Dopingkontrollen: Mangelnde Intimsphäre

Kiel - Die Privatsphäre von Sportlern bei Dopingkontrollen ist nicht akzeptabel. Zu dieser Einschätzung kamen die Landesdatenschutzbeauftragten von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.

Die Landesdatenschutzbeauftragten von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein haben die Bundesregierung aufgefordert, ein Gesetz in Angriff zu nehmen, das die Privatsphäre der Sportler bei Dopingkontrollen sichert. In beiden Bundesländern hatten sich Athleten an die Datenschutzbeauftragten gewandt, weil sie gegenüber den Anti-Doping-Organisationen minuziös ihre Lebensführung offenlegen müssen und bei der Entnahme der Urinproben ihre Intimsphäre nicht gewährleistet sehen. Zudem befürchten sie, ungerechtfertigt als Dopingsünder an den Pranger gestellt zu werden.

Die Datenschutzbeauftragten analysierten die Verfahren und kamen zu dem Ergebnis, dass das von der nationalen und der Welt-Anti-Dopingagentur geregelte und praktizierte Verfahren grundlegenden Anforderungen des Datenschutzes nicht genüge. Die Pflicht, die tägliche Erreichbarkeit für Kontrolleure über das Internetsystem ADAMS jeweils drei Monate im voraus sicherzustellen, sei unverhältnismäßig und verletzte grundlegende Datenschutzprinzipien.

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Die Sicherheit und Vertraulichkeit dieser sensiblen Daten sowie die Verantwortlichkeit hierfür seien nicht gewährleistet. Die Art und Weise der konkret praktizierten Anti-Doping-Kontrollen sei zu weitgehend und schieße teilweise über das berechtigte Ziel hinaus, Doping zu verhindern. Die geforderten Unterwerfungserklärungen der Sportler unter diese Kontrollmaßnahmen seien rechtlich nicht akzeptabel. Die beiden Datenschutzbeauftragten schlagen vor, das Doping-Bekämpfungsverfahren gesetzlich zu regeln.

dpa

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