Nur ein Schönheitsfehler

Goldener Tag für deutsche Kanuten!

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Franziska Weber (l.) und Tina Dietze holten sich im Zweier-Kajak Gold

Eton - Die deutsche Kanu-Flotte ist ihrem Ruf als Medaillengarant mit Doppel-Gold am Donnerstag wieder mehr als gerecht geworden. Es gibt nur einen Schönheitsfehler.

Doppel-Gold in 60 Minuten: Erst holten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela mit einem sensationellen Schlussspurt im Zweier-Canadier Gold, eine Stunde später fuhren Franziska Weber und Tina Dietze im Zweier-Kajak souverän zum Olympiasieg. Die deutsche Kanu-Flotte ist ihrem Ruf als Medaillengarant damit mehr als gerecht geworden. Der vierte Platz des Vierer-Kajaks der Männer war am goldenn Tag auf dem Dorney Lake nur ein Schönheitsfehler.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Der 20-jährige Kretschmer und sein drei Jahre älterer Partner Kuschela konnten ihr Glück bei ihrer Olympia-Premiere kaum fassen. „Den Olympiasieg werden wir erst später realisieren“, sagte Kretschmer nach dem Erfolg nach 1000 m vor den Peking-Siegern Andrej und Alexander Bahdanowitsch aus Weißrussland. Bronze in dem packenden Rennen holten sich die Russen Alexej Korowaschkow und Ilja Perwuchin.

Lange Zeit führten Sergej Besugli und Maxim Prokopenko aus Aserbaidschan deutlich, doch auf den letzten 250 m flogen Kretschmer/Kuschela förmlich vorbei. „Das war wie in Trance. Als ich zu den Aserbaidschanern rübergeschaut habe, merkte ich, dass sie nichts mehr draufhaben, und wir haben Vollgas gegeben“, sagte Kuschela.

Das deutsche Duo hatte in dieser Saison bei der internen Qualifikation des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) die Weltmeister Tomasz Wylenzek/Stefan Holtz (Essen/Leipzig) knapp hinter sich gelassen und somit den Startplatz für London erhalten. Sie rechtfertigten ihre Nominierung mit einer sensationellen Vorstellung und lagen sich noch im Boot überglücklich in den Armen. Kretschmer küsste Kuschela auf die Stirn, bevor auch die geschlagenen Weißrussen gratulierten.

Dann folgte der große Auftritt von Weber/Dietze (Potsdam/Leipzig). Einen Tag nach ihrer Silberfahrt mit dem Vierer-Kajak dominierten sie das Rennen von der Spitze und wehrten alle Angriffe der Konkurrenz ab. Bei der Zieldurchfahrt stieß das Duo Freudenschreie aus, dann hockten beide ausgepumpt in ihrem Boot.

Die Vizeweltmeisterinnen triumphierten bei ihrem Olympiadebüt vor den Peking-Siegerinnen Katalin Kovacs und Natasa Douchev-Janics aus Ungarn. Bronze ging an die Polinnen Karolina Naja und Beata Mikolajczyk. „Das ist unfassbar. So etwas wie heute haben wir noch nie gemacht“, sagte Weber, während Dietze die Freudentränen kaum zurückhalten konnte.

Kurz zuvor waren die Medaillenträume des Vierers geplatzt. Das Boot mit Max Hoff (Essen), der im Einer am Mittwoch Bronze gewonnen hatte, drehte am Ende zwar noch einmal auf, doch die ersten drei Boote waren schon zu weit enteilt. Am Ende fehlten beim Sieg der Australier 0,322 Sekunden auf die drittplatzierten Tschechen. Damit hat erstmals seit 1984 ein deutscher Männer-Vierer auf der 1000-m-Distanz keine Olympia-Medaille gewonnen.

Mit drei Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen hat der DKV seine Vorgaben nach acht der zwölf Finals fast schon erreicht. Ziel waren sieben Medaillen im Rennsport, davon drei in Gold.

sid

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