hörmann Gruppe mit rund 3500 Mitarbeitern will er als künftiger DOSB-Chef bleiben, auch zusätzlich Aufsichtsratsposten behalten: „Ich habe klar und deutlich zugesagt, dass ich dem DOSB meine notwendigen zeitlichen und geistigen Kapazitäten zur Verfügung stellen werde. Das hat auch schon beim DSV geklappt.“ Man habe vorab schon mal die Termine sondiert: „Es gäbe aus heutiger Sicht keinen einzigen, der für mich nicht wahrnehmbar wäre.“

Ein Präsident mit viel Zeit hat der DOSB allemal nötig. „Der Sport steht in der Ära nach Bach vor großen und schwierigen Aufgaben“, sagt Ehrenpräsident von Richthofen, „und die erledigen sich nicht von selbst.“

sid

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare