Doping pervers: Hormone aus Leichen

Köln - Doping im Hochleistungssport wird immer perverser: Aus Kostengründen werden mittlerweile schon Wachstumshormon-Präparate aus Leichen gewonnen.

Darauf weist der Lübecker Physiologe und Doping-Experte Horst Pagel hin. „Zugelassene Wachstumshormon-Präparate kosten fast 20 Euro pro Einheit, nicht zugelassene immer noch rund zwei Euro. Wachskuren, so nennt sich das, summieren sich da schnell auf einige hundert Euro. Auch deshalb ist man dazu übergegangen, die Substanzen aus den Zwischenhirnen von Leichen zu gewinnen“, sagte Pagel im Interview mit den Lübecker Nachrichten.

Vor allem in Russland und auf dem Baltikum soll diese Methode gängige Praxis sein, laut Pagel gebe es in Riga und St. Petersburg „Zwischenhirnbänke“. Es gebe Hinweise, dass entsprechende Mittel über den Hafen von Lübeck eingeführt und auf den Europa-Markt verteilt würden, sagte Pagel: „Das sind mafiöse Strukturen.“

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

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Dass die Olympischen Spiele in London auch wegen der intensiven Anti-Doping-Maßnahmen „saubere“ Spiele werden könnten, hält Pagel für ausgeschlossen. „Und zwar deshalb, weil sich die Strukturen des Sportbetriebs nach wie vor nicht geändert haben. Das System perpetuiert sich selbst. Das ganze ist ja in erster Linie Big Business. Ehemalige Athleten werden Trainer oder Funktionäre. So lange das so ist, wird sich nichts Wesentliches ändern“, sagte Pagel.

Insgesamt 6250 Proben werden laut Welt-Anti-Doping-Agentur WADA während der Olympischen Spiele in London (27. Juli bis 12. August) und der Paralympics (29. August bis 9. September) analysiert. Im neuen Londoner Anti-Doping-Labor arbeiten während der Spiele insgesamt 1000 Mitarbeiter rund um die Uhr, darunter 150 Fachleute aus dem Bereich Anti-Doping.

SID

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