Mehrere Patzer kosten Edelmetall

Deutsche Turnriege verpasst Medaille

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Fabian Hambüchen am Barren

London - Die deutschen Turner haben am Montag im Teamfinale der Olympischen Spiele eine Medaille klar verfehlt. Eine Entscheidung am Grünen Tisch verhilft Japan zu Edelmetall.

Philipp Boy war ein einziges Nervenbündel, da konnte auch der spektakulär turnende Fabian Hambüchen nichts mehr für die deutsche Muskelriege retten. Im Teamfinale der Olympischen Spiele haben die deutschen Turner die erhoffte Medaille klar verpasst. Vor 16 500 Zuschauern in der ausverkauften Londoner North Greenwich Arena kamen die Deutschen am Montagabend mit 268,019 Punkten nur auf den enttäuschenden siebten Platz. Nach verpatztem Auftakt endete eine zwischenzeitliche Aufholjagd mit dem erneuten Absturz von Philipp Boy am Reck. In Peking waren sie als Vierte nur knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt.

Der Titel ging nach 2000 und 2008 zum dritten Mal an die Chinesen, die in der Qualifikation als Sechste noch so enttäuscht hatten. Mit 275,997 Punkten setzten sie sich vor den Japanern durch, die nach dem Wettkampf erfolgreich Protest einlegten gegen die Wertung des Abgangs ihres letzten Turners Kohei Uchimura am Seitpferd. So verbesserten sie sich noch vom vierten auf den zweiten Platz. Die euphorisch gefeierten Europameister aus Großbritannien (271,711), die sich bereits minutenlang über Silber freuten, mussten sich dagegen mit Bronze begnügen. Die Ukrainer (271,526) rutschten sogar noch vom dritten auf den vierten Rang ab.

Die Hoffnung der Deutschen auf Edelmetall schien schon zum Auftakt am „Zitter“-Pferd gestorben, als Andreas Toba und Philipp Boy schwer patzten. Doch dann kämpften die Muskelpakete mit Ehrgeiz weiter, bis das erneute Boy-Desaster am Reck alle Hoffnungen schwinden ließ. Es war der siebte Absturz des durch Verletzungen völlig indisponierten Cottbusers im achten Reck-Wettkampf der Saison.

Der Vizeweltmeister hatte sich im Vorkampf eine Einblutung im Sprunggelenk zugezogen und nach eigener Aussage noch am Tag zuvor kaum mit dem rechten Fuß auftreten können. Teamarzt Hans-Peter Boschert hatte mit Ultraschall und schmerzstillenden Spritzen versucht, die Schmerzen zu lindern. Doch mittlerweile scheint die Reckkrise für Boy eher ein Kopfproblem zu sein. Immer wieder schüttelte er den Kopf und konnte die Welt nicht mehr verstehen. Auch in seinem letzten Wettkampf in London konnte der Sunny-Boy somit nicht für einen Lichtblick in seiner völlig verkorksten Saison sorgen.

Fabian Hambüchen, der sich als einziger individuell auf die Spiele vorbereitet hatte, setzte dagegen cool seinen erfolgreichen Weg in London fort. An allen Geräten blieb er ohne Fehl und Tadel, turnte am Reck mit Perfektion seine schwierige Übung mit Ausgangswert 7,5 sicher in den Stand. 16,166 Punkte waren der verdiente Lohn, mit dem er gleich ein Zeichen für den Medaillenkampf am Königsgerät setzte.

Cheftrainer Andreas Hirsch hatte gegenüber der Qualifikation die Mannschaft auf einigen Positionen dem Final-Modus angepasst, in dem drei Turner an jedes Gerät gingen und auch in die Wertung kamen. So turnten Hambüchen und Nguyen nicht am Pauschenpferd, Philipp Boy verzichtete auf Ringe und Barren. Doch zwei Stürze bei vier Geräten brachten den Cottbuser zur Verzweiflung.

dpa

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