Unschlagbar: Vettel und Schumi als Dream-Team

+
Sebastian Vettel (l) und Michael Schumacher gewinnen das Race of Champions (RoC).

Düsseldorf: Es ist der Traum aller Motorsportfans: Die deutschen Weltmeister Michael Schumacher und Sebastian Vettel in einem Team. Was im Formel-1-Alltag niemals zustande kommen wird, ist alljährlich für einen Tag Realität. Und tatsächlich: Schumacher und Vettel sind unschlagbar.

Als Sebastian Vettel und Michael Schumacher sich in den Armen lagen, innig in die Augen schauten und wie zwei Lausbuben die Grid-Girls und dann sogar die Zuschauer mit Sekt bespritzen, war ein Traum aller deutschen Formel-1-Fans Wirklichkeit geworden. Für einen Abend und eine Nacht waren die beiden in der Tat befreundeten deutschen Weltmeister ein Dream-Team, das es im normalen Rennalltag niemals geben wird.

Auf der Strecke hatten die beiden Superstars der Szene als Team Deutschland I wieder einmal gezeigt, dass sie zusammen unschlagbar sind. Zum fünften Mal im fünften Anlauf gewannen sie den Nationen-Cup beim Race of Champions und sorgten dabei nicht nur in den unterschiedlichen Rennautos für gute Laune und beste Unterhaltung.

Als Vettel auf der Sieger-Pressekonferenz mit frechem Grinsen gerade erklärte, auf der anschließenden Party gebe es „nur Orangensaft, Apfelsaft und Chips“, griff Schumacher unter das Podium und gönnte sich mit demonstrativer Unschuldsmiene einen kräftigen Schluck aus der Magnumflasche. „Er ist der Meister, ich lerne von ihm“, sagte der 18 Jahre jüngere Vettel dann schmunzelnd und gab genaue Pläne für die berüchtigte Feier mit beiden Vätern und weiteren Kollegen und engen Vertrauten bekannt.

„Wenn du mit Michael feierst, ist man immer früh daheim. So gegen acht oder neun Uhr - am Morgen“, sagte Vettel frech. Doch nicht nur vor den Mikrofonen, auch beim sportlichen Spaß-Wettkampf hatten sich die beiden die Bälle zugespielt. „Sebastian hat mir diesmal sehr viel helfen müssen“, sagte der in fünf Rennen zweimal unterlegene Schumacher, nachdem er im Vorjahr seinen etwas schwächelnden Freund zum gemeinsamen Sieg geführt hatte. „Wir helfen uns immer gemeinsam aus der Patsche“, sagte Vettel.

Dass die Chemie zwischen den beiden absolut stimmte, war den gesamten Abend über spürbar. Schumacher und Vettel umarmten sich, machten Späße und Faxen, waren ein Herz und Seele. Als ein Fotograf bei der Verfolgung der beiden Stars stürzte, half Schumacher ihm auf, Vettel eilte hinzu und strich ihm tröstend über den Kopf.

Die Rollenverteilung dieser ungewöhnlichen Freundschaft ist jedoch klar erkennbar. Wer Vettels bewundernde Blicke sah, erkannte, dass der aktuelle Weltmeister noch immer zum siebenmaligen Champion aufblickt. Derweil betrachtet der 42-jährige Schumacher den forschen Jungstar stets mit einem wohlwollenden Schmunzeln, aus dem man fast schon väterlichen Stolz herauslesen kann.

„Vergiss deine reißfeste Hose nicht“, gab er dem 24-jährigen vor dem Abtauchen ins Partyleben dann auch mit auf den Weg. Eine Anspielung auf die ausgelassene Fete nach dem ersten WM-Titel 2010, als Vater Norbert Vettel RTL-Reporter Kai Ebel die weiße Hose zerrissen hatte. Und als Vettel junior im Halbfinale gegen die Briten zum entscheidenden Duell gegen Formel-1-Vizeweltmeister Jenson Button antrat, übernahm Schumacher die Rolle des Coaches und Motivators. „Du musst die Engländer unter Druck setzen und schlagen - so wie wir es auch im Fußball immer machen“, hatte er gesagt. Vettel gewann.

Sie sind sportlich unschlagbar, sie verbreiten gute Laune, sie helfen sich und anderen aus Notsituationen - das Dream-Team Vettel und Schumacher ist einfach zu schön, um wahr zu sein. Und deshalb auch nur eine Illusion. Dass die beiden auch im rauen Formel-1-Alltag einmal ein Team bilden, ist allein schon wegen der aktuellen Vertragssituationen und Schumachers Alter ausgeschlossen.

Träumen dürfen die Fans vielleicht wenigstens von direkten Duellen auf der Strecke, die es in den ersten beiden Jahren nach Schumachers Comeback allenfalls im Qualifying gab - oder wenn Vettel den Altmeister überrundete. „Ich will Seb ein bisschen näher kommen“, sagte Schumacher. Sportlich. Denn wie nahe sich Deutschlands Weltmeister menschlich sind, war am Wochenende wieder einmal deutlich sichtbar.

SID hs ab

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare