"Drecksgefühl": Haas plagen große Zweifel

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Tommy Haas bei seinem Erstrundenaus

London - Schwer enttäuscht von seiner Erstrundenniederlage in Wimbledon zweifelt Tommy Haas weiter an seiner sportlichen Zukunft. Erst am Jahresende aber will er ernsthaft darüber nachdenken, „ob das alles noch Sinn macht“.

Wie ein Häufchen Elend sah er nicht aus, aber er kam sich in etwa so vor. „Drecksgefühl“, stieß Tommy Haas hervor, dann schossen die Worte umher wie Kugeln in einem Flipperautomaten. Er sprach von tiefer Enttäuschung, dann wieder davon, dass es zu früh sei, „um tschüss zu sagen“. Es ging hin und her, zwischen Trauer und Trotz, Frust und Frohsinn, so knapp zehn Minuten lang, und am Ende wusste Haas selbst nicht mehr, was nun geschehen sollte. „Ich muss jetzt erst mal mit meiner Familie reden, was die nun machen will“, sagte er - ihm selbst schien ein wenig die Orientierung abhanden gekommen.

Die Wahrscheinlichkeit eines frühen Scheiterns bei den 125. All England Championships hatte Haas offensichtlich nicht so richtig durchkalkuliert, und als in Wimbledon nach immerhin vier hart umkämpften Sätzen und einer Vielzahl von vergebenen Chancen gegen Gilles Muller aus Luxemburg das Ende kam, war der 33-Jährige tief getroffen. Sehr tief. „Ich werde schon ein paar Tage brauchen, um diese Niederlage wegzustecken“, sagte Haas. Seit beinahe einer Woche hatte er sich vor Ort auf das Turnier vorbereitet, unter anderem mit Roger Federer trainiert, sich irgendwie zugehörig gefühlt. Und dann das.

„Es ist schön, hier wieder dabei zu sein“, sagte Haas, zurückzukehren an jenen Ort, wo er 2009 mit dem Einzug ins Halbfinale „ja einen meiner größten Erfolge“ gefeiert hatte - er unterlag damals Federer. Doch die Gegenwart, in der er sprach, war da schon Vergangenheit. Und auch Haas, in der Weltrangliste lächerlich weit hinten auf Position 895 geführt, bekannte leicht genervt, dass Dabeisein nicht alles ist. „Ich will nicht nur mitspielen, dafür quäle ich mich nicht“, sagte er. Die zweite Runde hätte es schon sein sollen, doch Haas fehlt Spielpraxis, und wer nicht gewinnt, der sammelt keine. Ein Teufelskreis.

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Am 9. Februar 2010 gewann Haas sein bislang letztes Match. Es folgte eine 15-monatige Verletzungspause, doch er will es nochmal wissen, er glaubt, noch ein paar Siege aus seinem geschundenen Körper herausholen zu können. Aber „die letzten Wochen sind nicht so gelaufen, wie ich das wollte“, erzählte Haas mit frustriertem Blick. Ende April hatte er in München das Comeback gewagt - im Doppel. Er verlor in der ersten Runde. Danach spielte er bei den French Open in Paris und in Halle Einzel - und verlor in der ersten Runde. Aber nur bei den French Open sei er chancenlos gewesen, behauptete Haas.

Die Zweifel bleiben groß. „Auf der einen Seite macht es Mut“, nah am Sieg dran zu sein wie beim 6:7 (5:7), 6:7 (3:7), 6:3, 3:6 gegen Muller, versicherte Haas. Allerdings sei es halt auch „bitter“, feststellen zu müssen, dass es bei den wenigen entscheidenden Punkten nicht klappe, dass er die Siegchancen nicht nutze. „Eigentlich ist teilweise alles da“, glaubt er - aber „eigentlich“ und „teilweise“ ergeben kein Ganzes. Er treffe „Fehlentscheidungen“, er müsse an Kleinigkeiten arbeiten, etwa die Beinarbeit verbessern, sagt Haas und klingt dabei, als wolle er sich das nicht mehr unbedingt antun.

Haas hat so etwas wie einen Traum, er wünscht sich, dass seine bald neun Monate alte Tochter Valentina ihn nochmal bewusst bei ein paar großen Siegen erlebt - zur Not halt auf der ATP-Seniorentour, wie er gerade der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verriet. Auf der normalen ATP-Tour, das weiß Haas, wird die Zeit knapp, und womöglich wird sie nicht reichen. Seine nächste Station soll das Rasenturnier in Newport in den USA sein, die Hartplatzsaison in seiner Wahlheimat will er spielen, vielleicht auch in Deutschland, „ich muss mal schau'n, was die nächsten Monate so bringen“.

Haas weiß, dass er spätestens in einem halben Jahr eine Entscheidung treffen muss. „Dann muss ich mal schau'n, ob es 2012 noch Sinn macht.“ Im Moment sieht es eher nicht danach aus.

sid

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