Nowitzkis Mavericks kurz vor dem Aus

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Kevin Durant (rechts) legt den Ball über den Kopf von Dallas-Mavericks-Spieler Dirk Nowitzki (links) in den Korb.

Dallas - Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks müssen Geschichte schreiben, um nicht als erste Mannschaft nach den Miami Heat 2007 als Titelverteidiger in der ersten Playoff-Runde zu scheitern.

Dirk Nowitzki zog während der grausamen Vorstellung immer wieder sein Trikot über das Gesicht, auf der Bank versteckte sich der Star der Dallas Mavericks dann lieber unter einem Handtuch. Der 33-Jährige konnte nicht mehr mitansehen, wie der Meister vor den eigenen Fans vorgeführt wurde und sich in eine fast aussichtslose Situation brachte.

„Wir haben uns einen ganz schlechten Zeitpunkt ausgesucht, um ein Scheißspiel zu zeigen“, brachte es Nowitzki nach dem bitteren 79:95 gegen Oklahoma City Thunder auf den Punkt. Mit 0:3 liegt der Titelverteidiger in der ersten Runde der Play-offs zurück, Dallas droht ein Jahr nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte das schnelle Aus.

Kein Team hat es in der Geschichte der NBA jemals geschafft, einen solchen Rückstand zu drehen. Nowitzki weiß das natürlich, allein deshalb verzichtete der Würzburger auf kämpferische Ansagen. Von einer Aufholjagd war nach der Schlusssirene in Dallas schon gar keine Rede. „Wenn man 0:3 hinten liegt, denkt man niemals daran, viermal nacheinander zu gewinnen“, sagte der Teamkapitän bei der Pressekonferenz. „Wir müssen erstmal ein Spiel gewinnen.“

Auf dem Spielfeld war bei den Mavericks von der ersten Sekunde an fast alles schiefgelaufen. Der Meister hatte sich vorgenommen, im ersten Heimspiel der Serie das Publikum von Beginn an als sechsten Mann einzusetzen, stattdessen stand es ganz schnell 0:6. „Unser Ziel war es, mit viel Schwung loszulegen, Energie freizusetzen und die Stimmung in der Halle anzuheizen. Aber wir haben im Angriff überhaupt nichts hinbekommen. So wollten wir nicht anfangen“, sagte Nowitzki voller Enttäuschung.

Auch Deutschlands Sportler des Jahres suchte vergeblich nach seinem Händchen, nur sechs seiner 15 Würfe aus dem Feld fanden den Weg in den Korb. Am Ende kam Nowitzki auf 17 Punkte und war damit noch der erfolgreichste Werfer beim komplett enttäuschenden Gastgeber. In die Kritik am Team schloss Nowitzki sich selbst ausdrücklich mit ein: „Keiner hat heute ein gutes Spiel gemacht.“

Wie sehr die drohende Niederlage am Nervenkostüm der Mavericks rüttelte, belegen vier technische Fouls. Nowitzki war der erste, der lautstark seinen Frust an den Schiedsrichtern ausließ und dafür bestraft wurde. Später benahmen sich auch Delonte West und Brian Cardinal daneben, Rick Carlisle war sogar völlig außer sich. Nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung musste der Trainer von seinem Assistenten Terry Stotts mit vollem Körpereinsatz davon abgehalten werden, auf die Referees loszugehen.

„Wir werden weiterkämpfen“ sagte Carlisle, als er sich wieder im Griff hatte, mit Blick auf das vierte Duell am Sonntag (02.30 Uhr MESZ). Nach Ausreden suchte der 52-Jährige nicht: „Wir waren einige Male unzufrieden mit den Schiedsrichtern, aber wir werden es nicht an ihnen festmachen. Ein Spiel dauert lange.“

Nowitzki dachte derweil an die Auftaktspiele zurück und trauerte den verpassten Chancen nach. Jeweils knapp hatte sich Dallas dem letztjährigen Gegner im Conference-Finale beugen müssen. „Wir haben in Oklahoma City zwei wirklich solide Spiele gezeigt, es aber nicht geschafft, eins zu stehlen“, ärgerte er sich.

Der wertvollste Spieler (MVP) der letztjährigen Finalserie hob nach dem Spiel in Dallas aber auch die starke Leistung der Gäste hervor: „Man muss ihnen Respekt zollen. Sie haben ein großartiges Spiel gemacht.“ Besonders glänzte einmal mehr Superstar Kevin Durant mit 31 Punkten, auch Russell Westbrook (20) war im American Airlines Center schwer zu stoppen. Dazu unterliefen OKC nur acht Ballverluste, Dallas leistete sich dagegen 15 Turnover.

Am Sonntag können die Fans der Mavericks zumindest noch einmal die blauen T-Shirts überstreifen, die vor Spiel drei auf jedem Tribünenplatz zu finden waren. „All in“ steht darauf in großen Buchstaben, Dallas muss tatsächlich in der schwierigen Saison mehr denn je alles in die Waagschale werfen. Ansonsten geht es frühzeitig in den Urlaub.

Das soll vermieden werden und damit der sogenannte „Sweep“, ein 0:4. Sieglos sollen die Play-offs für den so gut wie entthronten Champion auf gar keinen Fall zu Ende gehen. Nowitzki hat eine Idee, wie das funktionieren könnte: „Wir müssen am Samstag Stolz zeigen und einfach besser spielen.“

sid

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