DOSB verweigert Schritt zu Anti-Doping-Gesetz

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Die Entscheidung gegen den DLV-Antrag ist laut Thomas Bach eine "Risikoabwägung".

Stuttgart - Kein stärkerer Schritt in Richtung Anti-Doping-Gesetz aus Angst vor Schadenersatzprozessen: Der Deutsche Olympische Sportbund lehnte in Stuttgart einen DLV-Antrag ab.

Kein Schritt in Richtung Anti-Doping-Gesetz: Aus Angst vor teuren Schadenersatzprozessen wird der deutsche Sport von der Politik keine Kronzeugenregelung im Strafrecht und keine uneingeschränkte Strafbarkeit des Besitzes von Dopingmitteln fordern. Angst leitet Thomas Bach offenbar auch in anderer Hinsicht: Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erklärte bei der Stuttgarter Mitgliederversammlung, er fürchte um den Olympiaerfolg 2016, wenn die staatliche Förderung bis dahin nicht um 25 Millionen Euro erhöht werde.

Nur 25 der 459 Delegiertenstimmen lauteten auf Ja (acht Enthaltungen), als der DOSB am Samstag den Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf Verschärfung der Doping-Richtlinien ablehnte. Stattdessen sprach sich das Plenum nach lebhafter Diskussion bei nur neun Enthaltungen ohne Gegenstimme für den Antrag des DOSB aus. Dieser sieht vor, die Höchststrafe für Dopingvergehen im Arzneimittelgesetz von drei auf fünf Jahre zu erhöhen und weitere Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften (bisher nur München und Freiburg) in allen Bundesländern einzurichten. Diese sollen wie Polizei und Zoll eng mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) zusammenarbeiten.

„Die Entscheidung gegen den DLV-Antrag war eine Risikoabwägung“, erklärte Präsident Thomas Bach, dessen Organisation noch kurzfristig einen eigenen Antrag eingebracht hatte, um der DLV-Initiative Wind aus den Segeln zu nehmen. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper meinte, im Falle einer Umsetzung der DLV-Lösung hätte die Gefahr bestanden, dass es bei Dopingurteilen von Sportgerichten zu einer „Beißhemmung“ hätte kommen können, weil aus Angst vor späteren Freisprüchen durch öffentliche Gerichte hohe Schadensersatzprozesse gedroht hätten.

„Wir waren nicht von unserem Erfolg überzeugt, aber wollten aufrütteln und sind nun enttäuscht, dass der Antrag so klar abgelehnt wurde. Es wäre ein Riesenschritt im Anti-Doping-Kampf gewesen“, kommentierte DLV-Präsident Clemens Prokop. Vor allem enttäuschte Prokop, dass die Argumente von Juristin Katja Mühlbauer nicht erhört wurden. Sie hatte deutlich gemacht, dass sie drei Jahre lang bei ihrer Arbeit in der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft München erfahren habe, wie den Ermittlungsbehörden die Hände gebunden seien durch die nun weiter bestehende Rechtssituation.

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Doch für Prokop ist die Entscheidung kein Grund, die Bemühungen einzustellen. „Ich bin sicher, in fünf Jahren werden wir ein Anti-Doping-Gesetz haben. Bei einem Regierungswechsel oder einem anderen Bundesinnenminister vielleicht schon früher.“

Doch der deutsche Sport hat nicht nur ein Dopingproblem. Er verfehlt laut Thomas Bach bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro sein gesetztes Ziel, wenn er binnen der nächsten vier Jahre nicht 25 Millionen Euro mehr an Förderung erhält. Dieser Bedarf sei „eher bescheiden“ formuliert, betonte der DOSB-Präsident. Bach forderte Optimierung im Bereich Trainer, Sportwissenschaft und Sportpsychologie.

Die Finanzsituaton der Vereinigung von fast 28 Millionen Mitgliedern in 91.000 Vereinen ist auch deswegen prekär, weil der DOSB 2012 eine rote Zahl in seiner Bilanz schreiben wird. Laut Schatzmeister Hans-Peter Krämer ist dies vor allem Folge davon, dass die Glücksspirale statt kalkulierter 6,0 nur 5,4 Millionen Einnahmen erbrachte. Auch vor diesem Hintergrund lehnte das Plenum bei nur elf Ja-Stimmen einen DLV-Antrag ab, der darauf abzielte, dass der DOSB aus seinen Rücklagen von fast fünf Millionen Euro das sich erneut abzeichnende Minus der Nationalen Anti Doping Agentur NADA (500.000 Euro) übernimmt.

Bachs Antrag auf Mehrbedarf bis Rio an das Innenministerium (BMI) scheint in der Tat nicht überzogen, denn er entspricht nur einer Mittelsteigerung um etwa fünf Prozent. Für 2013 hatte das BMI dem DOSB 132 Millionen für den Leistungssport zugesagt, erhöhte diese Summe zuletzt auf 135. Gemessen daran wären es in den vier Jahren bis Rio 540 Millionen. Laut DOSB-Vizepräsidentin Christa Thiel entsteht der Mehrbedarf vor allem deswegen, weil neue Sportarten im olympischen Programm stehen und sich andere verändert haben.

SID

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